Paula Badosa - Players' Voice mit Spaniens Star: "Rafael Nadal ist geistig nicht von dieser Welt"

Beim WTA-1000-Turnier in Indian Wells tritt Paula Badosa zur Titelverteidigung an. Der Triumph bei der prestigeträchtigen Veranstaltung in Florida ist der bislang größte Erfolg der Spaniern. Badosas Traum ist bis jetzt noch unerfüllt: der Gewinn eines Grand-Slam-Turniers. In der Eurosport-Serie "Players' Voice" blickt die 24-Jährige auf das letzte Jahr zurück und spricht über Ängste auf dem Platz.

Paula Badosa ist in Indian Wells Titelverteidigern

Fotocredit: Eurosport

Anfang März 2021 war Paula Badosa die Nummer 73 der Welt.
Innerhalb der letzten zwölf Monate gewann die Spanierin ihren ersten WTA-Titel, kletterte in der Weltrangliste nach oben und erreichte Ende Februar als Nummer vier der Welt ihr bisheriges Karrierehoch. Aktuell ist sie als Siebte gelistet.
Vor knapp einem Jahr gewann Badosa in Indian Wells ihren ersten WTA-1000-Titel.
Kurz vor ihrer Titelverteidigung spricht die 24-Jährige in der neuesten Ausgabe der Players' Voice auf Eurosport.de über ihre Erfolge und ihre Ängste auf dem Tenniscourt und erklärt, warum sie Rekord-Grand-Slam-Sieger Rafael Nadal so bewundert.

Von Paula Badosa

Hallo liebe Tennisfreunde,
Ich habe immer davon geträumt, die beste Tennisspielerin der Welt zu sein. Aber mein erster Traum als kleines Mädchen war, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Das ist der Grund, warum ich jeden Morgen aufwache, um hoffentlich eines Tages ein Grand-Slam-Champion zu sein.
2021 war ein sehr wichtiges Jahr für mich und ein positiver Schritt zur Verwirklichung dieses Traums. Mit dem Erreichen des Halbfinals bei den WTA Finals habe ich eine wichtige Hürde übersprungen. Mein erster Turniersieg in Belgrad hat mir eine Last von den Schultern genommen. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben und ich glaube, da hat es bei mir Klick gemacht! Mein Tennis hat sich verbessert und ich bin mental gewachsen.
Ein paar Monate später wurde ein Traum wahr: Ich habe Indian Wells gewonnen! Es ist zwar kein Grand Slam, aber es ist ein sehr wichtiges Turnier. Das Finale gegen Victoria Azarenka war spektakulär. In einem Finale können die Nerven einen manchmal daran hindern, seine Leistung zu bringen, aber wir haben beide auf einem sehr hohen Niveau gespielt. Eine so herausragende Spielerin wie Victoria zu schlagen bedeutet mir umso mehr.
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Paula Badosa schlug Victoria Azarenka 2021 im Finale von Indian Wells mit 7:6, 2:6, 7:6

