Endstation Achtelfinale, aus der Traum vom Überraschungscoup in New York: Angelique Kerber ist bei den US Open klar gescheitert. Die dreimalige Majorsiegerin aus Kiel unterlag in der Runde der letzten 16 der an Position 28 gesetzten US-Amerikanerin Jennifer Brady (25) in 1:28 Stunden mit 1:6, 4:6 und verpasste in New York den ersten Viertelfinaleinzug seit ihrem Wimbledonsieg 2018.

US Open
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14/09/2020 AM 02:00

"Ich habe überhaupt nicht in meinen Rhythmus gefunden, besonders im ersten Satz", sagte Kerber auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Ich habe trotzdem versucht dranzubleiben, trotzdem bis zum Ende an mich zu glauben und das Match irgendwie noch zu drehen." Es glückte ihr jedoch nicht.

Kerber, die als letzte Deutsche im Dameneinzel von New York ausschied, hatte sich mit ihren vorangegangenen drei Matches in Flushing Meadows durchaus in den Kreis der Mitfavoritinnen gespielt. "Innerlich spürt sie schon, dass sie dazugehört", sagte Barbara Rittner, Head of Women's Tennis im Deutschen Tennis Bund (DTB), bei Eurosport.

Erst chancenlos, dann ohne Glück: Kerber verliert gegen Brady

Die deutsche Nummer eins hatte nacheinander Alja Tomljanovic (Australien), Anna-Lena Friedsam (Neuwied) und Ann Li (USA) überzeugend und ohne Satzverlust ausgeschaltet.

Angelique Kerber schnell unter Druck

Gegen die formstarke Brady spürte sie jedoch sofort, dass sie eine ganz harte Nuss knacken muss. Ihre Gegnerin war von ihrem deutschen Trainer Michael Geserer minutiös auf die Partie vorbereitet worden und legte beeindruckend los.

Kerber sah sich stark in die Defensive gedrängt und fand zunächst keine Antwort auf die knallharten Aufschläge und die peitschende Vorhand der US-Amerikanerin.

Nach einer Viertelstunde Spielzeit stand es aus Sicht der früheren Weltranglistenersten bereits 1:4. Ihr Coach Torben Beltz versuchte seine Athletin von der Tribüne aus aufzumuntern, rief "Angie go!" Doch schon nach 22 Minuten war der erste Satz verloren.

1:6 nach 22 Minuten: Kerber kriegt richtige Rutsche in Satz eins

Jennifer Brady leicht angeschlagen

Kerber, an Nummer 17 gesetzt, hatte Probleme mit ihrem Service und geriet auch im zweiten Durchgang direkt ins Hintertreffen, schaffte dann aber ein Break zum 1:1. Ein Hoffnungsschimmer? Zunächst nur kurz. Brady nahm Kerber ihr darauffolgendes Aufschlagspiel zu Null ab und erhöhte damit enorm den Druck.

"Sie hat schon oft genug solche Matches in ihrer Karriere gedreht", kommentierte Rittner. Aber es deutete kaum etwas auf eine Wende hin, zu stark und fehlerfrei trumpfte Brady auf.

Kerber kämpfte und erhielt beim Stand von 2:3 noch einmal die Chance zur Neujustierung, denn ihre Gegnerin musste sich am Oberschenkel behandeln lassen. Doch die US-Amerikanerin ließ sich auch davon nicht aus der Ruhe bringen und sicherte sich den Einzug ins Viertelfinale.

Kritischer Ballwechsel: Hier vergibt Kerber die große Comeback-Chance

Größter Karriere-Erfolg für Brady

Kerber, in der Weltrangliste vor dem Turnier an 23 geführt, hatte 2016 die US Open gewonnen, ansonsten aber seit 2013 nicht mehr das Achtelfinale erreicht. Die Weltranglisten-40. Brady stand dagegen bis dato noch nie in einem Grand-Slam-Viertelfinale.

Der Sieg über Kerber ist also gleichbedeutend mit dem größten Karriereerfolg für die 25-Jährige aus Harrisburg, die vor den US Open mit dem Sieg bei den Top Seed Open in Lexington ihren ersten WTA-Titel geholt hatte.

"Das fühlt sich großartig an. Ich bin so glücklich", sagte die 25-Jährige: "Im ersten Satz habe ich spektakulär gespielt, fast keine Fehler gemacht. Im zweiten Satz war ich ein bisschen frustriert, habe Schmerzen im Bein gespürt. Und Kerber kämpft um jeden Punkt. Ich wollte unbedingt in zwei Sätzen durchkommen." Das schaffte sie - nach 1:28 Stunden verwandelte Brady ihren zweiten Matchball.

Im Viertelfinale trifft Brady nun auf Yulia Putintseva (Kasachstan/Nr. 23), die sich in einer packenden Partie 6:3, 2:6, 6:4 gegen Petra Martic (Kroatien/Nr. 8) durchsetze.

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