French Open 2019 | Warum Rafael Nadal noch Jahre in Roland-Garros herrschen wird

Er hat's schon wieder getan. Rafael Nadal setzte sich im Finale der French Open mit 6:3, 5:7, 6:1, 6:1 gegen Dominic Thiem durch. Die Titelverteidigung bescherte dem Ausnahmespieler den zwölften Triumph in Roland-Garros. Bleibt die Frage, wie lange Nadal sein sandiges Königreich noch verteidigen kann, wieviele Titel noch möglich sind? Die Antwort dürfte der Konkurrenz nicht gefallen.

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Fotocredit: Eurosport

Als Rafael Nadal sich den Sand aus dem Shirt geklopft, die Trophäe in Empfang genommen und seine Dankesrede gehalten hatte, begann die Suche nach einer Erklärung. Einer Erklärung dafür, wie es einem Spieler gelingen konnte, ein Grand-Slam-Turnier zwölf Mal zu gewinnen.
Dominic Thiem, der dem Sandplatzkönig im Endspiel einen großen Fight geliefert hatte, ging schon auf dem Court auf, wie unvorstellbar diese Leistung ist. "Zwölf Mal, das ist so unwirklich", schüttelte der 25-Jährige den Kopf. Der Weltranglisten-Vierte machte während des dreistündigen Schlagabtauschs mit dem Champion die deprimierende Erfahrung, die ein Runde zuvor auch Roger Federer machen musste: Wie gut die Bälle gegen Nadal auch kommen mögen, er hat so gut wie immer einen noch besseren Schlag in petto.
Federer machte seine Sache gegen Nadal im Halbfinale so gut, dass Eurosport-Experte Boris Becker anerkennend bemerkte, den Schweizer "selten so stark auf Sand gesehen" zu haben. Am Ende stand eine Dreisatz-Niederlage zu Buche.

Das Phänom Nadal

Thiem war dem Spanier im Finale ein noch stärkerer Kontrahent, nach dem Gewinn des zweiten Satzes war kurzzeitig sogar das Undenkbare denkbar. Doch Nadal antwortete sportlich brutal und holte zwölf der nächsten 14 Spiele - das Ergebnis ist bekannt.
Man kann sich dem Phänomen Nadal etwas annähern, wenn man die Zahlen sprechen lässt. Zwölf Mal stand er im Finale von Roland Garros, zwölf Mal gewann er es. 95 Matches bestritt der 33-Jährige beim Turnier bislang, 93 davon beendete er als Sieger. Eine Bilanz, die alles bisher da Gewesene in den Schatten stellt, wie Becker betont:
Nadal ist die schiere Zahl von zwölf Titel selbst ein wenig unheimlich. "Ich kann es nicht erklären", so der Champion, der eine ungewohnt holprige Vorbereitung wegstecken musste.

"Wie immer Rafael Nadal"

Bei den Sandplatz-Turnieren von Monte-Carlo, Barcelona und Madrid setzte es überraschende Niederlagen - erst in Rom beim letzten Masters vor den French Open holte Nadal wieder einen Titel und tankte Selbstvertrauen. "Und dann fängt das Turnier in Roland Garros an und wer ist am Ende der Sieger? Wie immer Rafael Nadal", bringt es Becker auf den Punkt.
Die Überlegenheit des Mallorquiners im fortgeschrittenen Tennisalter wirft unvermeidlich die Frage auf, wie viele Titel in Roland-Garros er noch im Tank hat und wer die Spieler sind, die ihn vom Thron stoßen könnten. Für Becker ist "Thiem der natürliche Nachfolger". Allerdings schränkt der 51-Jährige ein:
Neben Thiem gelten derzeit vor allem Stefanos Tsitsipas und Alexander Zverev als mögliche Erben von Nadal in Paris. Beide spielten ein ordentliches Turnier, Zverev erreichte das Viertel-, Tsitsipas das Achtelfinale.
Bezeichnend war aber auch: Beide scheiterten in Duellen mit erfahrenen Profis. Der Deutsche unterlag dem 32-jährigen Novak Djokovic, der Grieche musste sich dem 34-jährigen Stan Wawrinka geschlagen geben.

Federer macht's vor

Federer machte in der Saison 2018 in Melbourne vor, dass man sogar im Alter von 36 Jahren noch einen Grand-Slam-Wettbwerb für sich entscheiden kann. Nadal hat bis dahin noch drei Jahre Zeit und ist dem Schweizer Rekord-Grand-Slam-Champion (20 Titel) mit nunmehr 18 Major-Erfolgen dicht auf den Fersen. Der Ehrgeiz ist geweckt.
Wie immer man es dreht und wendet: Es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb der French-Open-Champion der Saison 2020 nicht Rafael Nadal heißen sollte...
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