French Open 2024: Alexander Zverev bereit für die ultimative Krönung - der Reifeprozess führt ins Finale
Update 08/06/2024 um 14:41 GMT+2 Uhr
Alexander Zverev steht als erster männlicher deutscher Einzelspieler seit Michael Stich vor 28 Jahren im Finale der French Open. Nach seinem Triumph bei den Olympischen Spielen in Tokio will sich der Deutsche ein weiteres Mal in den Geschichtsbüchern des Tennis verewigen. Zverev ist bereit für die ultimative Krönung - auch weil er seit seiner größten Niederlage dazugelernt hat.
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Quelle: Eurosport
Dass da am Freitagabend in Paris etwas Besonderes passiert war, zeigte die Tatsache, dass Vater Alexander senior mit in die Katakomben des Centre Courts gewandert war. Er begleitete seinen Sohn in die offizielle Pressekonferenz und beobachtete aus dem Hintergrund ebenfalls die anschließenden TV-Interviews in der Mixed-Zone des Court Philippe-Chatrier.
Der Cheftrainer seines Sohns ist der Boss des gesamten Teams, derjenige, der aus dem Hintergrund agiert, mit organisiert und die Trainings leitet. Ansonsten hält er sich bedeckt. Lediglich nach den gewonnenen ATP Finals 2018 kam der Vater mit zu den Medienmodalitäten, sprach sogar über den ersten großen Erfolg seines Sohnes.
Ganz so weit war es am Freitag noch nicht. Doch mit dem Finaleinzug durch ein 2:6, 6:2, 6:4 und 6:2 gegen Casper Ruud bei den diesjährigen French Open hat Alexander Zverev nach seinen beiden Siegen beim Jahresendturnier 2018 und 2021 sowie dem Olympiasieg den größten Erfolg seiner Karriere verzeichnet.
Es ist zudem das erste Major-Finale seit den US Open 2020, das er im Matchtiebreak gegen Dominic Thiem verlor. Zwei Dinge sind dieses Mal anders.
Zverevs Reifeprozess führt nach Paris
Das Offensichtliche: Anders als während der pandemiebedingten Auflagen in New York vor fast vier Jahren werden am Sonntag 15.000 frenetische Fans erwartet zum Duell gegen Carlos Alcaraz (ab 14:30 Uhr im Liveticker).
Natürlich sei Zverev auch damals nervös gewesen. "Aber es war komisch. Wir haben im größten Tennisstadion der Welt gespielt und es saßen sieben Menschen da. Vier von mir und drei von ihm. Es war, als ob wir einen Trainingssatz spielen, nur dass es um einen Grand Slam ging."
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Quelle: Eurosport
Das für die Öffentlichkeit weniger Offensichtliche war und ist der von Zverev selbst auferlegte Reifeprozess auf und außerhalb der Tenniscourts dieser Welt. Der habe, so Zverev, wahrscheinlich mit dem verlorenen Finale in New York eingesetzt.
"Auch mit ein paar Dingen, die außerhalb des Platzes passiert sind, musste ich schnell erwachsen werden." Der 27-Jährige nannte das "noch eine ganz andere" Zeit. "Ich war kein Kind mehr, aber schon noch ein Küklein."
Becker: "Sascha ist ruhig geblieben"
Den Reifeprozess erkannten Beobachter ebenfalls am verhaltenen Jubel nach dem Sieg gegen Ruud, der im Laufe des Matches mit Magen-Darm-Beschwerden zu kämpfen hatte.
Boris Becker sagte bei Eurosport: "Andere rasten da aus, Sascha ist so ruhig geblieben wie im gesamten Turnierverlauf." Die Frage sei gewesen, welche Taktik Zverev gegen Ruud bevorzugt, der gerne über die Vorhand dominiere. "Im Lauf des zweiten Satzes hat er realisiert, dass er häufiger die Rückhand die Linie entlang spielen muss, um den Platz zu öffnen. Das war der Grund seines Erfolgs."
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Zverev sagte über Ruud: "Ich habe es irgendwann Ende des dritten Satzes gemerkt. Seine Schlagqualität wurde nicht schlechter, er ist weniger gelaufen und hat sich etwas schlechter zum Ball bewegt. Aber ich wusste, wenn ich nicht voll konzentriert bleibe, verliere ich."
Eine kritische Situation überstand Zverev, als er zur 2:1-Satzführung aufschlug und zwei Doppelfehler servierte, der Arm etwas eisig wurde. Er schüttelte das sofort ab, schlug Servicewinner, Ass und Servicewinner und blickte nicht mehr zurück.
Bedingungen spielen Zverev in die Karten
Ohnehin war die Aufschlagleistung mit 19 Assen und 86 Prozent erster Aufschläge phänomenal.
Zverev aber schränkte ein: "Ich fand, dass ich im ersten Satz katastrophal aufgeschlagen habe." Es sei das erste Mal im Turnier gewesen, dass er den Platz betreten habe und der Ball geflogen sei.
"So wie ich das gewohnt bin. Die Bedingungen waren viel, viel besser als das letzte Jahr und das Turnier über, aber ich musste mich erst dran gewöhnen.
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Experten-Analyse zu Zverev-Ruud: Der Aufschlag war der Schlüssel
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Am Sonntag wartet mit Carlos Alcaraz eine der schwierigsten Aufgaben im Welttennis. Der zweimalige Grand-Slam-Champion wurde am Freitag mit dem umkämpften, aber nur selten hochklassigen Fünfsatzsieg über Jannik Sinner der jüngste Spieler, der auf allen drei Belägen ein Grand-Slam-Finale erreicht hat.
Zverev auf dem Weg in die Hall of Fame?
Für Zverev ist es nach Ruud erst der zweite Top-10 und absolute Weltklassespieler, dem er sich im Laufe der Turniere in Rom und nun in Paris gegenüber sieht.
Ein Sieg gegen einen Spieler dieses Formats im Finale würde die bereits sehr gute Karriere Zverevs vergolden. Ein Majorsieg kann den kleinen aber feinen Unterschied über die Aufnahme in die "Hall of Fame" machen.
Bei Grand Slams hat Zverev Alcaraz bereits zweimal besiegt (2022 in Paris, dieses Jahr in Melbourne), bei den US Open 2023 verlor er entkräftet nach einem Sieg über Jannik Sinner.
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"Außergewöhnlich!" Das sagt Becker zum Zverev-Finaleinzug
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"Dieser Platz verbindet mich mit ein paar der größten und schönsten aber auch ein paar der Emotionen, die am meisten weh getan haben", erklärte Zverev, der es passend fände, wenn der erste Triumph hier passieren würde.
Zverev erinnerte an die vergangenen Jahre, geprägt von Problemen außerhalb der Courts. "Es geht ja nicht nur um diese Woche. Es sind nicht nur die letzten Jahre. Vom US-Open-Finale, als ich nur zwei Punkte entfernt war, bis vor zwei Jahren, als ich in einem Rollstuhl hier weggerollt wurde. Das ist alles ein Teil meiner Reise. Ich habe noch nicht gewonnen. Aber ich will einfach mein bestes Tennis spielen und mir selbst die beste Chance geben. Wenn ich das schaffe und den Pokal in die Höhe stemmen kann, dann bedeutet das die Welt für mich."
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Tennis - Grand Slam - Roland-Garros - 1/2 finals - conf press zverev english
Quelle: Eurosport
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