French Open: Boris Becker pflichtet Jannik Sinner und Co. in Preisgeld-Streit bei - "Karriere kann morgen vorbei sein"

15 Minuten für 15 Prozent Gewinnbeteiligung: Um auf das angeblich zu geringe Preisgeld bei den French Open aufmerksam zu machen, planen einige Tennisprofis offenbar, beim Medientag am Freitag ihre Interviews nach symbolischen 15 Minuten abzubrechen. Eurosport-Experte Boris Becker kann den Wunsch der Spieler und Spielerinnen nachvollziehen, hält die Diskussion jedoch für "schwierig".

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Quelle: Eurosport

Über den geplanten Protest einiger der weltweit besten Spielerinnen und Spieler berichten mehrere Medien übereinstimmend.
Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus dem Umfeld einer Spielerin, dass die Aktion eher eine "Botschaft der Einheit" als ein "Medienboykott" sei. Hintergrund ist, dass die Profis trotz steigender Gewinne der Grand-Slam-Turniere nur rund 15 Prozent der Einnahmen ausgezahlt bekämen.
Deutlich weniger als bei vielen ATP- und WTA-1000ern, wo etwa 22 Prozent üblich sind. Zu wenig aus Sicht einiger namhafter Profis.
Die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka sagte beispielsweise Anfang Mai: "Wir sorgen für die Show. Ohne uns gäbe es keine Turniere, ohne uns gäbe es keine Unterhaltung. Ich habe das Gefühl, dass wir definitiv einen größeren Anteil verdienen."

Becker: "Gebt es doch als Preisgeld in Anfangsrunden aus"

Eurosport-Experte Boris Becker kann das Ansinnen der Spieler und Spielerinnen nachvollziehen. "Der Wunsch war von 15 auf 22 Prozent. Ich finde, das ist ein fairer Wunsch. Sie wollen nicht 50 Prozent, wie bei den anderen Sportarten, sondern sieben Prozent mehr", sagte der 58-Jährige in einer Medienrunde im Vorfeld des am kommenden Sonntag beginnenden Turniers (live auf Eurosport und HBO Max).
"Eine Tennis-Karriere kann morgen vorbei sein. Sie dauert erfolgreich nur ein paar Jahre. Mit wenigen Ausnahmen. Es heißen nicht alle Sinner und Sabalenka. Die meisten Tennisspieler brauchen das Preisgeld von Grand Slams, um überleben zu können", betonte Becker und ergänzte: "Verdammt nochmal, wenn ihr so viel Geld verdient, gebt es doch als Preisgeld auch in den Anfangsrunden aus für Spieler, die das zum Überleben brauchen."
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Quelle: Eurosport

Auch Jannik Sinner, der Weltranglistenerste und derzeitige Dominator im Männer-Tennis, fand vergangenen Woche in Rom deutliche Worte: "Die wichtige Sache ist der Respekt, den uns die Grand Slams entgegenbringen - das Geld ist eine Konsequenz davon. Ohne uns gäbe es die Turniere schließlich nicht. Wir waren lange still, jetzt ist es richtig, über diese Themen zu sprechen."
Becker gab ihm diesbezüglich Recht: "Wenn die Spieler unisono das Gespräch suchen und auf ein Ergebnis hoffen, dann muss man die Spieler ernst nehmen." Auch Alexander Zverev äußerte sich am Freitag zur Debatte: "Es muss Fairness gegenüber den Spielern geben. Nicht nur gegenüber der Nummer eins oder den Top drei der Welt, sondern auch gegenüber denen, die auf Platz 250 der Weltrangliste stehen", sagte die deutsche Nummer eins auf einer Pressekonferenz.
Wie aus Zahlen der Veranstalter der Grand Slams in Melbourne und Paris hervorgeht, scheint der Anteil an der Gesamtsumme tatsächlich zu sinken, es aber insgesamt mehr Preisgeld zu geben. Bei den Australian Open sind die Einnahmen in den vergangenen beiden Jahren von mehr als 360 Millionen Euro auf knapp 425 Millionen Euro gestiegen. Auch das Preisgeld kletterte von rund 53 auf knapp 60 Millionen, was einen relativen Rückgang am Gesamtvolumen bedeutet mit 13,93 Prozent Gewinnbeteiligung.
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Quelle: Eurosport

Becker: "Natürlich sind das unglaubliche Summen"

"Natürlich sind das unglaubliche Summen", so Becker: "Der normalsterbliche, arbeitende Mitbürger wird das nicht verstehen." Selbst für eine Niederlage in der ersten Runde von Roland-Garros erhalten die Spieler 87.000 Euro, für den Sieg gibt es 2,8 Millionen.
Deshalb sei die Diskussion "schwierig", so Becker: "Die Spieler kommen rüber, als wären sie geldgierig. Das ist aber falsch. Man muss da ein bisschen differenziert antworten."
Amélie Mauresmo, Turnierdirektorin in Roland Garros, erklärte derweil, in diesem Jahr nicht weiter mit den Spielern zu verhandeln. "Wir werden nicht nachgeben", sagte die frühere Weltranglistenerste, die zugab, dass sie die Situation belaste. Doch Mauresmo argumentiert: "Das Preisgeld hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt und ist in letzter Zeit auch noch deutlich gestiegen."
Am Freitag soll ein Treffen zwischen den Organisatoren der French Open und einigen Spielervertretern stattfinden. "Wir nehmen die Aussagen der Spielerinnen in der Regel sehr ernst", sagte Mauresmo: "Ich bin zuversichtlich, was die anstehenden und die bereits stattgefundenen Gespräche angeht."
(mit SID)
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