Alexander Zverev (Hamburg/Nr. 6) brauchte in der 3. Runde von Roland-Garros 1:47 Stunden, ehe er gegen Marco Cecchinato, der 2018 in Paris auf dem Weg ins Halbfinale unter anderem Novak Djokovic ausgeschaltet hatte, seinen dritten Matchball verwandelte.
"Ich war zufrieden mit meinem Spiel. Gestern habe ich im Training an ein paar Dingen gearbeitet, weil ich offensichtlich nicht happy über mein Spiel vor zwei Tagen war. Ich wusste, ich muss besser spielen", sagte Zverev, nachdem ihm Pierre-Hugues Herbert in Runde zwei beim 2:6, 6:4, 7:6 (7:5), 4:6, 6:4 einiges abverlangt hatte.
Sandplatzspezialist Cecchinato führte im zweiten Durchgang schon mit Break, ehe Zverev nach 3:5 sechs Spielgewinne in Folge gelangen.
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"Er hat wieder den Rhythmus gefunden, seine Taktik gefunden", analysierte Bruder Mischa Zverev bei Eurosport: "Er hat dann wieder angefangen, schneller zu spielen, war näher an der Grundlinie. Diese Auszeit war nur ganz kurz heute."
Alexander wollte sich dagegen nicht zu sehr loben. "Ich fand es okay für eine dritte Runde", sagte der zehn Jahre jüngere Zverev: "Der zweite Satz war nicht so schön, aber es war okay. Ich habe mich wohlgefühlt auf dem Platz, weiß aber, dass es in der nächsten Runde noch schwieriger wird."

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Alexander Zverev jetzt gegen Jannik Sinner

Für den deutschen US-Open-Finalisten waren es so allerdings auch erstmal "nur" die gespielten Sätze 38 bis 40 seit Start der US Open vor viereinhalb Wochen. Zverev hat es damit in allen drei Grand-Slam-Turnieren 2020 in die zweite Turnierwoche geschafft, muss aber mit seinen Kräften in Paris irgendwie haushalten. Auch wenn er das selbst nicht so sagen wollte.
"Ich kann auch von heute bis übermorgen spielen, das ist kein Problem für mich", sagte er im Interview mit Eurosport selbstbewusst.

Zverev exklusiv: "Kann auch bis übermorgen spielen"

Am Sonntag gehen für Zverev erstmal die Italien-Tage weiter: Nach dem Sizilianer Cecchinato erwartet ihn nun der furios aufspielende Südtiroler Jannik Sinner, der wie die Topfavoriten Rafael Nadal und Dominic Thiem ohne Satzverlust die Runde der letzten 16 erreichte.

Zverev beeindruckt von Sinner

Der in der Weltrangliste auf 75 geführte Sinner besiegte Federico Coria (Argentinien) 6:3, 7:5, 7:5. Der 19 Jahre alte Südtiroler steht damit erstmals im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers.

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"Er spielt unglaublich gut, hat noch nicht mal einen Satz verloren. Er ist einer, der jetzt nach oben kommt und zurzeit richtig gut spielt. Er hat viel Power. Mal sehen, wie es läuft", sagte Zverev: "Ich spiele jetzt besser und habe vielleicht ein bisschen mehr Erfahrung, aber die Jungen spielen furchtlos und haben keinen Grund, nervös zu sein. Es kann so oder so ausgehen."
Später fügte er bei Eurosport zu: "Er ist jetzt schon einer der besten Spieler der Welt."

Zverev beeindruckt von Sinner: "Er spielt unglaublich gut"

Zverev startet stark nach Geduldsspiel

Ins Achtelfinale will auch noch Daniel Altmaier, Qualifikant aus Kempen und zweite Hoffnung des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Der 22-Jährige spielt am Samstag ebenfalls gegen einen Italiener, den Römer Matteo Berrettini.
Zverev, der in den vergangenen beiden Jahren bei den French Open jeweils ins Viertelfinale eingezogen war, legte unheimlich fokussiert los.
Eine Regenunterbrechung und ein Fünfsatzmatch vor ihm hatten ihn aufgehalten, nun schien er es eilig zu haben auf dem Court Suzanne Lenglen, nachdem er doch nicht auf den überdachten Philippe Chatrier gelegt wurde. "Ich dachte die ganze Zeit, dass wir auf dem Center Court spielen", gab Zverev zu.
Doch auch so war er gleich gut drauf, gewann den ersten Satz bereits nach 23 Minuten.

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Zverevs Rückhand stark verbessert

"Er ging auf den Platz wie ein Favorit. Man hat das hier im Studio gespürt, Cecchinato hat das gespürt", meinte Boris Becker, Head of Men's Tennis im DTB, bei Eurosport: "Er stand nah an der Grundlinie. Die Returns hatten einen Grund. Er hat sie nicht nur zurückgespielt. Und er hatte heute die beste Rückhand seit langer Zeit."
So sah es auch Zverev. "Ich habe das Gefühl gehabt, ich muss den Ball früher nehmen, ich muss aggressiver spielen, ich muss mit der Rückhand mehr machen als ich es in den letzten Matches gemacht habe, weil es für mich der wichtigste Schlag in meinem Spiel ist", sagte er.
Mit seinem druckvollen Spiel konnte Cecchinato nicht mithalten und machte viele Fehler. Becker gefiel dies. "Ich hoffe, dass er diesmal schneller gewinnt", sagte Becker bei Eurosport.

Becker lobt Zverev: "Beste Rückhand seit langem"

French Open: Zverev wirkt frisch

In den ersten beide Runden hatte Zverev mehr als sechs Stunden auf der roten Asche gestanden, deutlich länger als beispielsweise Thiem oder Nadal. "Das kostet eine Menge Kraft, das ist so meine Sorge. Das ging in die Knochen", sagte Becker. Zverev schob dies nach seinem Zweitrundenerfolg gegen Herbert zwar zur Seite.
Doch auch Thiem räumte am Freitag ein, er sorge sich, dass er die US Open mit dem engen Finale gegen Zverev in Paris noch spüren würde. Zverev wirkte gegen Cecchinato aber weiter frisch. Vor allem auch mental.
Ein frühes Break im zweiten Satz gegen ihn brachte den Hamburger nicht aus dem Gleichgewicht.

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Zverev wählt den schnellstmöglichen Weg

Er wartete geduldig auf seine Chance und nahm Cecchinato den Aufschlag zum 5:5 ab, um kurz später auch den Durchgang für sich zu entscheiden.
Im dritten Satz brach Zverev schnell die Gegenwehr der Nummer 110 der Welt, die an diesem Abend nicht mit dem Weltranglistensiebten mithalten konnte. Cecchinato versuchte, Zverev noch mit etwas Lamentieren aus dem Gleichgewicht zu bringen. Doch der Topspieler wählte an diesem Abend den schnellstmöglichen Weg ins Achtelfinale.
"Ich habe mich von der Grundlinie besser gefühlt und konnte dann auch mehr machen", meinte der Deutsche: "Ich habe mich wohlgefühlt auf dem Platz, weiß aber, dass es in der nächsten Runde noch schwieriger wird."

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