French Open: Alexander Zverev vor Halbfinale vs. Casper Ruud: "War ich nicht bereit, einen Grand Slam zu gewinnen"

Alexander Zverev steht zum achten Mal in seiner Laufbahn im Halbfinale eines Grand Slams - zum vierten Mal in Serie bei den French Open in Paris. Nach dem Dreisatzsieg gegen Alex de Minaur in der Runde der letzten acht philosophierte der Olympiasieger über eine für ihn wichtige Entwicklung und blickte auf seine Leistungen in den vergangenen Semifinals zurück. Vor Gegner Casper Ruud hat er Respekt.

Viertelfinale: Zverev bezwingt de Minaur glatt - Highlights

Quelle: Eurosport

Alexander Zverev blieb nach dem verwandelten Satzball stehen. Dann drehte er sich leicht zur Seite und griff sich mit einer Hand ans Ohr, um beim Publikum demonstrativ nachzufragen: 'Habt ihr das gesehen?' Der Jubel der Fans auf dem Court Philippe Chatrier wurde lauter und lauter. Der Olympiasieger verharrte in dieser Position, bis er irgendwann mit der Reaktion zufrieden war. Dann nahm er die Hand vom Ohr weg und nickte selbstbewusst. 
Wenige Sekunden zuvor hatte Zverev im Tiebreak des zweiten Satzes einen 0:4-Rückstand gegen Alex de Minaur noch in ein 7:5 gedreht und seine Führung im Viertelfinale am Mittwochabend in der Nightsession auf zwei zu null Sätze ausgebaut - die Entscheidung. Gegen De Minaur, einen der laufstärksten Spieler der Tour, gewann Zverev mit 6:4, 7:6 (5) und 6:4 nach 2.58 Stunden. Anhand der Spielzeit war abzulesen, wie wichtig dieser zweite Satzgewinn mit Blick aufs gesamte Turnier nach zwei langen Fünfsatz-Matches in den beiden Runden zuvor gegen Tallon Griekspoor und Holger Rune gewesen war. 

Zverev: "Hätte wieder lange spielen können, aber..." 

Als Zverev um 20:28 Uhr seine Viertelfinalaufgabe auf dem Centre Court startete, hatte er bereits mehr als vier Stunden Arbeitszeit auf den Pariser Plätzen verrichtet als sein Gegner. Nach Mitternacht in der Presserunde erklärte er die Wichtigkeit des am Ende glatten Erfolgs. "Ich habe das Gefühl gehabt, dass ich das hätte wieder körperlich leisten können. Physisch fühle ich mich gut. Aber es war natürlich sehr wichtig, nicht wieder viereinhalb Stunden zu spielen."
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Zverev blickt auf Halbfinale voraus: "Ich weiß nicht, ob ..."

Quelle: Eurosport

Dass es dennoch wieder knapp drei Stunden wurden, lag an den kalten und für beide Spieler schwierigen Bedingungen. De Minaur verwies in seiner Pressekonferenz darauf, dass es für ihn in der Nightsession nochmals schwerer gewesen sei, durch den Ball durchzugehen und Winner zu schlagen. Zverev kannte das schon aus den Runden zuvor, sagte: "Ich habe Geduld und viele lange Ballwechsel gebraucht heute."

Zverevs Probleme beim zweiten Aufschlag 

Der Aufschlag blieb wirkungslos, Zverev vermochte, kein einziges Ass zu schlagen, hatte vor allem beim zweiten Service in Durchgang zwei größere Probleme und gewann nur 36 Prozent der Punkte (De Minaur 74). 
Dem Australier stand das Tor bei 4:0 im Tiebreak weit offen und hätte im Laufe eines langen Matches sicher läuferische Vorteile gehabt. "Dann mache ich einen leichten Fehler, verschlage einen Routine-Slice, den ich sehr gerne noch mal schlagen würde", erinnerte sich de Minaur. Danach spielte Zverev fehlerarm und gewann bei 5:5 einen Marathon-Ballwechsel mit einem Netzangriff. Der Hamburger schraubte seine unglaubliche Tiebreak-Bilanz in Paris damit auf 23:2.

