Alexander Zverev im Eurosport-Interview nach French-Open-Triumph: "Ich hab mich selbst angelogen"
Update 12/06/2026 um 08:37 GMT+2 Uhr
Alexander Zverev ist als frischgebackener Grand-Slam-Sieger zurück in Deutschland. Im exklusiven Interview mit Eurosport spricht der French-Open-Sieger über Kurznachrichten von Dirk Nowitzki, Küsschen von Hund Mishka, das Festhalten an seinem Vater als Coach und den großen Druck, dem er in Paris standhalten musste. Außerdem verrät der 29-Jährige das große Ziel, das er nun noch hat.
Zverev exklusiv: "Es lag unfassbar viel Stress und Druck auf mir"
Quelle: Eurosport
Zeit zum Durchschnaufen hatte Alexander Zverev noch keine gefunden; frisch und gut gelaunt sah er trotzdem aus, als er am Mittwoch am Adidas-Hauptquartier in Herzogenaurach ankam.
Trotz der Reisestrapazen - am Abend ging es direkt weiter nach Halle zum ATP-Turnier - nahm sich der French-Open-Sieger Zeit für die Belegschaft in der Zentrale des Sportartikelherstellers.
Der 29-Jährige ist schließlich der erste Grand-Slam-Sieger im Herren-Einzel seit Boris Becker 1996 (Australian Open) - und hat bereits einen wahren Feiermarathon hinter sich.
Im exklusiven Eurosport-Interview spricht Zverev über die vielen Gratulanten, den Druck, den er sich selbst gemacht und wieder genommen hat, und die Ziele, die er in seiner Tennis-Karriere noch verfolgt.
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Ein Ziel in der Hand, die nächsten schon im Blick: Alexander Zverev und die Trophäe von Roland-Garros
Fotocredit: Getty Images
Alexander Zverev, Ihr Sieg bei den French Open brachte Rekordquoten im Fernsehen. Wissen Sie, wen Sie bei Eurosport geschlagen haben?
Alexander Zverev: Das war Jan Ullrich 1997. Da wurde ich geboren. (lacht)
Wie waren die Reaktionen in den ersten Tagen nach dem großen Erfolg? Novak Djokovic hat öffentlich gratuliert - wer kam noch unerwartet dazu?
Zverev: Für mich haben die privaten Nachrichten einen viel größeren Stellenwert. Von den großen Tennisspielern hat mir jeder gratuliert: Carlos Alcaraz, Jannik Sinner, Novak Djokovic. Rafa (Nadal, Anm. d. Red.) hat mir eine sehr lange Nachricht geschrieben, das fand ich unfassbar nett. Auch andere Sportler: Thomas Müller, Mats Hummels, Joshua Kimmich. Dirk Nowitzki hat mitgefiebert und mir während des Matches Nachrichten geschrieben. Das hat mich riesig gefreut.
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Alexander Zverev beim Eurosport-Interview mit Redakteur Tim Wehinger in Herzogenaurach.
Fotocredit: Eurosport
Was schreibt Dirk Nowitzki während des French-Open-Finals?
Zverev: Er hat immer kurze Nachrichten geschrieben, zehn Stück in Kurzform. Das hätte man auch in einer Nachricht schreiben können, aber er schreibt immer so kurze Nachrichten. (lacht)
Wie lange wird es noch dauern, bis alle Glückwünsche aufgearbeitet sind?
Zverev: Wahrscheinlich ein paar Tage. Ich habe noch 1600 ungeöffnete Nachrichten. Seit drei Tagen bin ich am Handy und versuche, allen zu antworten. Aber das ist okay. Ich werde jedem Einzelnen antworten.
Auch der Bundeskanzler hat angerufen - eine besondere Ehre?
Zverev: Klar, es ist schön, dass auch er die Zeit gefunden hat, sich das Spiel anzuschauen und danach fünf Minuten mit mir zu sprechen. Das ist eine Ehre, das ist besonders. Ich hoffe, dass er bald bei einem Tennismatch dabei sein kann.
Wie weit sind die Eindrücke des Finals schon angekommen?
Zverev: Ich hatte ungelogen noch nicht eine freie Sekunde seit dem Sieg. Ich hatte noch keine Zeit, mir alles anzuschauen. Ich würde mir gern das Match nochmal anschauen, die finalen Momente, und alles sacken lassen. Das werde ich in den nächsten Tagen noch tun müssen.
Wenn wir auf das Spiel schauen: Im vierten Satz ging es Ihnen körperlich nicht mehr gut. Sie haben sich auch etwas geben lassen. Was war da los?
Zverev: Ich habe Krämpfe bekommen, dabei hatte ich seit über zehn Jahren keine Krämpfe mehr. Ich war physisch gut vorbereitet, habe mich gut gefühlt, war nicht müde. Aber ich habe angefangen, Krämpfe zu bekommen. Das zeigt, wie schwierig Tennis als mentale Sportart ist. Die Krämpfe kamen durch den Kopf. Ich war so angespannt, so nervös, dass ich Krämpfe bekommen habe.
