Die Erleichterung war Alexander Zverev förmlich anzusehen, als er auf dem Siegerpodest des Ariake Tennis Parks mit der frisch errungenen Goldmedaille um die Wette strahlte.
"So ein Gefühl habe ich in meinem Leben noch nie gehabt. Man kann davon nicht einmal träumen. Als Tennisspieler träumst du davon, einmal ein Grand Slam zu spielen oder bei Olympia vielleicht mal teilzunehmen. Aber eine Goldmedaille zu haben ist etwas, was ich mir in meinem Leben nicht vorstellen konnte", sagte Zverev im Eurosport-Interview.
Zwei Tage, nachdem der 24-Jährige im Halbfinale die Golden-Slam-Träume von Dominator Novak Djokovic auf beeindruckende Art und Weise beendet hatte, ließ er Karen Khachanov am Sonntag im Olympia-Finale mit einer hochkonzentrierten Vorstellung beim 6:3, 6:1 nicht den Hauch einer Chance.
Olympia - Tennis
Zverev erklimmt den Tennis-Olymp: "Das Größte, was du machen kannst"
01/08/2021 AM 14:27
"Ich wusste, dass ich mit Karen auf einen Gegner treffe, der in Topform ist, und ich mein bestes Tennis spielen muss, weil ich sonst keine Chance habe", so der frischgebackene Olympiasieger.

"Das ist es! Das ist Gold!" Die Highlights zu Zverevs Olympiasieg gegen Khachanov

Gesagt, getan.
Gerade einmal 79 Minuten benötigte Zverev im Endspiel, um in Deutschland einen regelrechten Hype auszulösen. "Dein größter Erfolg (bis jetzt), genieße den Moment und lass dich von ganz Deutschland feiern", schrieb Boris Becker bei Instagram.
Könnte der Triumph von Tokio nun also der benötigte Kickstart sein, um auch auf höchster Tennis-Bühne - sprich bei den Grand-Slam-Turnieren - Titel abzuräumen?

Zverev: Push durch Sieg bei ATP Finals blieb aus

Erinnerungen werden wach an das Ende des Jahres 2018. Nach Zverevs Sieg damals bei den ATP Finals in London galt es als ausgemacht, dass dies der Knotenlöser für den jungen Deutschen gewesen sei, um richtig anzugreifen.
Rückenwind verlieh ihm der Triumph damals jedoch nicht. Zverev musste in der Folge mehr als ein halbes Jahr lang warten, ehe er Ende Mai beim "kleinen" ATP-Turnier in Genf erneut einen Pokal in die Luft recken konnte.

Olympiasieger Zverev exklusiv: "Das ist mit nichts zu vergleichen"

Es sollte sein einziger Titel des Kalenderjahres 2019 bleiben. Auch bei den vier Grand-Slam-Events, bei denen ihm bis heute der ganz große Wurf verwehrt blieb, kam er im Saisonverlauf nicht weiter als bis ins Viertelfinale.
Warum es bei Zverev immer wieder bei den vier größten Turnieren des Jahres hakt?
"Bei Grand Slams spielt er für sich und wird nervös, aber bei Olympia spielt er fürs Land und wird nicht nervös. Er wird größer, er wird stärker, er wird zum Löwen. Olympia ist ganz anderes, denn man hat nur alle vier Jahre die Chance es einmal zu gewinnen. Und er hat es direkt beim ersten Versuch geschafft, er hat ja noch nie Olympia gespielt", erklärte Bruder und Eurosport-Experte Mischa Zverev.

Zverev: Murray als perfektes Beispiel

Ähnlich wie Zverev erging es beispielsweise auch Andy Murray in der Frühphase seiner Karriere. Der Brite scheiterte bei den Grand Slams ein ums andere Mal und musste sage und schreibe vier Finalpleiten einstecken, ehe er 2012 Olympia-Gold holte und damit seiner Karriere den entscheidenden Push gab.
Nur wenige Wochen nach seinem Triumph in London gewann er die US Open in Flushing Meadows. Zwei weitere Grand-Slam-Titel und erneut Einzel-Gold bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro sollten folgen.

Gänsehaut pur! Zverev bekommt historisches Gold überreicht

Dass das Pendel jedoch auch in die völlig andere Richtung ausschlagen kann, konnte Zverev an seinem guten Kumpel Dominic Thiem beobachten, der nach dem größten Triumph seiner Karriere, dem US-Open-Sieg 2020, ein Jahr zum Vergessen erlebte.
Es ist nun mal die große Schwierigkeit im Profi-Tennis, nach großen Erfolgen den nächsten Schritt zu gehen und über einen längeren Zeitraum hinweg auf allerhöchstem Niveau zu performen.

US Open: Zverev neben Djokovic Topfavorit

Die nächste Chance dazu hat Zverev bereits in vier Wochen zum Start der US Open (30. August - 12. September). In seiner gegenwärtigen Verfassung zählt der Hamburger nun zu den absoluten Topfavoriten in New York. Fakt ist, Zverev muss sich vor niemandem verstecken - auch nicht vor Novak Djokovic, den er in Tokio besiegt hatte.
Doch zuerst denkt Zverev über eine kleine Auszeit nach. "Ich muss ja normalerweise nach Kanada fliegen. Aber ich weiß nicht, ob ich das tun werde", sagte der 24-Jährige: "Ich werde mir vielleicht doch ein, zwei Wochen Zeit nehmen und ein paar Turniere ausfallen lassen. Ich möchte jetzt auch erstmal verstehen und analysieren, was passiert ist", versprach aber: "Bei den US Open bin ich wieder dabei."
Für die deutsche Nummer eins geht es nun darum, das gewonnene Selbstvertrauen aus dem Olympia-Turnier auch in die Best-of-Five-Matches auf Grand-Slam-Ebene zu transportieren.
Sollte ihm das gelingen, warten auf Zverev noch viele weitere Momente auf dem Siegerpodium ...
Das könnte Dich auch interessieren: "Goldener Teufelskerl": Die Pressestimmen zu Zverevs Olympiasieg

Best of ComCam: So erlebte Mischa Zverev Saschas Goldtriumph

Olympia - Tennis
Historisch! Zverev gewinnt Gold im Tennis
01/08/2021 AM 09:37
Laver Cup
LIVETICKER Laver Cup: Zverev muss im Doppel ran
VOR 6 STUNDEN