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Boris Becker wartet auf Urteil: Jury berät - Entscheidung im Prozess in London naht
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Publiziert 08/04/2022 um 10:19 GMT+2 Uhr
Boris Becker wartet. Stunden und Tage vergehen - und noch immer steht ein Urteil der Geschworenen aus. Der Southwark Crown Court, knapp 15 Kilometer von Wimbledons Centre Court entfernt, droht weiterhin ein einschneidender Ort für das deutsche Tennis-Idol zu werden. Seit dem 21. März steht der 54-Jährige an der Themse vor Gericht, mögliches Strafmaß könnten bis zu sieben Jahre Haft sein.
Boris Becker
Fotocredit: Getty Images
Im Prozess "The Queen v Boris Franz Becker" saß er zeitweise im Glaskasten und wehrte sich in 24 Anklagepunkten. Es ging um mangelnde Kooperation nach Beckers Zahlungsunfähigkeit 2017, um verschwundene Sporttrophäen, Immobilien und viel Geld.
Am Mittwoch zog sich die Jury zurück, sie muss nun eine Antwort auf die Schuldfrage geben. Anschließend entscheidet Richterin Deborah Taylor über ein mögliches Strafmaß, bis zu sieben Jahre Haft sehen die Gesetze vor.
Becker, sechsmaliger Grand-Slam-Sieger, hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Als Tennisprofi brillierte er einst als Angriffsspieler, besiegte seine Gegner mit seinem so typischen Serve and Volley. Im Gerichtsaal Nummer 3 fand er sich aber von Beginn an in der Defensive wieder.
Staatsanwältin unterstellt Becker Absicht
Staatsanwältin Rebecca Chalkley klagte den einstigen Weltranglistenersten, der täglich von Lebensgefährtin Lilian De Carvalho Monteiro und in der entscheidenden Phase auch von Sohn Noah begleitet wird, in einer für ihn aufwühlenden Verhandlung scharf an. Er habe absichtlich seine wahren Besitzstände verschleiert und das einzige Urteil in jedem Anklagepunkt könne nur "schuldig" lauten.
Neben dem angeblichen Zurückhalten seiner Wimbledon-Pokale und weiterer Trophäen in neun Fällen drehten sich die Vorwürfe etwa um Gelder aus dem Verkauf von Mercedes-Autohäusern. Vermeintlich verschwiegene Immobilienbesitze kamen dazu auf den Tisch, Aktien und Bankguthaben. Becker soll große Summen unter anderem auf Konten seiner früheren Ehefrauen Barbara und Lilly Becker überwiesen haben.
Beckers Anwalt weist Vorwürfe zurück
Beckers Anwalt Jonathan Laidlaw zeichnete in der Verteidigung das Bild eines Mannes, der seit seinem ersten Wimbledonsieg 1985 als 17-Jähriger ein außergewöhnliches Leben führe und in finanziellen Aspekten überfordert sei. "Dieser Mann ist hoffnungslos mit Geld", sagte er.
Becker sei zu vertrauensvoll und abhängig von seinen Beratern gewesen. Eine absichtliche Täuschung und den Vorwurf, die Behörden "an der Nase herumgeführt zu haben", bestritt er aber.
Becker war seit seinem Karriereende 1999 immer wieder mit der Justiz in Berührung gekommen. 2002 wurde er in München wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt. Nun wartet er in seiner Wahl-Heimat London auf eine Entscheidung. An welchem Tag sie fällt, ist offen.
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(SID)
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Quelle: SNTV
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