Mit einer überragenden Leistung bezwang Alexander Zverev am Sonntag im Turiner Pala Alpitour seinen Angstgegner Daniil Medvedev 6:4, 6:4. Damit gewann der 24-Jährige zum zweiten Mal nach 2018 die ATP Finals. Zuvor hatte er fünf Duelle in Folge gegen den Russen verloren.
"Es gibt keine bessere Art, die Saison zu beenden als mit einem Sieg hier", sagte der Olympiasieger nach dem Match. Für den Hamburger war es bereits der sechste Titel in der laufenden Saison.
Bei seinem Triumphzug in Italien war - wie gewohnt - Bruder Mischa Zverev an der Seite des Hamburgers. Als Trainingspartner, Manager und Ratgeber in Personalunion begleitet der 34-Jährige die Karriere seines jüngeren Bruders auf Schritt und Tritt.
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Eurosport sprach nach Alexander Zverevs Gewinn der ATP Finals nun exklusiv mit Bruder Mischa über die aktuelle Verfassung, das Medvedev-Trauma und über den künftigen Kampf seines Bruders um den ersten Grand-Slam-Titel und die Nummer eins der Welt.
Herr Zverev, sehen wir aktuell den besten Zverev aller Zeiten?
Mischa Zverev: Das kann ich bestätigen. Im Gesamtpaket spielt er im Vergleich zu seinem letzten ATP-Finals-Sieg 2018 besser, reifer, intelligenter und kompletter. Er ist der beste Zverev, den es bislang gab, aber er kann noch besser werden.
Was sind die größten Verbesserungen im Spiel ihres Bruders?
Zverev: Er hat seine Volleys extrem verbessert, außerdem liest er das Spiel besser, er weiß, wann er angreifen oder sich zurückziehen muss. Die Auswahl seiner Schläge ist ebenfalls besser geworden, darüber hinaus bewegt er sich momentan gut, sehr intelligent. Gegen Medvedev hat er eine hervorragende Balance gefunden und richtig eingeschätzt, wann er draufgehen und ruhig spielen muss. Es gab viele Tempowechsel im Spiel, aber das war alles kontrolliert.
Fünf Mal in Folge hatte Sascha zuletzt gegen Daniil Medvedev verloren. Könnte man sagen, dass es für ihren Bruder ein "Medvedev-Trauma" - und falls ja, hat er dieses überwunden?
Zverev: Bei ihm gab es vielleicht ein Trauma, für mich allerdings nicht. Ich habe mir im Anschluss immer angeschaut, wie die Niederlagen zustande gekommen waren. Meistens resultierten sie daraus, dass Sascha nicht zu hundert Prozent fit war. Medvedev war richtig in Top-Form, während Sascha entweder müde beziehungsweise angeschlagen war – oder eben nicht sein bestes Tennis gespielt hat. Selbst im Finale in Turin war Sascha eigentlich der müdere der beiden. Die Halbfinals waren kaum zu vergleichen. Medvedev hat früh gegen Ruud gespielt, Sascha musste bis in die Nacht gegen Djokovic spielen und hatte nicht viel Zeit, um sich zu erholen. Aus diesem Grund war die Leistung umso beeindruckender.
Wie bewerten Sie Saschas Risiko beim zweiten Aufschlag - wie beispielsweise beim Matchball?
Zverev: Er macht das schon ganz gut und nicht ganz so häufig wie noch vor einem Jahr. Wenn er den zweiten Aufschlag schnell servieren will, ist er sehr konzentriert beim Ballwurf. Wenn der Ballwurf stimmt, dann ist die Chance, dass er den Aufschlag gut trifft, sehr hoch. Ich mache mir diesbezüglich recht wenig Sorgen, weil ich schon in der Vorbereitung des Schlags erkenne, ob er ins Feld geht oder nicht. Ich kenne und fühle ihn ganz gut. Ich weiß, in welcher Gemütslage er gerade ist. Wenn er eine bestimmte Beinarbeit beibehält, weiß ich, dass er hellwach und nicht müde ist. Wenn er bestimmte Dinge verändert, kann ich mich in ihn hineinversetzen und nachvollziehen, in welchen Bereichen angesetzt werden muss. Muss ich ihn beruhigen, weil er nervös ist oder muss ich ihn eher pushen? Selbst wenn der Einfluss, den man von außen nehmen kann, minimal ist, versucht man, Input zu geben.
Welche Spieler werden in Zukunft um die Nummer eins der Welt kämpfen - Boris Becker sprach von Djokovic, Medvedev und Zverev?
Zverev: Man darf Tsitsipas nicht vergessen, er war bis zum Halbjahr unglaublich stark. Ich glaube auch, dass jemand wie Rublev die anderen Spieler ärgern kann. Man muss auch abwarten, wie es mit Nadal im kommenden Jahr weitergeht. Kommt er zurück oder nicht? Wie spielt er die Sandplatzsaison? Aus meiner Sicht sind die „neuen” Top Four Djokovic, Medvedev, Sascha und Tsitsipas. Das ist nur mein Gefühl, das kann sich natürlich noch ändern.
Worauf liegt sein Fokus in der Zukunft: Nummer eins oder Grand-Slam-Sieg?
Zverev: Er würde sagen: "Beides." Es ist zwar mathematisch möglich, auch ohne Grand-Slam-Titel die Nummer eins zu werden, aber es ist sehr unwahrscheinlich. In den letzten 20 Jahren ist es – glaube ich – nur Marcelo Ríos gelungen, ohne Grand-Slam-Sieg oben zu stehen. Es gibt Leute, die gewinnen ein Grand Slam, haben aber noch nie ein Masters gewonnen. Man kann dann sagen, dass es ein Glücks-Coup war, aber wenn man schon etliche Masters und zweimal die Weltmeisterschaft gewonnen hat, dann ist das kein Glück. Sascha zählt zu den zehn Spielern, die mehr als einmal Weltmeister geworden sind. In dieser Liste finden sich Spieler wie McEnroe, Borg, Becker oder Sampras wieder. Rein statistisch sollte es also für einen Grand-Slam-Sieg reichen. Ich will mich nicht zu sehr auf die Vergangenheit verlassen, sondern schauen, wie Sascha sich in Zukunft noch weiterentwickeln kann.
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