Größter Karriere-Erfolg in Paris – große Freude zeigte Alexander Zverev nach dem klaren Sieg im Viertelfinale aber nicht.
"Ich habe keinen Grund zu lachen und Emotionen zu zeigen, Boris. Ich bin im Halbfinale, mehr nicht", sagte die deutsche Nummer eins im Herrentennis nach dem 6:4, 6:1, 6:1 über Alejandro Davidovich Fokina bei Eurosport zu Experte Boris Becker, der sich über Zverevs betont coole Reaktion über den Halbfinaleinzug gewundert hatte.
"Ich sehe es so: Ich bin im Halbfinale und habe hoffentlich noch zwei Matches vor mir", fuhr der 24-Jährige fort:
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"Klar, ich könnte jetzt Freudensprünge machen, dass ich zum ersten Mal im Halbfinale von Roland-Garros stehe, aber dann gebe ich mir nicht die beste Chance für das Halbfinale."

French Open: Alexander Zverev will Aufschlag verbessern

Sprach's und verabschiedete sich trotz vorgerückter Abendstunde in Paris noch auf den Trainingsplatz, um Aufschläge zu üben - die Quote beim ersten Service (55 Prozent) hatten ihm und seinem Trainerteam im Viertelfinale nicht gefallen.
Ein Arbeitsethos, der auch Mischa Zverev gefiel. "Er hat wirklich das große Ziel vor Augen", sagte der neuneinhalb Jahre ältere der Zverev-Brüder bei Eurosport. Sein Bruder verhalte sich "sehr professionell".
"Er fühlt sich gut, er ist fit und er schont seine Kräfte, was auch sehr wichtig ist. Er spielt einfach gutes Tennis, egal zu welcher Tageszeit", fuhr Mischa Zverev fort.
Auch am für ihn spielfreien Mittwoch werde der Weltranglistensechste wieder auf der Anlage arbeiten. "Er wird auch morgen zwei, zweieinhalb Stunden trainieren. Er ist wie ein Pferd, er muss einfach laufen. Er muss im Rhythmus bleiben", sagte sein älterer Bruder.

Wo bleiben die Emotionen? Zverev: "Hab keinen Grund zu lachen"

Zverev erstmals im Halbfinale von Roland-Garros

Wie ein gutes Pferd nahm Sascha Zverev auch die Hürde Viertelfinale - eine, die er in Paris in zwei Anläufen noch nicht überwinden konnte: 2018 verlor er gesundheitlich angeschlagen klar gegen den späteren Finalisten Dominic Thiem 4:6, 1:6, 2:6, ein Jahr später war gegen den Weltranglistenersten Novak Djokovic beim 5:7, 2:6, 2:6 Endstation.
2020 musste Zverev dagegen nach seinem kräftezehrenden US-Open-Ritt, der ihn so nahe wie nie an einen Grand-Slam-Erfolg geführt hatte, in Paris erkältet im Achtelfinale gegen den aufstrebenden Jannik Sinner klein beigeben (3:6, 3:6, 6:4, 3:6).
2021 nun soll jedoch Zverevs Jahr werden. Mit seinem Masters-Sieg in Madrid, bei dem er mit Thiem, Rafael Nadal und Matteo Berrettini hintereinander weg drei Top-Ten-Spieler schlug, hatte sich der 24-Jährige Matchhärte und Selbstvertrauen für Paris geholt.

Viertelfinale: Zverev fegt über Davidovich Fokina hinweg

French Open: Alexander Zverev wirkt fokussiert

In Roland-Garros startete Zverev gegen den deutschen Qualifikanten Oscar Otte mit 3:6, 3:6 in den ersten zwei Sätzen zwar denkbar schlecht, dann aber lief's – seither hat er 15 Sätze in Folge gewonnen, sechs davon mehr als deutlich (viermal 6:1, zweimal 6:2). Auch die Spielzeit hielt er knapp - im Schnitt stand Zverev "nur" 2:11 Stunden pro Match auf dem Court.
Im Gegensatz zu früheren Jahren wirkt Zverev fokussierter, routinierter. Als gegen Davidovich Fokina zu Beginn die Spannung des Schlägers überhaupt nicht zu stimmen schien, blieb er trotzdem cool.
"Der Schläger war zu hart. Ich hatte keinen Spin, dann habe ich auch keine Kontrolle", verriet Zverev bei Matchball Becker. Abhilfe brachte ein Griff in die Tasche: "Nach dem 4:3 habe ich meinen Schläger gewechselt und dann wurde es auch besser." Fortan verlor er nur noch drei Spiele.

Pingpong am Netz: Zverev nervt seinen Gegner

Zverev mit schwarzer Serie gegen Top-Ten-Spieler

Vom klaren Ergebnis ließ sich Zverev angesichts von 37 vermeidbaren Fehlern seines fahrigen Gegners aber auch nicht blenden. "Ich habe gegen Nishikori besser gespielt, fand ich", sagte er über das identische Ergebnis gegen den Japaner im Achtelfinale.
Holpersätze wie den ersten mit insgesamt sieben Breaks müsse man aber "auch mal gewinnen. Du kannst in einem Grand Slam nicht sieben Matches hintereinander jeden Satz perfekt spielen. Das geht nicht. Du musst auch wissen, wie du mit einer solchen Situation zurechtkommst."
Euphorie sei deshalb nicht angesagt. Auch weil im Halbfinale ein echter Brocken wartet - mit Stefanos Tsitsipas ist es ein Top-Ten-Spieler, gegen die Zverev bei Grand Slams eine schwarze Serie hat, gar 0:9 steht. Auch gegen Tsitsipas hat Zverev eine negative Bilanz (2:5).
Bei Grand Slams stand man sich allerdings noch nicht gegenüber, zuletzt gewann Zverev auch das Finale von Acapulco gegen den Griechen (6:4, 7:6).
"Ich muss frisch sein, muss bereit sein", sagte der Deutsche zum Ende seines Gesprächs mit Becker. Denn: "Ich bin hier, um weit zu kommen."
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