Fotocredit: Getty Images

Das Wichtigste, was ich aus diesem Match gelernt habe, ist die Erkenntnis meiner eigenen mentalen Stärke. Man wird immer wieder schwierige Momente auf dem Platz haben - es gibt immer Ängste und es ist ein ständiger Kampf. Es ist deshalb sehr wichtig zu wissen, dass man diese Ängste überwinden kann. Die Angst vor dem Verlieren kann einen lähmen, und es gibt keine einfache Lösung. Diesen Prozess muss man einfach durchstehen. Der Schlüssel ist einfach, sich seinen Ängsten zu stellen, egal wie sehr man sie durchlebt, und einfach darauf zu vertrauen, dass die schlechten Zeiten einen nicht definieren werden.
Ich würde auch immer empfehlen, sich mit den richtigen Leuten zu umgeben, denn wenn man sich seiner Leistung unsicher ist und Herausforderungen erlebt, ist es sehr wichtig, darüber zu sprechen - vor allem mit Fachleuten für psychische Gesundheit. Nur wenige Menschen können weitermachen, wenn sie negative Gedanken und Gefühle haben. Dank Sportlern wie Simone Biles, Naomi Osaka und Álex Abrines wurde in letzter Zeit viel über die persönlichen Erfahrungen von Sportlern mit ihrer mentalen Gesundheit gesprochen.
Diese Gespräche sind sehr wichtig, denn letztendlich muss die psychische Gesundheit stabilisiert werden. Die Menschen müssen verstehen, dass Sportler keine Roboter sind. Wir versuchen stets, 100 Prozent zu geben, aber das ist eben nicht immer realistisch.
Soziale Medien sind großartig, um diese Gespräche voranzutreiben, aber sie können manchmal auch gefährlich sein, weil sie so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn ich an junge Spieler wie Emma Raducanu und Carlos Alcaraz denke, möchte ich, dass sie versuchen, dem, was sie dort sehen, nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Es könnte ihnen sonst sehr schaden.
Unabhängig davon, wie gut sie auf dem Tennisplatz sind, mache ich mir Sorgen, dass sie noch nicht darauf vorbereitet sind, die ganze Last und den Druck zu tragen, die unweigerlich mit den Sozialen Medien einhergehen. Ich habe selbst darunter gelitten und möchte nicht, dass andere diese Erfahrung machen müssen. Letztlich gehört das aber zum Tennis dazu und ist der Preis, den man für den Erfolg zahlen muss.
Ich habe ein gutes Verhältnis zu Carlos und wir reden ständig miteinander. Wenn ich ihm also einen Rat geben kann, dann den, dass man ein gutes Umfeld braucht, sich mit den richtigen Leuten umgeben, hart arbeiten und so wenig wie möglich auf die Außenwelt hören sollte. Man kann die Außenwelt nicht kontrollieren, aber was man kontrollieren kann, ist der Versuch, stets sein Bestes zu geben.
Rafael Nadal ist für mich in dieser Hinsicht der Referenzpunkt. Er ist ein Arbeiter, ein Kämpfer und hat eine großartige Mentalität. Ich bewundere ihn mehr und mehr. Was die Ergebnisse angeht, werde ich nie an ihn herankommen, aber jetzt, wo ich zu den Besten der Welt gehöre, kann ich den Druck verstehen, den man auf diesem Niveau hat.
Ich bewundere Rafa, wie gut er damit umgeht. Ich habe den Eindruck, dass er geistig nicht von dieser Welt ist - das inspiriert mich noch mehr. Er war immer ein Vorbild für mich, wenn ich schwierige Momente erlebt habe, und wenn ich jemandem nacheifern will, dann Rafa.
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Rafael Nadal gewann bei den Australian Open 2022 seinen 21. Grand-Slam-Titel

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Ich denke, es ist enorm wichtig, während eines Turniers Zeit für sich selbst zu finden, um richtig abzuschalten. Früher blieb ich nur im Hotelzimmer, aber jetzt versuche ich, die Städte, in denen ich spiele, zu erkunden und etwas über ihre Kultur zu erfahren. Da wir das ganze Jahr über unterwegs sind und die meisten Tage Tennis spielen, ist es für niemanden gesund, in einem Hotelzimmer eingesperrt zu sein.
Ich mag es, einfache Dinge zu tun, da ich im Allgemeinen keine Zeit habe, ein normales Leben zu führen. Wenn ich zum Beispiel in Madrid bin, gehe ich gerne einkaufen, ins Kino und ins Restaurant - das sind tolle Erlebnisse für mich.
Die Rückkehr nach Spanien ist immer etwas ganz Besonderes für mich, weil ich so viel Liebe von den Fans erhalte. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur an diese Anerkennung denke. Ich arbeite sehr hart und habe viel investiert, um dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin. Die Unterstützung der Fans scheint das alles wert zu sein.
Was ich in den letzten zwölf Monaten erlebt habe, ist wirklich unglaublich. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich alles, was ich erreicht habe, wirklich begreife, aber ich versuche, die Ziele, die ich bisher erreicht habe, zu schätzen.
Viele Grüße,
Eure Paula
Folgt Paula Bedosa (@paulabadosa)) auf Instagram und auf Twitter (
)

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