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French Open: Keine Frauen in der Night Session - Turnierchefin Amelie Mauresmo wehrt sich gegen Kritik in Paris
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Update 30/05/2025 um 21:05 GMT+2 Uhr
Roland-Garros-Turnierchefin Amélie Mauresmo hat sich gegen den Vorwurf der gezielten Benachteiligung der Frauen bei der Besetzung der populären Spätsession bei den French Open in Paris gewehrt. "Es ist definitiv nicht so, dass die Frauen es nicht verdient hätten, in der Night Session zu spielen. Es ist keine Frage des Spielniveaus", sagte die frühere Weltklassespielerin.
Mauresmo äußert sich zur kniffligsten Frage der French Open
Quelle: SNTV
An jedem Abend der frühen Turnierphase findet ab 20:15 Uhr ein Spiel zur besten Sendezeit im größten Stadion statt. An den ersten sechs Spieltagen durften dabei ausschließlich Männer ran, seit 2021 waren bis inklusive Samstag nur vier von 48 Mal Frauenspiele angesetzt.
Am siebten Turniertag trifft Grand-Slam-Rekordsieger abends auf den Österreicher Filip Misolic. Vor allem die frühere Wimbledon-Finalistin Ons Jabeur hatte daran harsche Kritik geäußert.
Hauptgrund für die Bevorzugung von Männerspielen sei laut Mauresmo die Dauer der Spiele. "Es geht um die potenzielle Matchlänge. Es ist eben sehr gut möglich, dass zwei Sätze sehr schnell vorbei sind. Und die Herren spielen drei Sätze minimum. Das sind sichere eineinhalb, zwei Stunden", sagte sie.
Einfach ein Spiel mehr ab 20:15 Uhr anzusetzen, sei aber auch nicht die Lösung: "Wenn wir zwei Spiele in der Abendsession haben, funktioniert das nicht, wenn man bedenkt, wie spät die Spieler fertig sind. Das ist meine Meinung."
Mauresmo stellt Damen-Match in Night Session in Aussicht
Mauresmo verbittet sich aber Diskussionen, die darauf abzielen, dass Damen-Tennis von der Organisation als minderwertiger angesehen werde. "Die Message war niemals, dass Frauen es nicht wert sind, das Abendmatch zu bestreiten", sagte sie und machte leise Hoffnung auf mindestens ein Damen-Match in der Night Session bis Turnierende: "Lasst uns nochmal am Finaltag darüber reden …"
Seit 2021 gibt es bei Roland-Garros ein Spiel ab 20:15 Uhr auf dem Court Philippe-Chatrier. 2022 und 2023 wurde jeweils ein Damen-Spiel von insgesamt zehn in der Night-Session angesetzt. 2024 gab es gar kein Frauen-Duell am Abend.
An den ersten sieben Turniertagen 2025 wurden in der Night Session jeweils Partien aus dem Herren-Einzel angesetzt, keine aus dem Damen-Einzel. Ons Jabeur hatte das bereits kritisiert. "Es ist traurig, dass wir das immer noch erleben. Ich glaube, dass die, die diese Entscheidung treffen, keine Töchter haben", sagte die Tunesierin.
Gauff nennt US Open als Gegenbeispiel
Coco Gauff pflichtete ihr bei: "Ich finde schon, dass Frauenmatches einen Platz in der Night Session verdienen."
Man sollte natürlich berücksichtigen, "was für die Fans am besten ist. Aber ich denke, wir zeigen Tennis auf sehr hohem Niveau und haben großartige Spielerinnen, die die Zuschauer mit Sicherheit gerne sehen würden."
Als Beispiel nannte die 20 Jahre alte US-Amerikanerin das Grand-Slam-Turnier in ihrer Heimat: "Bei den US Open habe ich zum Beispiel um 19 Uhr ein Night Match gespielt - direkt vor Novak Djokovic, dem größten Spieler aller Zeiten. Die Stimmung war unglaublich, die Leute waren fast genauso begeistert, mich zu sehen wie ihn. Ähnliches habe ich auch in Australien erlebt. Ich denke definitiv, dass bei diesem Turnier noch mehr Potenzial in dieser Hinsicht steckt."
Swiatek: "Wir können auch eine gute Show abliefern"
Bei Australian und US Open werden zwei Spiele in der Night Session ausgetragen, diese dauert dort aber trotz früheren Beginns oftmals bis in den frühen Morgen.
Zudem beinhalte der Vertrag über die Übertragungsrechte in Frankreich nur eine Partie am Abend. Ein Frauenspiel über zwei Gewinnsätze, das womöglich schon nach einer guten Stunde vorbei ist, wäre damit weder nach dem Geschmack des übertragenden Senders noch der Zuschauer.
Am Abend schaltete sich auf die zuletzt dreimalige French-Open-Siegerin Iga Swiatek in die Diskussion ein. "Ich denke, es sollte ausgeglichen sein. Damen-Matches können auch unterhaltend sein. Wir können auch eine gute Show abliefern", sagte die Polin nach ihrem Drittrundensieg.
Fußball-Public-Viewing sorgt für Probleme
Das parallel zur Spätsession angesetzte Finale der Champions League in München zwischen Paris Saint-Germain und Inter Mailand sorgt derweil für besondere Herausforderungen.
Im Pariser Prinzenpark, der nur wenige Hundert Meter Luftlinie vom Stade Roland Garros entfernten PSG-Spielstätte, findet ein Public Viewing für 38.000 Zuschauern statt.
"Überall rund um Roland-Garros wird es Polizei geben, alle Sicherheitsvorkehrungen werden getroffen", sagte Mauresmo. Bei der Ansetzung der späten Spiele habe sich das OK nicht vom Fußball beeinflussen lassen: "Wir freuen uns für PSG, aber für uns ändert das nichts. Wir haben unseren eigenen Job zu erledigen."
Von Störungen durch eventuelle "Breaking News" aus München während der Tennisspiele geht Mauresmo nicht aus. "Wir können niemandem verbieten, das Finale auf dem Handy zu verfolgen", sagte die frühere Weltklassespielerin, "aber das war auch während Olympia so, als die Zuschauer beim Tennis nebenher andere Sportarten angesehen haben."
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(SID)
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Quelle: Renault
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