"Mich auf Sand zu schlagen, ist keine Riesenschlagzeile."
Dieses Zitat stammt von Daniil Medvedev und ist gerade einmal drei Wochen alt. Der Russe ist ein ausgesprochener Sandplatz-Hasser, wie er in der Vergangenheit mehrfach betonte. "Ich mag nichts an diesem Untergrund", schimpfte Medvedev Anfang des Jahres und bekräftigte diese Abneigung zuletzt bei seinem Match gegen Davidovich Fokina: "Ich will hier nicht auf diesem Belag spielen."
Eben jener Medvedev ist aber bei den French Open der am höchsten gesetzte Gegner von Alexander Zverev auf dem Weg ins Finale. Genau das zeigt, warum der Deutsche so gute Karten hat, ganz weit zu kommen. Roger Federer, Novak Djokovic und allen voran Sandplatzkönig Rafael Nadal befinden sich allesamt in der oberen Hälfte des Turnierbaums.
French Open
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58 Grand-Slam-Titel vereinen diese drei Giganten, hinzu kommt mit Marin Cilic ein weiterer ehemaliger Champion (US Open 2014). Demgegenüber steht in der unteren Hälfte des Tableaus nur der eine US-Open-Titel von Dominic Thiem.
Es sind aber nicht nur die Big Three, die den oberen Teil des Draws so spannend gestalten. Auch die beiden jungen Shootingstars Andrey Rublev, Masters-Finalist in Monte Carlo und Nummer sieben der Welt, sowie Jannik Sinner (Nr. 18), der zuletzt beim Masters in Rom eine starke Leistung gegen Nadal zeigte, sind dort gesetzt.

Nadal, Djokovic und Federer erstmals in gleicher Hälfte des Turnierbaums

Bereits im Viertelfinale könnte es zum Duell zwischen Federer und Djokovic kommen.
Der Gewinner könnte dann im Halbfinale auf Nadal treffen, sofern dieser seine vorherigen Aufgaben meistert. Wer auch immer sich in dieser Hälfte des Turnierbaums ins Finale spielt, musste zuvor einige namhafte Hürden überwinden.
Hier liegt der große Vorteil für Zverev, der sich möglicherweise mit etwas weniger Anstrengung in Richtung Finale spielen kann. In der ersten und zweiten Runde warten erst einmal Qualifikant (die French-Open-Qualifikation live im Eurosport Player).

Deutsches Duell zum Auftakt für Zverev

Los geht es mit einem deutschen Duell, Zverev bekommt es mit Oscar Otte zu tun und ist gegen die Nummer 152 der Welt haushoher Favorit.
Alexanders Bruder Mischa Zverev warnt im Interview mit Eurosport jedoch vor den Auftakthürden.

Mischa Zverev exklusiv: Das macht den Draw für Alex kompliziert

Mischa Zverev warnt vor leichten Gegnern zum Auftakt

"Sollten diese Gegner etwas einfacher sein, dann kann es schon passieren, dass man in der ersten und zweiten Runde jemanden hat, der etwas niedriger in der Rangliste steht, aber dann in der dritten und vierten Runde einen richtigen Brocken bekommt. Und dieser Unterschied ist manchmal nicht leicht zu bewältigen, vor allem bei einem so großen Turnier", erklärte der ältere Zverev-Bruder und führte aus: "Deswegen muss man einfach gucken, wie er in das Turnier startet, wie die Bedingungen sind und wie er spielt. Denn wenn er gutes Tennis spielt, ist es egal, wie einfach oder schwer das Los ist, dann wird er es in die zweite Woche schaffen und relativ weit kommen."
Viel schwerer wird es zunächst allerdings auch nach den ersten beiden Runden nicht. In der dritten Runde könnte es zum Duell mit Daniel Evans (Nr. 23) kommen, den Zverev erst kürzlich beim Masters in Madrid in zwei Sätzen schlug. Die vierte Runde könnte dann mit Kei Nishikori oder Roberto Bautista Agut (Nr. 11) die erste größere Aufgabe bereithalten, schlagbar wären aber beide.
Im Viertelfinale wartet dann möglicherweise Dominic Thiem. Allerdings zeigte der Österreicher in dieser Saison ungewohnte Schwächen auf Sand. Thiem verlor drei der letzten sieben Spiele, darunter war auch ein klares 3:6, 4:6 gegen Zverev in Madrid. Beim Vorbereitungsturnier in Lyon verlor der Weltranglisten-Vierte sein Auftaktmatch gegen Cameron Norrie deutlich mit 3:6, 2:6.
In einem möglichen Halbfinale könnte Zverev dann auf Sandplatzhasser Medvedev oder aber Stefanos Tsitsipas treffen. Von den beiden ist Tsitsipas aktuell klar stärker einzuschätzen. Der Grieche gewann das Masters in Monte Carlo und das Turnier in Lyon. Zudem verlor er im Finale von Barcelona nur knapp gegen Nadal (4:6, 7:6, 5:7). Im vergangenen Jahr scheiterte Tsitsipas im Halbfinale in fünf Sätzen an Djokovic, dieses Mal will er ins Finale von Roland Garros.

Mischa Zverev tippt: Alexander kommt ins Finale der French Open

Natürlich sind Thiem und Tsitsipas als mögliche Gegner kein leichter Weg ins Finale. Dennoch würden die Topfavoriten Nadal und Djokovic auf Zverev erst im Endspiel warten. Der Masters-Sieg in Madrid, als der Deutsche unter anderem Thiem, Berrettini und Nadal schlug, machten Hoffnung, auch wenn Bruder Mischa die Turniere im Vorfeld nicht zu hoch hängen wollte.
"In der Vergangenheit hat er uns alle überrascht. Wenn er die Vorbereitungsturniere gut gespielt hat, hat er bei den Grand Slams oft nicht so gut gespielt und genau umgekehrt", merkte der 33-Jährige an und ergänzte: "Er ist ein bisschen eine Wundertüte. Man weiß nie, was man bekommt und das ist auch gut so. Diese Unberechenbarkeit ist interessant und macht das Spiel so spannend bei ihm. Er zeigt, egal in welcher Gemütslage er ist, er kann trotzdem seine Leistung abrufen und am nächsten Tag sein bestes Tennis zeigen."
Dennoch zeigte sich Mischa optimistisch, was den Turnierverlauf angeht und prognostizierte: "Ich sage, er kommt ins Finale. Und was im Finale passiert, kann keiner vorhersehen. Er kann es gewinnen. Daran glaube ich ganz fest. Und ich hoffe, er wird es schaffen."
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