Nach dem beeindruckenden Sieg bei den ATP Finals verabschiedete sich Alexander Zverev in den Urlaub. Es geht mit einigen Freunden in die Sonne, zwei Wochen Malediven. "Wir werden viel Blödsinn machen, denke ich, in den nächsten paar Tagen. Nichts Gefährliches, keine Sorge", kündigte der 24-Jährige an.
Blödsinn machen, raus aus der spätherbstlichen Tristesse, die in Europa um sich greift. Es sei Zverev nach der erfolgreichsten Saison seiner bisherigen Laufbahn gegönnt. Sechs Wettbewerbe, namentlich die ATP-500-Turniere von Acapulco und Wien, die Masters von Cincinnati und Madrid sowie das Herren-Einzel von Olympia und eben nun die ATP Finals hat Zverev 2021 gewonnen, nie zuvor standen sechs Titel binnen eines Jahres für den Hamburger zu Buche.
Obwohl Zverev im Vorfeld des Halbfinal-Duells mit Novak Djokovic noch einmal bekräftigte, dass die Goldmedaille in Tokio "das Größte, was man im Sport erreichen kann" sei, zeigte er sich in seinem letzten großen Turnier im Vergleich zu Olympia spielerisch noch reifer, noch abgeklärter. Er rang diesmal nicht nur Djokovic in der Runde der letzten Vier nieder (7:6, 4:6, 6:3), sondern schlug im Endspiel selbst seinen bisherigen Angstgegner Daniil Medvedev in eindrucksvoller Manier 6:4, 6:4.
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Von einem "Medvedev-Trauma", das Zverev aufgrund seiner Negativserie von fünf Niederlagen in Folge gegen den Russen nachgesagt wurde, war nichts zu spüren – und das, obwohl die Vorzeichen nicht sonderlich günstig standen. "Die Halbfinals waren kaum zu vergleichen. Medvedev hat früh gegen Ruud gespielt, Sascha musste bis in die Nacht gegen Djokovic spielen und hatte nicht viel Zeit, um sich zu erholen", sagte Alexanders Bruder Mischa im Gespräch mit Eurosport. Er ergänzte: "Aus diesem Grund war die Leistung umso beeindruckender."

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"Der beste Zverev, den es bislang gab"

Siege gegen die Nummer eins und zwei der Welt innerhalb von nur 19 Stunden legten umgehend die These nah, dass Zverev sich persönlich im Jahresendspurt auf einem womöglich nie dagewesen Level bewegte. Mischa Zverev, der als Trainingspartner, Manager und Ratgeber in Personalunion agiert, stimmte der Meinung vieler Experten, wonach sein zehn Jahre jüngerer Bruder jüngst dessen bisher bestes Tennis zeigte. "Das kann ich bestätigen. Im Gesamtpaket spielt er im Vergleich zu seinem letzten ATP-Finals-Sieg 2018 besser, reifer, intelligenter und kompletter. Er ist der beste Zverev, den es bisher gab", schwärmte er, gab jedoch zusätzlich zu Protokoll: "Aber er kann noch besser werden."
Mit Blick auf Zverevs Alter sicherlich keine allzu gewagte Prophezeiung. Doch warum legte der Hamburger in der Mehrzweckhalle Pala Alpitour einen für ihn nahezu beispiellosen Lauf gegen die aktuelle Weltelite hin? "Er hat seine Volleys extrem verbessert, außerdem liest er das Spiel besser, er weiß, wann er angreifen oder sich zurückziehen muss", erklärte Mischa Zverev. Er schob nach: "Die Auswahl seiner Schläge ist ebenfalls besser geworden, darüber hinaus bewegt er sich momentan gut, sehr intelligent." Insbesondere im Finale gegen Medvedev habe Deutschlands Nummer eins "eine hervorragende Balance und die richtige Einschätzung gefunden, wann er draufgehen und ruhig spielen muss."

"Das ist offensichtlich": Medvedev traut Zverev Grand-Slam-Titel zu

Boris Becker schwärmt und prophezeit Dreikampf um die Spitze

Auch Tennis-Legende Boris Becker hatte im Anschluss an Zverevs Erfolg im Piemont lobende Worte für seinen Landsmann gefunden. "Man schlägt ganz selten die Nummer eins und zwei back to back und wird dann Weltmeister“, sagte der dreimalige Wimbledon-Sieger bei Eurosport und gab bereits einen Ausblick auf die Zukunft. "Meiner Meinung nach spielen Daniil und Sascha gemeinsam mit Novak um Platz eins im nächsten Jahr."
Um sich wirklich den begehrten Platz an der Weltranglisten-Sonne zu sichern, müsse Zverev laut Becker allerdings etwas erreichen, was ihm bis dato noch nie gelungen war: "Es geht nur mit einem Grand-Slam-Sieg. Das muss jetzt Saschas wichtigstes Ziel für 2022 sein." Auch Mischa Zverev ist sich sicher, dass sein Bruder für Platz eins einen Grand-Slam-Titel benötigt: "Es ist zwar mathematisch möglich, auch ohne Grand-Slam-Titel die Nummer eins zu werden, aber es ist sehr unwahrscheinlich. In den letzten 20 Jahren ist es – glaube ich – nur Marcelo Ríos gelungen, ohne Grand-Slam-Sieg oben zu stehen."

Zverev und das Ziel Grand-Slam-Sieg: "Arsch dafür aufreißen"

Das Ziel für das kommende Jahr ist also klar, die Grand-Slam-Premiere soll her: "Ich bin so motiviert wie nie zuvor fürs nächste Jahr, weil ich viel erreichen möchte und noch nicht alles erreicht habe", sagte Zverev wenige Minuten nach seinem Finalsieg im "Sky"-Interview. Um "alles" zu erreichen wird sein bestes Tennis vonnöten sein. Mindestens der Status quo. "Ich kann nur eins sagen: Ich werde dafür alles tun. Ich werde so viel Arbeit wie möglich reinstecken und meinen Arsch dafür aufreißen, dass es passiert."
Dementsprechend ist unter der wohltuenden Malediven-Sonne nicht bloß "Blödsinn" machen angesagt. "Sobald wir ankommen, werden wir anfangen zu trainieren."
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