US Open: Djokovic disqualifiziert - Zverev plötzlich in neuer Rolle
Die Disqualifikation von Novak Djokovic hat die Situation bei den US Open komplett auf den Kopf gestellt. Es galt als ausgemacht, dass der Titel nur über die Nummer eins der Welt geht - alles andere wäre eine Riesenüberraschung gewesen. Nun geht das New Yorker Grand-Slam-Turnier ohne den Branchenprimus weiter und das hat vor allem Auswirkungen auf die Rolle von Alexander Zverev.
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Das Finale ist Pflicht für Alexander Zverev.
Blickt man auf das Tableau am Tag eins nach Djokovic, muss man diesen Eindruck gewinnen. Zverev ist auf seiner Hälfte als Nummer fünf der Setzliste auf dem Papier der klare Favorit.
Doch davon will der 23-Jährige verständlicherweise nichts wissen, zumindest offiziell. "Ich bin nicht der Einzige, der eine Chance hat", wiegelte Zverev auf der Pressekonferenz nach seinem blitzsauberen 6:2, 6:2, 6:1-Erfolg gegen Alejandro Davidovich Fokina ab.
Im Exklusiv-Interview mit Eurosport wies Deutschlands Nummer eins vielmehr auf die viel zitierte Luft nach oben hin, die er noch habe. "Ich habe sechs Monate lang trainiert, Leute. Meiner Ansicht nach spiele ich im Training noch immer besser als im Match." Immerhin stufte er die ersten beiden Sätze gegen den jungen Spanier als "gutes Niveau" ein. "Es wird langsam", so Zerev.
Das Understatement ist nachvollziehbar. Dass Zverev nun neben Dominic Thiem und Daniil Medvedev als Turnierfavorit gilt, ebenso. Nur: Auf den Österreicher und den Vorjahresfinalisten aus Russland kann er erst im Finale treffen. Bis dahin heißen die Gegner Borna Coric (Viertelfinale) und Denis Shapovalov oder Pablo Carreño Busta (Halbfinale).
"Es wird einen neuen Grand-Slam-Champion geben. Nun wird es interessant", befand Zverev.
Bilanz gegen Coric? Negativ!
Der Hamburger, der sich dieser Tage als "so fit wie nie zuvor" bezeichnete, geht mit fast unbegrenztem Selbstvertrauen in die Crunch Time des Turniers. Nach drei Viersatzerfolgen gegen Kevin Anderson, Brandon Nakashima und Adrian Mannarino sparte er bei der Kraft ein. Läuft.
Es ist aber nicht nur eine Phrase, wenn Zverev trotzdem "extrem schwere Matches" erwartet. Da reicht ein Blick in die Statistik. Viermal stand er seinem Viertelfinal-Kontrahenten Coric bislang gegenüber, dreimal zog er den Kürzeren - unter anderem bei den US Open 2017. Der Kroate liebt das Spiel auf Hartplatz und verfügt über eine bärenstarke Rückhand.
Wie Zverev könnte auch bei Coric die Brust nicht breiter sein. In Runde drei warf der 23-Jährige Mitfavorit Stefanos Tsitsipas aus dem Wettbewerb und wehrte dabei sagenhafte sechs Matchbälle ab. Es folgte ein souveräner Dreisatzerfolg gegen den Australier Jordan Thompson.
Shapovalov wittert seine Chance
Nimmt Zverev die Hürde am Dienstag, ist er auch im Halbfinale favorisiert. Der Gegner steht noch nicht fest, es deutet aber einiges auf Denis Shapovalov hin, der sich derzeit in glänzender Verfassung präsentiert.
Obwohl erst 21 Jahre alt, kreuzte er bereits fünfmal die Klingen mit dem Deutschen. Die Bilanz spricht zwar mit 3:2 für Zverev, den bis dato letzten Vergleich im Januar beim ATP Cup gewann allerdings der Kanadier. Als Nummer zwölf der Setzliste ist Shapovalov theoretisch der zweitstärkste Mann in der Hälfte von Zverev, ein Aufeinandertreffen mit Zverev im Kampf um das Finalticket wäre also nur folgerichtig.
Carreño Busta mehr als "nur" ein Profiteur
Der Mann, der etwas dagegen hat, hatte bei der denkwürdigen Disqualifikation von Djokovic den besten Platz im Arthur Ashe Stadium. Carreño Busta ist aber weit mehr als nur ein Profiteur des Zwischenfalls, hatte er den Superstar im ersten Satz doch mächtig geärgert und bei einem Breakvorteil mit 6:5 geführt.
Djokovic hatte das Spiel des Spaniers im Vorfeld der Partie als "solide, aber ohne große Waffen" charakterisiert. Shapovalov dürfte das etwas anders sehen, schließlich hat er drei von vier Matches gegen den Weltranglisten-27. verloren.
Für Zverev sind das (noch) uninteressante Zahlenspiele. Für ihn gehe es darum, "weiter mein bestes Tennis zu spielen und mich im Turnier zu entwickeln".
Kür gegen Thiem oder Medvedev?
Auf der unteren Hälfte des Tableaus wird derweil mit einem Halbfinale zwischen Thiem und Medvedev gerechnet. Die beiden Favoriten sind in blendender Form, historisch betrachtet sollte Zverev auf den Russen im Endspiel hoffen. Während der direkte Vergleich mit Medvedev bei 5:1 steht, liegt er gegen Thiem mit 2:7 zurück.
Wie immer der Gegner bei einem Finaleinzug von Zverev heißen würde, die Pflicht hätte er damit ja schon erfüllt - der Titel wäre dann die Kür ...
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