French Open 2024 - Alexander Zverev zieht Kopf in der 3. Runde aus der Schlinge: Seelenruhe unter Druck

Alexander Zverev hat in der 3. Runde der French Open seinen Kopf in der letzten Sekunde aus der Schlinge gezogen. Der Olympiasieger bewies im entscheidenden fünften Satz gegen Tallon Griekspoor taktisches Feingefühl unter allerhöchstem Druck. Der Achtelfinaleinzug in Roland-Garros darf dabei auch als Belohnung für den Reifeprozess von Zverev angesehen werden, der "durch viel Scheiße gegangen" ist.

3. Runde: Zverev taumelt und rettet sich - Highlights

Quelle: Eurosport

Alexander Zverev zu früh bei der Pressekonferenz? Die anwesenden Reporter blickten verwundert auf ihre Handys, als die Mitteilungen des Turniers gesendet wurden. Der frisch gebackene Achtelfinalist sei auf dem Weg zu seinem Medientermin - zehn Minuten eher. Das kam in der nun bereits mehr als zehn Jahre andauernden Profikarriere des Olympiasiegers wohl noch nie vor.
Ob es um kurz nach halb neun Ortszeit mit dem bald folgenden Champions-League-Finale zu tun hatte, wurde nicht geklärt. Offensichtlicher wurde, dass das 3:6, 6:4, 6:2, 4:6 und 7:6 (3) gegen Tallon Griekspoor nach mehr als vier Stunden auch für einen der fittesten Spieler auf der Tour Kraft gekostet hatte.
Zverev streckte und reckte sich, veränderte seine Sitzposition mehrmals, bevor er ins Reden kam. Und gab zu, dass er bei 1:4 im entscheidenden Satz zunächst nicht mehr an ein Wunder glaubte. Dann ging er tiefer in die Analyse.
In der für ihn typisch ironischen Art stellte Zverev fest, dass eine schlechte Leistung grundsätzlich nie die Schuld des Spielers sei. Er habe bei 1:4 schon eine ganze Rede für jedes einzelne Teammitglied seiner Mannschaft vorbereitet.

Zverev: "wollte so viel Scheiße erzählen"

Seinem Trainer, Hittingpartner, Fitnesstrainer: "Ich hatte schon alles vorbereitet. Ich wollte ihnen so viel Scheiße erzählen. Das können Sie sich nicht vorstellen." Zum Wohle seiner selbst und seiner Fans aber, sinnierte Zverev beim Seitenwechsel über einen Taktikwechsel, der spät aufging.
"Ich bin beim Return näher an die Grundlinie gegangen, weil er mich mit 'Serve and Volley' zuvor anderthalb Sätze getötet hat." Das hatte für den Niederländer perfekt funktioniert und das habe er seinem Gegner wegnehmen wollen. "Ich denke, dass ich beim Stand von 1:4 unglaublich gut returniert habe. Bei 3:4 hat er dann angefangen zu überlegen, zwei Doppelfehler und zwei einfachere Rückhandfehler gemacht."
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"Der kommt auch!" Zverev stolpert zum Winner im Tiebreak

Quelle: Eurosport

Zverev hatte das Gefühl, dass er sich selbst nochmals in diese Lage gebracht habe. "Im Matchtiebreak habe ich dann das beste Tennis im gesamten Match gespielt", resümierte der Matchwinner, der nun im Achtelfinale auf Holger Rune trifft.
Griekspoor hatte tatsächlich "Serve and Volley" als Stilmittel auserkoren, suchte fast 70-mal den Weg zum Netz und machte dabei zu 70 Prozent den Punkt. Darüber hinaus entnervte er Zverev mit zahlreichen Stoppbällen und griff immer wieder Zverevs Vorhand an.
Der Deutsche selbst hatte in den ersten anderthalb Sätzen Probleme, ein wettbewerbsfähiges Energielevel auf den Centre Court zu bringen, kämpfte sich langsam herein. Als Hauptgrund für die wacklige Performance nannte Zverev aber die Bedingungen und Bälle, mit denen auch Jan-Lennard Struff zu kämpfen hatte.

Zverev über Bälle: Eine "Katastrophe"

Beide deutschen Davis-Cup-Spieler, Struff nach der mehrstündigen Regenpause bei bleibendem Nieselregen und zwölf Grad gegen Alex de Minaur, sowie Zverev bei hoher Luftfeuchtigkeit unter dem Dach des Centre Courts, hatten große Probleme, den Ball zu beschleunigen.
"Die Wilson-Bälle sind unfassbar langsam. Schon bei normalen Temperaturen und dann erst recht bei Regen und 12 Grad. Auch im Stadion spürt man das, weil die Luftfeuchtigkeit anders ist", sagte Zverev.
Er ergänzte: "Ich kenne noch nicht die Statistik, aber mein Ball muss wahrscheinlich fünf bis zehn Kilometer pro Stunde langsamer gewesen sein als in den letzten Tagen. Und das liegt nicht daran, dass ich den Ball nicht auf dem Platz gespürt habe."
Zverev verglich die Bedingungen vom Samstag mit jenen Anfang April in München, als er bei den BMW Open hadernd ausschied, Struff aber Winner um Winner schlug. Die in Paris verwendeten Bälle nannte Zverev eine "Katastrophe". Er hoffe auf deutlich wärmere Temperaturen in den kommenden Tagen, die seinem Spiel zuträglich seien. Die Wetterprognosen lassen ihn hoffen.
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"Oh ja!" Zverev reißt Fans mit Winner von den Sitzen

Quelle: Eurosport

Zverev: "Bin durch viel Scheiße gegangen"

Zverev setzte das erste schlechtere Match bei diesem Turnier abschließend in den Gesamtkontext dieses Jahres und seiner ganzen Karriere "Ich bin durch viel Scheiße gegangen die letzten Jahre mit meiner Verletzung, mit dem längeren Weg des Comebacks und mit allem Drum und Dran." Er glaube dennoch daran, dass das einen auch stärker machen könne. "Es gibt zwei Richtungen. Du kannst komplett abschmieren oder du kannst zurückkommen und sagen: 'Ich habe all das durchstanden und bin wieder hier und kann um solche Titel mitzuspielen.'"
Bis Rom habe er keine gute Sandplatz-Saison gespielt, dann das Gefühl nach und nach bekommen. Am Samstagabend war er einfach froh, noch im Turnier zu sein und wollte regenerieren. Als einer der besten Spieler in Puncto Fitness und Regeneration sollte Zverev keine Probleme haben, am Montag gegen Holger Rune voll belastbar zu sein.
Die Kraft benötigt der Olympiasieger. Der Däne, zuletzt etwas wacklig, hat sich in dieses Turnier hineingekämpft und ist zeitgleich immer noch das größte Talent auf der Tour. Im Viertelfinale könnte Daniil Medvedev warten.

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"Da wackelt nichts": Zverevs größte Waffe läuft wie ein Uhrwerk

Quelle: Eurosport


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