Eine Weltrangliste ist die "Rangliste der besten Sportler einer bestimmten Disziplin". So will es der Duden und so wird es auch im Tennis interpretiert.
Eigenartigerweise hat in der Szene aber die Zahl derer zugenommen, die dem ATP Ranking diese Eigenschaft absprechen.
"Im Moment ist das System eine Katastrophe", machte Alexander Zverev im Gespräch mit dem mexikanischen TV-Sender "Central Fox" keinen Hehl daraus, was er von der aktuellen Weltrangliste hält: nichts. Es sei ihm derzeit "wirklich egal", was sich da tue.
ATP Rom
Doppelschicht gemeistert: Djokovic macht Masters-Traumfinale perfekt
VOR 11 STUNDEN
Dirk Hordorff, Vizepräsident des Deutschen Tennisverbandes (DTB), hält das System sogar für "pervers" und attackierte in diesem Zuge Roger Federer. "Der bastelt sich sein eigenes Ranking zusammen", polterte Hordorff vergangenen Dezember im Podcast "Quiet, please" und unterstellte damit, dass der Schweizer als Mitglied des ATP Player Councils zu viel Macht habe.

Zverev und Hordorff wundern sich über Federer

Tatsächlich fällt immer wieder der Name Federer, wenn es darum geht, die vermeintlichen Schwächen der Ranglistenberechnung offenzulegen. "Er hat seit einem Jahr nicht mehr gespielt und liegt in der Rangliste über mir", monierte Zverev. Der 23-Jährige erinnerte daran, dass er in dieser Zeit unter anderem "ein Grand-Slam-Finale und ein Masters-Finale" gespielt habe.

Federer is back: So lief das Comeback des Maestros

Federer, stichelte Hordorff indes, würde sich ohne die "Änderung im Ranking nicht mehr in den Top 50" befinden. Aktuell belegt der Rekord-Grand-Slam-Champion, der vor Kurzem in Doha sein Comeback gab, auf Position sechs - einen Platz vor Zverev.
Nur: Wie ist das möglich, wie wird gerechnet und was bedeutet das für das aktuell stattfindende Masters von Miami?

Die ATP-Weltrangliste: Ein Buch mit sieben Siegeln

Die Antwort ist kompliziert. Erst am 3. März nahm die ATP wieder Änderungen vor. Doch der Reihe nach. Am 16. März 2020 wurde das Ranking infolge der Corona-Pandemie zunächst eingefroren. Nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Sommer wurde entschieden, Turniere aus den vergangenen 22 Monaten statt der üblichen 12 zu berücksichtigen. Im Oktober verkündete die ATP, die Bemessungsperiode auf 24 Monate auszudehnen.
Auf Basis dieser Grundlage wird noch - Stand jetzt - bis zum 9. August dieses Jahres gearbeitet. Allerdings mit weiteren Anpassungen.
Turniere, die zwischen dem 4. März und 5. August 2019 ausgetragen wurden und in der Saison 2020 ausfielen oder nach hinten verschoben wurden, gehen noch ein weiteres Jahr lang in die Wertung ein - allerdings nur noch zu 50 Prozent. Womit wir wieder bei Federer sind.
Der Superstar gewann das ATP Masters von Miami 2019 und wurde dafür mit 1000 Punkten entlohnt. Im vergangenen Jahr fiel das Event aus, 2021 ist Federer nicht am Start. Bedeutet: Der 39-Jährige behält 500 von 1000 Punkten.
Die maximale Anzahl der Wettbewerbe, die in die Berechnung der Punktzahl eingeht, liegt aktuell bei 20. Im besten Falle sind dies vier Grand-Slam-Events, acht Masters-Turniere, die besten sieben übrigen Wettbewerbe sowie die ATP Finals am Jahresende.

Zverev spricht von einer "Katastrophe"

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, wenn der Unmut bei einigen Profis wächst. Schließlich ist das Ranking weit mehr als nur eine Zahlenspielerei und unter anderem die Basis für die Festlegung der Setzlisten bei den großen Turnieren. Ganz zu schweigen von den Fans, die dem Geschehen in der Weltrangliste immer weniger folgen können.

Beeindruckende Aufholjagd: So rang Zverev Tsitsipas nieder

Nachvollziehbar also, dass Zverev von einer "Katastrophe" spricht.
Zumal es noch eine weitere Ungereimtheit gibt. So können die Profis auch beim ATP Cup zu Jahresbeginn Punkte für die Weltrangliste sammeln, was per se schon fragwürdig ist. Schließlich handelt es sich hierbei um einen Mannschaftswettbewerb. "Das ist sehr unfair für diejenigen, die nicht teilnehmen können und damit nicht dieselbe Möglichkeit haben, Punkte zu sammeln", monierte Reilly Opelka schon bei der Cup-Premiere im Januar 2020.
Den sarkastischsten Blick auf die ohne Zweifel vorhandenen Schwachstellen der Weltrangliste warf dieser Tage einmal mehr DTB-Vize Dirk Hordorff, der auf Facebook schrieb: "Einige von euch haben das Problem, das Ranking-System der ATP zu verstehen. Dabei ist es so einfach. Roger Federer kann seinen Ranglistenplatz aussuchen - sogar, wenn er nicht spielt."
Nun ja.
Das könnte Dich auch interessieren: Das Zverev-Mysterium: Warum es plötzlich so gut läuft

Zehnter Titel: Medvedev triumphiert im Finale von Marseille

ATP Rom
Weltklasse-Viertelfinale: Djokovic bezwingt Tsitsipas in Rom
VOR 16 STUNDEN
ATP Rom
Dank Aufholjagd an Tag zwei: Djokovic ringt Tsitsipas nieder
VOR 19 STUNDEN