Ich bin der Meinung, dass die Krämpfe mir auch geholfen haben, loszulassen. Ich habe freier gespielt. Und ich finde, mein bester Satz im Finale war der fünfte Satz.
Inwiefern losgelassen durch die Krämpfe?
Zverev: Ich habe mich einfach entspannt. Ich konnte nicht mehr so viel nachdenken.
Wie sah es mit Druck aus? Sie galten ja als der große Favorit.
Zverev: Ich habe immer wieder gesagt, dass ich nur mein Match spielen und mich auf die Dinge konzentrieren möchte, die ich vor mir habe. Aber auch wenn man nichts mitbekommen möchte, bekommt man alles mit - wenn man am Ende der einzige Favorit ist, der noch im Turnier ist. Es war eine unfassbar stressige Woche. Am Ende die schönste Woche meines Lebens, aber es lag auch unglaublich viel Stress auf mir. Ich habe mich selbst angelogen. Ich habe mir immer wieder gesagt: Du spielst das nächste Match, das ist das Einzige, was du kontrollieren kannst. Ab dem Viertelfinale habe ich angefangen, das zu glauben. Ich habe jedes Match so gespielt, als ob es das letzte ist.
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Am Ende gab es den Pokal. Wo ist der gerade?
Zverev: Den echten Pokal durfte ich für fünf Minuten haben, für mich gab es eine Replik. Die ist hier bei mir.
Für wen gab es mehr Küsschen: den Pokal, die Freundin oder den Hund?
Zverev: Für den Hund, Mishka. Der küsst mich am liebsten. Der Pokal war natürlich auch sehr besonders. Das ist ein Kuss, den ich nicht vergessen werde. Aber von den Lebewesen küsst mich mein Hund am liebsten. (lacht)
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Alexander Zverev feiert den Titel bei den French Open mit Familie und Team
Fotocredit: Getty Images
Wie waren die Tage nach dem Sieg?
Zverev: Wir haben bis 7:00 Uhr morgens gefeiert. Ab 11:00 Uhr hatte ich dann Termine. Fotos mit dem Pokal, Pressetermine. Dienstag war der einzige Tag, der etwas freier war. Mittwochmorgen bin ich hierher geflogen und später fliege ich weiter nach Halle.
Mit welchem Mindset und welcher körperlichen Verfassung schlagen Sie in Halle auf?
Zverev: Ich muss erstmal zur Ruhe kommen. Ich muss meinen Alltag wieder vor mir haben und mich in Ruhe auf ein Turnier vorbereiten. Ich habe so viel anderes getan, dass ich noch nicht an Halle denke.
Können Sie sich vorstellen, dass Sie der Sieg auch auf Rasen beflügelt?
Zverev: Ein Grand-Slam-Sieg hilft generell. (lacht) Ich glaube, dass ich in einer besseren Form bin, als ich es letztes Jahr war und auch in Wimbledon etwas tun kann.
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Flavio Cobolli (l.) gratuliert Alexander Zverev zum Grand-Slam-Titel.
Fotocredit: Imago
Sie haben in Halle dreimal nacheinander das Halbfinale erreicht. Wie lautet die Ansage dieses Jahr?
Zverev: Fragt mich am Sonntag nochmal. (lacht) Ich muss erst anfangen zu trainieren.
Ich hoffe, dass jetzt etwas geplatzt ist und ich weitermachen kann. Ich habe immer noch ein Ziel, das ich noch nicht erreicht habe: die Nummer eins der Welt. Es würde mich freuen, wenn ich das für eine Woche erreichen kann.
Auf die Rasensaison und die kommenden Jahre vorausgeschaut: Was soll jetzt noch kommen?
Zverev: Ich hoffe, dass jetzt etwas geplatzt ist und ich weitermachen kann. Ich habe immer noch ein Ziel, das ich noch nicht erreicht habe: die Nummer eins der Welt. Es würde mich freuen, wenn ich das für eine Woche erreichen kann. Ich habe auch viele große Titel nicht gewonnen. Ich habe eines der Grand-Slam-Turniere gewonnen und noch viel vor mir, was ich erreichen kann. Ich möchte weiter an meinen Träumen arbeiten.
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Zverev exklusiv: Dieses große Ziel habe ich noch
Quelle: Eurosport
Dabei spielt die Familie eine große Rolle. Es war oft Thema, ob man am Setting mit ihrem Vater als Trainer etwas verändern sollte. Warum ist es so für Sie das Beste?
Zverev: Wir haben zusammen alles erreicht, sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Es ist einfach zu sagen, wenn etwas nicht läuft, muss man den Trainer wechseln. Das ist für mich zu einfach gedacht. Manchmal muss man die Schuld auch bei sich selbst suchen und realistisch bleiben. Wenn der Körper nicht mitmacht, macht er nicht mit. Man muss nicht alle zwei Monate den Trainer wechseln, so bin ich nicht.
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Zverev lässt tief blicken: "Am Ende haben wir es geschafft"
Quelle: Eurosport
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