French Open: Streit um Preisgeld bei Grand-Slam-Turnieren - das steckt hinter den Forderungen von Jannik Sinner und Co.

Die Höhe der Preisgelder bei den vier Grand-Slam-Turnieren sorgt für reichlich Unmut in der Tennis-Elite: Ob Jannik Sinner, Aryna Sabalenka oder Novak Djokovic - an prominenten Namen fehlt es in der Debatte gewiss nicht. Doch wie steht es wirklich um die Gelder, welche bei den Majors fließen? Um eine einfache Rechnung handelt es sich zwar nicht, doch es gibt auch bereits positive Beispiele.

Jannik Sinner und Co. setzen sich für höhere Preisgelder bei Grand-Slam-Turnieren ein

Fotocredit: Getty Images

"Wir sorgen für die Show. Ohne uns gäbe es keine Turniere, ohne uns gäbe es keine Unterhaltung", polterte Aryna Sabalenka vor dem Auftakt des WTA-1000-Turniers in Rom. "Ich glaube, irgendwann wird es einen Boykott geben."
Das Tauziehen um ergiebigere Preisgelder bei den wichtigsten Turnieren des Kalenders beschäftigt den Tennis-Zirkus seit knapp einem Jahr, kurz vor den French Open (24. Mai bis 7. Juni live im Stream bei HBO Max) erreicht die Debatte einen neuen Höhepunkt.
Als die Organisatoren von Roland-Garros das Preisgeld für die 125. Ausgabe des Sandplatz-Majors bekannt gaben (61,7 Millionen Euro), veröffentlichten zahlreiche Topspieler eine Mitteilung, in welcher sie ihren Unmut kundtaten.
Sabalenka, Jannik Sinner, Carlos Alcaraz, Novak Djokovic oder auch Coco Gauff: Die Elite des Sports pocht auf einen Anteil von 22 Prozent an den Einnahmen des Turniers, die im Fall der French Open auf 400 Millionen Euro geschätzt werden. Bislang bewegt sich das Preisgeld aber nur zwischen zwölf und 16 Prozent. Es stellt sich die Frage: Wohin fließt das gesamte Geld?

Sinner, Gauff und Co. setzen sich für alle ein

Eines vorweg: Zwar befinden sich die Grand-Slam-Turniere unter dem Dach der International Tennis Federation (ITF), agieren jedoch unabhängig voneinander und gehören zu den Tennisverbänden der austragenden Nationen.
Für diese gelten die Majors als heiliges Gut, immerhin generiert jedes einzelne Event mehrere hundert Millionen Euro. Zum Vergleich: Die ATP-Tour kommt bei allen neun Masters auf einen Umsatz von knapp 600 Millionen Euro, vor einem Jahr wurden etwa in Rom Einnahmen von 80 Millionen Euro verzeichnet.
Grand-Slam-TurnierEinnahmen 2025Preisgeld 2025
Australian Openca. 220 Millionen Euro53,8 Millionen Euro
French Openca. 395 Millionen Euro56,3 Millionen Euro
Wimbledonca. 495 Millionen Euro62,2 Millionen Euro
US Openca. 500 Millionen Euro77,3 Millionen Euro
Angesichts dieser Zahlen fühlen sich Sinner und Co. nicht in genügendem Ausmaß wertgeschätzt. "Es geht mehr um den Respekt", erklärte der italienische Weltranglistenerste auf einer Pressekonferenz in Rom. "Ich denke, wir geben mehr als das, was wir zurückkriegen."
Dabei denken die Superstars eigenen Angaben zufolge aber nicht nur an sich selbst. "Die Leute denken manchmal, dass wir einfach immer mehr wollen. Aber es geht nicht nur um uns", hob Gauff hervor. "Wenn man sieht, wie viel Geld die Grand Slams verdienen, ist es traurig zu sehen, dass Spieler in den Top 200 trotzdem von der Hand in den Mund leben. Ich möchte diesen Sport in einem besseren Zustand hinterlassen, als ich ihn vorgefunden habe."

US-Sportarten gelten als Vorbild für Tennis-Stars

Doch was passiert mit der Differenz zwischen Einnahmen und Preisgeld? Ein Blick in das britische Handelsregister lüftet dieses Geheimnis zumindest hinsichtlich Wimbledon.
Wie die "Gazzetta dello Sport" recherchierte, blieb "The All England Lawn Tennis & Croquet Club Limited" nach Abzug aller Kosten, einschließlich des Preisgeldes, ein Gewinn von rund 62 Millionen Euro. Etwaige Kostenpunkte waren beispielsweise das Personal mit über 500 Angestellten und knapp 2000 kurzfristigen Arbeitskräften (40 Millionen Euro), die Nutzungsgebühr für die Anlagen (27 Millionen Euro) oder etwaige Investitionen in die Infrastruktur (47 Millionen Euro).
90 Prozent des Gewinns fließen schließlich aufgrund eines bis 2053 laufenden Vertrages an die Lawn Tennis Association, der Rest geht an den All England Lawn Tennis and Croquet Club selbst.
Augenscheinlich sind die Einnahmen wie im Nu aufgebraucht - doch es geht auch anders. Denn während die Tennis-Elite im Kampf um höhere Preisgelder noch keinen nennenswerten Erfolg verzeichnen konnte, bewegen sich die großen US-Sportarten in einer völlig unterschiedlichen Dimension.
So sind den Athleten in NBA, NHL, NFL und MLB jeweils knapp 50 Prozent der sportbezogenen Einnahmen vertraglich zugesichert. Ein Ideal, von dem in der Welt der Tennis-Majors bislang nur geträumt werden darf.

ATP-Tour um fairere Bedingungen bemüht

Immerhin: Nicht auf allen Ebenen handelt es sich beim Preisgeld um einen Kampf gegen Windmühlen.
Unter dem Decknamen "One Vision" ist die ATP etwa um eine spielerfreundlichere Politik bemüht und beteiligt die Athleten am Gewinn. So gesellten sich zu den insgesamt 72 Millionen Euro an Preisgeldern bei Masters-Turnieren noch weitere 18 Millionen Euro an Gewinnbeteiligungen.
Seit dieser Saison soll das Projekt auf Turniere der 500er-Kategorie ausgeweitet werden.
Bis 2030 wollen Sinner und Co. zumindest 22 Prozent der Einnahmen bei Major-Turnieren im Preisgeld widergespiegelt sehen - und endlich den Respekt genießen, welchen sie sich von den Verbänden erwarten.
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Highlights: Sinner beendet Siegeszug seines Landsmanns

Quelle: SNTV


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