Zverev und der Vorteil Erfahrung 

Insgesamt verweisen Zverevs 48 vermeidbare Fehler bei nur 20 Winnern auf einen Arbeitssieg bei schwierigen Bedingungen. Geduld, das weiß Zverev besser als seine verbliebenen Gegner, zahlt sich während eines Grand Slams aus. Mit 27 Jahren ist er der erfahrenste des Halbfinal-Quartetts - ironischerweise bei Grand Slams derjenige, mit den wenigsten Erfolgen. Gegner Ruud ist 25 und hat drei Grand-Slam-Finals in seinen Statistiken verbucht. Alcaraz (21) hat die US Open und Wimbledon gewonnen. Sinner (22) holte seinen Premierentitel dieses Jahr in Melbourne.
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Alexander Zverev steht in Paris wieder im Halbfinale

Fotocredit: SID

Zverev war bei den US Open 2020 zwei Punkte vom Titel entfernt, steht nun zum achten Mal in der Vorschlussrunde eines Grand Slams und spricht mit der Ruhe und Erfahrung eines Spielers, der mehr erlebt hat als seine verbliebenen Gegner. In der Nacht philosophierte er auf Eurosport-Nachfrage über seine frühen Jahre, als er bereits Masters-Titel gewann, aber bei den Grand Slams nicht zurechtkam. 

Zverev: "War früher nicht bereit, einen Grand Slam zu gewinnen" 

"Früher war ich einfach nicht bereit mental, einen Grand Slam zu gewinnen. Ich wurde oftmals sehr, sehr nervös, konnte nicht mein bestes Tennis zeigen." Die vier großen Turniere seien für ihn noch mal was komplett anderes gewesen. "Das waren die Turniere, die ich immer unbedingt gewinnen wollte und hatte das Gefühl: 'Ah, jetzt bin ich schon 21 Jahre alt und ich habe immer noch keines gewonnen.'" 
Es komme der Tag, an dem dieses Gefühl vergehe. "Irgendwann hast du die Chancen. Dann kommen Verletzungen. Dann musst du von Neuem anfangen. Diese große Nervosität vergeht mit der Zeit." 

Zverev: "...auch wenn ich nicht mehr der jüngste bin" 

Er sei froh, dass er momentan bei Grand Slams so spiele und hoffe, weiter so spielen zu können. "Ich hoffe, dass ich noch eins oder mehrere gewinnen kann - auch wenn ich nicht mehr der Jüngste bin", sagte er und lächelte. 
2023 verlor er in der Runde der letzten vier ebenfalls gegen Casper Ruud - glatt in drei Sätzen. Zverev erinnerte aber daran, dass er es nach der schweren Fußverletzung im Jahr zuvor gerade erst wieder in die Weltklasse geschafft habe. "Vergangenes Jahr war es unfassbar, im Halbfinale zu sein und ich war nicht der Spieler, der ein Halbfinale spielt normalerweise. Deswegen hoffe ich schon, dass es dieses Jahr anders wird."
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Zverev macht den Deckel drauf - der Matchball gegen de Minaur

Quelle: Eurosport

Zverev möchte nahe an sein Leistungslimit kommen. "2022 habe ich unglaublich auf einem sehr hohen Niveau gespielt bis zur Verletzung. 2021 war ich einen Punkt entfernt, Stefanos Tsitsipas im fünften Satz zu breaken und ins Finale einzuziehen. Das Niveau war schon da. Wie es am Freitag wird, kann ich noch nicht sagen", hielt er sich bedeckt. 
Zwei Finals in Serie, drei Halbfinals in Folge sprechen für Ruud, der zudem drei Tage Pause hat, da Novak Djokovic nicht zum Viertelfinale antreten konnte. "Er wird auf jeden Fall bei 100 Prozent sein", sagte Zverev. Er wolle nun alles dafür tun, in ähnlicher Verfassung zu sein.
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Zverev im On-Court-Interview: "Dieser Sport hat mir alles gegeben"

Quelle: Eurosport


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