Boris Becker rät Alexander Zverev, sich zu öffnen: "Du kannst als Superstar nicht so tun, als gäbe es dein Privatleben nicht"
VonThomas Gaber
Update 11/06/2026 um 16:09 GMT+2 Uhr
Alexander Zverev schwebt nach dem Triumph bei den French Open 2026 auf Wolke sieben. Mit dem Gewinn seines ersten Grand-Slam-Titels geht der Deutscher aber auch eine Verpflichtung ein, weiß Eurosport-Experte Boris Becker. Der sechsmalige Grand-Slam-Champion rät Zverev im Podcast mit Andrea Petkovic, sich privat mehr zu öffnen. Denn als neuer Superstar habe er "gar keine andere Wahl".
Zverev exklusiv: Dieses große Ziel habe ich noch
Quelle: Eurosport
Er sei "ziemlich nervös gewesen" während des French-Open-Finals, das er als Experte für Eurosport mitkommentierte, verriet Becker in der neuesten Ausgabe des Podcasts" Becker Petkovic".
"Sascha war nach dem Aus von Jannik Sinner der große Favorit und hatte enormen Druck. Damit ist er zwei Wochen lang hervorragend umgegangen", lobte Becker.
Das Leben als Grand-Slam-Sieger sei indes nicht zu vergleichen mit dem Leben davor. Zverev, so Becker, werde jetzt zwangsläufig auch privat durchleuchtet werden und könne sich diesem Prozess nicht entziehen.
"Es kommt jetzt die Frage auf: Wer ist eigentlich der Mensch Sascha Zverev? Wir kennen den Tennisspieler, aber wie ist der Mensch? Er hat eine fünfjährige Tochter - wie ist er als Vater? Welche Meinung hat er über Politik? Wie tickt er außerhalb des Platzes? Liest er ein Buch? Da weiß ich nicht, ob er sich in dieser Rolle wohlfühlt. Aber er hat keine andere Wahl: Er wird jetzt im Fokus der Öffentlichkeit stehen - ob er das will oder nicht", meinte der sechsfache Grand-Slam-Sieger.
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Zverev exklusiv: "Es lag unfassbar viel Stress und Druck auf mir"
Quelle: Eurosport
Becker: "Kann nicht so tun, als gäbe es sein Privatleben nicht"
Bislang, so ergänzte Petkovic, sei Zverev zu 100 Prozent Tennisspieler gewesen, "weil er das so wollte und nicht so gerne mit den Medien spricht". Dies sei aber in Zukunft vermutlich nicht mehr möglich.
"Die Frage wird sein: Wie geht er damit um? Macht er ein bisschen sein Herz auf und spricht über seine Leidenschaften, Vorlieben und Hobbys. Oder will er weiter nur als Tennisspieler gesehen werden?", stellte Becker in den Raum und gab selbst die Antwort.
"Du kannst als Superstar - und das ist Sascha Zverev jetzt im Tennis - nicht so tun, als gäbe es dein Privatleben nicht. Du musst dich damit auseinandersetzen, kannst nichts negieren und nichts leugnen", so der 58-Jährige.
Becker: Zverev muss mit Vergangenheit anders umgehen
Wenn es um die Marke Sascha Zverev gehe, "muss er meiner Meinung nach mit der Vergangenheit anders umgehen", sagte Becker.
Und weiter: "Er will nur über Themen sprechen, bei denen er sich wohlfühlt. So geht es aber nicht, dafür ist er zu bekannt. Er ist bestimmt ein toller Vater und ein toller Bruder, aber die Öffentlichkeit weiß es nicht."
Zverev müsse "sich öffnen - dann wird er in Deutschland nicht nur respektiert, sondern auch geliebt. Er ist gerade auf dem Mount Everest und muss diese Chance nutzen, weil die kommt vielleicht nie wieder."
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Begeisterungswelle in Deutschland erwartet
Becker sieht bereits einen grundlegenden Unterschied in Zverevs Umgang mit den Medien: "Ich finde ihn in den Medien auf Englisch viel besser als auf Deutsch. Auf Englisch redet er charmant und lustig und kommt wunderbar sympathisch rüber. Auf Deutsch ist da immer eine Bremse drin - zwei, drei kurz abgehackte Sätze und fertig."
Doch gerade in der Heimat komme auf Zverev nun "eine Begeisterungswelle zu, die er noch nicht erlebt hat. Damit muss man erstmal umgehen können."
In der kommenden Woche schlägt Zverev beim Rasenturnier im westfälischen Halle auf. Bereits am Mittwoch war er vor Ort und bekam vom Veranstalter eine spezielle Begrüßungstorte. Demnächst soll er in seiner Heimatstadt Hamburg für seinen French-Open-Titel geehrt werden.
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