Davis Cup: Warum Zverev die Finals wirklich spielt - Deutschland mit Chancen auf den Titel

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Erstmals seit Einführung 2019 nimmt Alexander Zverev mit dem DTB-Team um den langjährigen Kapitän Michael Kohlmann an den Davis-Cup-Finals teil. Die Zusage vor wenigen Wochen kam für Beobachter unerwartet, hatte sich der 28-Jährige doch als Chefkritiker der einst von Ex-Barcelona-Star Gerard Piqué umgesetzten Reform etabliert. Doch nun spielt Zverev, weil er um eine wohl einmalige Chance weiß.

Alexander Zverev in der Teamkluft des DTB in Bologna

Fotocredit: Getty Images

Noch bis kurz nach 20:00 Uhr hallte das markante Aufschlag-Stöhnen von Alexander Zverev von Trainingscourt zwei entlang der Messehalle der "Bolognafiere" hinein in das Medienrestaurant, was rund hundert Meter entfernt liegt und nur durch hohe schwarze Vorhänge von den Trainingsplätzen der diesjährigen ATP Finals abgetrennt wird.
Das deutsche Team, von denen die meisten am Samstag - und Jan-Lennard Struff nach seinem Challenger-Erfolg in Lyon am Sonntag - anreisten, hatten die Plätze zwei und drei ursprünglich nur von 17:00 bis 19:00 Uhr gebucht. Doch Zverev legte nach seiner Anreise eine extra lange erste Einheit von rund drei Stunden hin.
Falls deutsche Tennisfans und Beobachter nach den Aussagen von Alexander Zverev vergangene Woche bei den ATP Finals Zweifel an Einstellung und Einsatz des besten deutschen Tennisspielers für die deutsche Nationalmannschaft bei den nun anstehenden Davis-Cup-Finals gehegt haben sollten - nach wenigen Stunden auf der Anlage hat der Weltranglisten-Dritte bereits einige Argumente dagegen gesammelt.
Zverev hatte direkt nach seinem Ausscheiden in Turin nur wenig Feuer für den Wettbewerb versprüht ("Ein Showturnier, das man Davis Cup nennt") und abermals betont, dass er von den Teamkollegen gebeten worden sei, zu spielen.

Zverev trainiert und drängt sich nicht in den Vordergrund

Da wäre für die Zverevsche Argumentationskette nicht nur die ausufernd lange Einheit nach einer mit Rücken- und Knöchelproblemen eigentlich kräftezehrenden Saison, die ihn rund um Wimbledon mental über die Grenze des Ertragbaren gebracht hatte.
Zverev war überdies noch am Montagabend früher von seinem eigenen Charity-Event zu Gunsten seiner Diabetes-Stiftung verschwunden und in Absprache mit DTB-Teamkapitän Michael Kohlmann in der Nacht von Montag auf Dienstag nach Bologna geflogen.
Dort angekommen, erfüllte er mit den Teamkollegen Struff, Yannick Hanfmann, Kevin Krawietz und Tim Pütz die Medienverpflichtungen standesgemäß zwar als Führungsspieler, drängte sich aber nicht in den Vordergrund. Im Gegenteil: Als eine offene Frage an das deutsche Team gestellt wurde, ermutigte Zverev Struff, das Wort zu ergreifen.
Die deutsche Nummer eins ist das erste Mal bei der 2019 installierten und zwischendurch feinjustierten Endrunde dabei, für die sich Deutschland bis auf 2023 immer qualifizierte und vergangenes Jahr ohne Zverev in Malaga erst im Halbfinale gegen die Niederlande verlor.

Topfavorit nach Absagen von Sinner und Alcaraz?

Nach der Absage von Jannik Sinner und Lorenzo Musetti aus Belastungsgründen auf Seiten der italienischen Gastgeber und dem kurzfristigen Rückzug von Carlos Alcaraz aufgrund von Oberschenkelproblemen ist Zverev der einzige Top-Ten-Spieler in Bologna und gemeinsam mit dem im Davis Cup stets gut aufgelegten Struff und dem Weltklassedoppel Krawietz/Pütz (15:1-Bilanz im Davis Cup) nun der Topfavorit auf den Titel.
Struff, der wie seine Teamkollegen 2025 aktiv bei Zverev für eine Teilnahme warben, sagte im Verlauf der deutschen Pressekonferenz: "Wir freuen uns als Team alle, dass Sascha hier ist. Wir hatten in den vergangenen Jahren eine super Mannschaft, nicht nur bei dieser Endrunde, sondern mit allen Spielern, die im Laufe des Wettbewerbs zum Einsatz gekommen sind und sind über Jahre zusammengewachsen."
Zverev, der mit dem Team während der Olympischen Spiele 2021 viel Zeit verbrachte gehört dazu und weiß, sich einzugliedern. Ob der Altersstruktur und der Absagenflut hat sich überdies eine vielleicht einmalige und letzte Chance für diese DTB-Generation aufgetan, die auch Zverev ergreifen möchte.
Die kurzfristige Alcaraz-Absage kommentierte Zverev im Stile eines Weltklassespielers, der sich an guten Tagen auf Augenhöhe sieht: "Ich finde es schade, dass er abgesagt hat. Um ehrlich zu sein habe ich mich auf ihn gefreut." Der Fokus lag aber ohnehin noch nicht auf einem möglichen Halbfinale am Samstag gegen Spanien.

Zverev warnt vor Argentinien

Zverev warnte: "Wir spielen zunächst gegen Argentinien. Das ist ein sehr schweres Match gerade auch für mich persönlich gegen Francisco Cerúndolo. Ich habe keine gute Bilanz gegen ihn, erst einmal gewonnen in Toronto. Da war er aber verletzt. Ansonsten habe ich immer verloren. Darauf müssen wir uns fokussieren." 
Im zweiten Einzel am Donnerstag (ab 17:00 Uhr) trifft aller Voraussicht nach Struff auf Tomas Martin Etcheverry, der 2023 gegen Zverev im Viertelfinale der French Open stand. Die Südamerikaner verfügen mit Horacio Zeballos und Andres Molteni zudem über ein leistungsstarkes Doppel. Nach der Absage von Alcaraz ist Spanien gegen Tschechien derweil nicht mehr Favorit im Kampf um den möglichen Halbfinalgegner.
Zverev möchte derweil trotz der langen Saison mit vollem Commitment alles für den Erfolg tun. Auch am Mittwoch plant der Topspieler in zwei Einheiten lange zu trainieren.
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Tennis zum Zungeschnalzen: Sinner zieht Alcaraz im Endspiel den Zahn

Quelle: Perform


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