Im Spätjahr 2020 verletzte sich Sabine Lisicki beim WTA-Turnier in Linz schwer. Im Doppel an der Seite ihrer britischen Partnerin Jodie Burrage knickte sie bei einem Richtungswechsel weg und riss sich unter anderem das vordere Kreuzband im linken Knie. "Ich kann mich nicht erinnern, dass im Tennis eine Frau einmal von so einer schweren Verletzung zurückgekommen ist", sagte die Wimbledon-Finalistin von 2013 im Interview mit der "SZ".
Denn: "Bei mir war ja wirklich alles gerissen und kaputt, Kreuzband, Innenband, Außenband, Meniskus. Andere haben bei einer Verletzung ihre Karrieren beendet", erklärte die 32 Jahre alte Troisdorferin. Schon am Tag nach der Operation vor 18 Monaten wusste sie um die Schwere der Aufgabe, die ihr bevorstand. "Es wird ein langer und sehr schwerer Weg zurück", hatte sie damals auf Instagram geschrieben.
Doch Lisicki hatte von Beginn an den Traum, "zurückzukommen und Turniere spielen zu können." Ein Traum, der in dieser Woche in den USA in Erfüllung ging.
ATP Madrid
Djokovic sieht Aufwärtstrend: "Meine beste Vorstellung des Jahres"
UPDATE 04/05/2022 UM 08:28 UHR
"Es war ein extrem harter und sehr, sehr langer Weg. Das gebe ich zu. Die vergangenen 18 Monate waren definitiv die härtesten in meiner Karriere", gestand die frühere Nummer zwölf der Weltrangliste, die ihrem Comeback in Bonita Springs einen "großen Stellenwert" beimaß: "Dieser Moment, dieses Match war wie eine Belohnung, wie ein Geschenk für mich."

"Ich schlage sie morgen!" Lisicki exklusiv über das Turnier ihres Lebens

Lisicki "überrascht von der Resonanz"

Die Rechtshänderin beschrieb ihr Comeback auf die Wettkampfbühne als eine emotionale "Achterbahn". "Wie sich ein Match anfühlt, vergisst man nie. Aber ich muss tatsächlich sagen, dass ich sehr von den Emotionen überrascht war. Ich war anfangs sehr nervös", gestand die 32-Jährige, die 2014 in Hongkong den letzten ihrer vier Turniersiege feierte.
Doch während des Matches gegen die Japanerin Shibahara legte sich die Aufregung, Lisicki marschierte souverän in die zweite Runde der Qualifikation. "Worüber ich mich auch freue, ist, dass ich im ersten und zweiten Satz meine Aufschlagspiele halten und ausservieren konnte", berichtete Lisicki. So sehr, dass sie ihren Gefühlen nach dem Matchball freien Lauf ließ: "Wir wissen alle, dass ich ein emotionaler Mensch bin, aber ich habe auf dem Platz geweint - damit hatte ich nicht gerechnet."

Sabine Lisicki

Fotocredit: Getty Images

Womit sie auch nicht gerechnet hatte: In den sozialen Medien entfaltete die Deutsche nach ihrem Comeback mit Glückwünschen und Nachrichten überhäuft.
"Ich war total überrascht von dieser Resonanz", räumte sie ein und erklärte: "Ich habe ja auf den Social-Media-Kanälen nichts angekündigt, nichts erwähnt. Ich wollte einfach frei spielen. Dass es dann viele mitbekommen haben, damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe auch viele Nachrichten erhalten. Das hat mich berührt."

Lisicki träumt von Teilnahme in Berlin

Auch, dass sie in der zweiten Runde dann an der Rumänin Gabriela Lee (2:6, 2:6) scheiterte, trübte die Freude über ihre Rückkehr nicht. Der Fokus liegt weiterhin auf der Gesundheit. Lisicki bezeichnete es als "ermutigend", dass sie auch das Match gegen die 26-Jährige ohne körperliche Probleme bestreiten konnte.
"Ich glaube, in meinem Körper war viel mehr drin, als ich selbst vielleicht gesehen habe. Da fiel auch einige Last von mir ab, es war ein herrlich befreiendes Gefühl, dass ich wieder die Kontrolle über meinen Körper habe", sagte Lisicki in der "SZ".
Mit dem Comeback nach ihrer Horror-Verletzung wollte sie auch ein Zeichen setzen, niemals aufzugeben - gerade in Zeiten wie diesen. "Ich möchte damit auch Menschen inspirieren, nicht aufzugeben und wieder aufzustehen. Wir alle hatten ja in den vergangenen Jahren eine schwere Zeit, auch mit Corona und all den Folgen. Umso wichtiger war es für mich, dranzubleiben und mich wieder hochzuarbeiten", erklärte die Troisdorferin.
Nun ist Lisicki wieder da. Auf dem Weg zurück zu großen Turnieren gibt sich Lisicki, die derzeit nicht in der Weltrangliste gelistet ist, selbst aber die Zeit, die sie braucht: "Die Tennisspielerin Sabine Lisicki ist zurück. Aber es wird noch dauern, bis ich auf ein höheres Niveau komme. Ich freue mich jetzt auf das, was kommt." Eventuell sogar in Deutschland? "Das würde mir die Welt bedeuten", sagte Lisicki über eine Wildcard-Teilnahme beim Rasenturnier in Berlin. Angefragt hat sie bereits.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Murray über Duell mit Djokovic: "...und ich habe eine Metallhüfte"

Zverev enttäuscht: "Schlechtestes Match seit sechs Jahren"

Wimbledon
Wilander: Wimbledon-Ausschluss "vollkommen ungerecht"
UPDATE 03/05/2022 UM 18:49 UHR
ATP Madrid
Sieg mit leichten Misstönen: Djokovic lässt "Lieblingsgegner" keine Chance
UPDATE 03/05/2022 UM 17:38 UHR