French Open 2024 - Novak Djokovic und sein "Mojo": Das größte Fragezeichen vor dem Start in Roland-Garros
Novak Djokovic geht angeknockt wie selten zuvor in die French Open. Noch immer steht der 37-Jährige ohne Titelgewinn in dieser Saison 2024 da, präsentierte sich vor allem in Rom wie ein Schatten seiner selbst. Die Frage, ob der Titelverteidiger sein "Mojo" in Paris rechtzeitig wiederfindet, schwebt wie über dem zweiten Major des Jahres. Die Meinungen der Tennis-Experten gehen auseinander.
Highlights: Djokovic verpasst Finale in Genf
Quelle: Perform
62 von 76. Es ist immer wieder faszinierend, wie viele Grand-Slam-Titel seit 2005 an die Big Three bestehend aus Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic gingen.
Die Frage nach den Topfavoriten im Vorfeld der Majors beantwortete sich in den vergangenen 20 Jahren quasi von selbst.
Bei den French Open 2024 (vom 26. Mai bis 9. Juni live im Stream bei discovery+) ist das anders. "Es ist sicher das offenste Feld in Paris seit langer, langer Zeit", meint Eurosport-Experte Mats Wilander.
Federer ist bereits seit 2022 nicht mehr dabei, Nadal nach diversen Verletzungen nicht mehr derselbe. Dazu plagten sich im Vorfeld auch die "neuen Superstars" Carlos Alcaraz und Jannik Sinner mit Verletzungssorgen herum. Selten war der Ausgang eines Majors schwieriger vorauszusagen.
Denn auch hinter Djokovic, dem Rekord-Grand-Slam-Champion, steht ein Fragezeichen. Vielleicht sogar das größte überhaupt in Paris.
Davis-Cup-Niederlage nimmt Djokovic die "Magie"
Noch in der Vorsaison hatte Djokovic, der am vergangenen Mittwoch seinen 37. Geburtstag feierte, drei der vier größten Tennis-Turniere für sich entschieden, dazu die ATP Finals in Turin gewonnen.
Doch danach passierte etwas. "Ich glaube, die Niederlage im Davis Cup hat ihn sehr beschäftigt", sagte Eurosport-Experte Boris Becker in einer Presserunde. Im vergangenen November unterlag Djokovic mit Serbien im Halbfinale des prestigeträchtigen Teamwettbewerbs den späteren Siegern aus Italien. Der Großmeister selbst hätte den Finaleinzug klarmachen können, vergab aber drei Matchbälle gegen Sinner - und war danach untröstlich.
"Das hat seiner Magie ein bisschen den Saft genommen", so Becker. Seither ist Djokovic nicht mehr derselbe. Bei den Australian Open im Januar fand er nie zu seiner Form. "Jedes Match war ein Kampf", meint Becker: "Es war also nicht überraschend, dass er im Halbfinale gegen einen sehr guten Spieler wie Jannik Sinner verloren hat."
Auch beim sogenannten Sunshine Double in Indian Wells und Miami machte es nicht Klick. Im März folgte die Trennung von Trainer Goran Ivanisevic, an dessen Seite er zwölf seiner insgesamt 24 Majors gewonnen hatte. Sowohl der Zeitpunkt als auch der Fakt, dass sich Djokovic danach keinen neuen Coach mit einem großen Namen ins Team holte, überraschte Becker: "Selbst Novak braucht manchmal weise Worte", so der 56-Jährige, der den Weltranglistenersten zwischen 2013 und 2016 selbst drei Jahre trainiert hatte: "Nicht jeden Tag, aber in den wichtigen Momenten."
Querrey würde frühes Djokovic-Aus in Paris nicht überraschen
Bis heute steht Djokovic im Jahr 2024 ohne Titel da. "Ich habe keine Ahnung, was aktuell mit ihm los ist", sagte der US-amerikanische Ex-Profi Sam Querrey jüngst im "Racquet's Rennae Stubbs Podcast": "Ich habe sein Spiel gegen Alejandro Tabilo geschaut. Es sah aus, als würde er es gar nicht versuchen."
Gegen den Chilenen setzte es in der dritten Runde von Rom eine krachende 2:6, 3:6-Klatsche. Ein ähnliches Szenario könnte Djokovic in Querreys Augen auch in Paris drohen.
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Tennis - ATP Rome - Djokovic vs Tabilo HLTS (SNTV)
Quelle: Eurosport
Die Vorzeichen sind andere als in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Aber Djokovic deshalb zu unterschätzen, wäre fahrlässig.
Wilander: Genf wird Djokovic helfen
"Er hat sicherlich nicht verlernt, Tennis zu spielen", so Becker: "Er wird sein Mojo zurückbekommen." Auch dass er als Titelverteidiger nach Paris zurückkehrt, wird dem 37-Jährigen in den Augen der deutschen Tennis-Legende helfen: "Es wird ihm den Treibstoff geben, um sein bestes Tennis zu spielen."
Jüngst schlug Djokovic in Genf auf. Nach dem frühen Aus in Rom nahm er eine Wildcard beim 250er-Turnier in der Schweiz an, um Matchpraxis zu sammeln. Der erste Titel der laufenden Saison war ihm aber auch dort nicht vergönnt. Im Halbfinale scheiterte er in drei Sätzen am Tschechen Tomas Machac (4:6, 6:0, 1:6).
Es war einmal mehr ein rätselhafter Auftritt des Branchenführers, der zudem mit Magenproblemen zu kämpfen hatte und sich sogar auf dem Platz behandeln lassen musste. "Natürlich bin ich besorgt", machte er im Anschluss keinen Hehl aus seinen Selbstzweifeln: "Ich habe das ganze Jahr nicht gut gespielt."
Wilander glaubt trotzdem, dass es der richtige Schritt war, in der Schweiz aufzuschlagen. "Er muss keine Turniere gewinnen, um zu spüren, dass er bereit für die French Open ist", so der Schwede: "In seinem Alter brauchst du einfach Matches, egal ob Sieg oder Niederlage."
Becker und Corretja rechnen mit anderem Djokovic in Roland-Garros
Viel wichtiger als das Ergebnis in Genf wird ohnehin sein, wie Djokovic in Paris ins Turnier startet. "Er braucht eine gute erste Woche, um in Form zu kommen und den Rhythmus zu bekommen", glaubt Eurosport-Experte Álex Corretja: "Vielleicht muss er in einem Match, in dem er sich nicht so gut fühlt, ein bisschen leiden. Da muss er durch, um sein Selbstvertrauen zurückzubekommen."
Zum Auftakt bekommt es Djokovic mit Lokalmatador Pierre-Hugues Herbert zu tun. Danach würde der Sieger des Duells zwischen Roberto Carballés Baena und Constant Lestienne warten. Machbare Aufgaben für den dreimaligen Roland-Garros-Sieger.
Corretja macht sich auf jeden Fall keine Sorgen um den Weltranglistenersten: "Ich zähle auf Novak. Ich habe keinen Zweifel, dass er gut sein wird."
Genau wie Becker: "Wir werden einen anderen Novak Djokovic in der ersten Runde von Paris sehen, da bin ich mir sicher."
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Wie alles begann: Nadal und sein erster Titel 2005
Quelle: Eurosport
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