Dominic Thiem gilt schon seit Jahren als Kronprinz von Rafael Nadal. Wenn der Spanier irgendwann den Schläger beiseitelegt, so die einhellige Meinung, werde der Österreicher das Zepter bei den French Open übernehmen. Nach zwei Wochen US Open muss man konstatieren: Es könnte schneller gehen als gedacht mit der Machtübernahme.

Er habe "ein Lebensziel erreicht", gab Thiem nach seinem 2:6, 4:6, 6:4, 6:3, 7:6 (8:6)-Erfolg im Finale der US Open gegen Alexander Zverev zu Protokoll. Man kann die Größe des Steines nur erahnen, der dem 27-Jährigen vom Herzen gefallen ist. Drei Grand-Slam-Finals hatte Thiem zuvor verloren, jüngere Spieler wie Zverev, Stefanos Tsitsipas oder Daniil Medvedev meldeten bereits ihre Ansprüche auf die Nachfolge der sogenannten Big 3 an.

US Open
Zverevs historischer Fight - diesen Fehler darf er jetzt nicht machen
14/09/2020 AM 10:16

Highlights | Thiem gewinnt Final-Krimi gegen Zverev

Thiem musste langsam etwas vorweisen. Das hat er nun getan, der große Druck ist weg, bei den French Open in zwei Wochen kann er befreit aufspielen.

Sand ist ohnehin sein stärkster Belag, die ersten vier Titel auf ATP-Tour-Niveau holte er allesamt auf dem roten Geläuf. Inzwischen steht Thiem bei 17 Titeln, zehn davon auf Sand. "Dominic kommt jetzt natürlich mit breiter Brust nach Paris", so Eurosport-Experte Boris Becker. "Die Karten auf Sand werden neu gemischt."

Nadals lange Pause: Wirklich eine gute Idee?

Das habe aber nicht nur mit Thiems Stärke zu tun, sondern auch mit Nadal selbst. "Rafa hat ja einen Monat länger Turnierpause als fast alle anderen", erinnert Becker an die Entscheidung des 13-maligen Roland-Garros-Siegers, auf die US Open zu verzichten. Derzeit weilt Nadal in Rom, wo er sich beim Sandplatz-Masters auf die French Open vorbereiten will. "Er war natürlich auf Sand fast unschlagbar, aber er muss jetzt seine ersten Matches in Rom erst einmal gewinnen", betont Becker.

Kohlmann: Darum wird Djokovic jetzt noch gefährlicher für Nadal

Die Sorge ist durchaus berechtigt, denn gleich zum Auftakt in Runde zwei - Nadal hat zunächst ein Freilos - wartet ein dicker Brocken. Der Superstar bekommt es mit Pablo Carreño Busta zu tun, der erst vor wenigen Tagen in New York im Halbfinale an Zverev scheiterte. Es wird alles andere als ein lockeres Comeback für Nadal auf der Tour.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren Faktor, der seinen Herausforderern beim Klassiker in Paris in die Hände spielt: Der Wettbewerb findet aufgrund der Verschiebung vom Mai in den September unter gänzlich anderen Bedingungen statt. Bedingungen, die Nadals Spiel nicht förderlich sind.

Vorteil für Thiem und Djokovic?

"Man darf nicht vergessen, dass es nicht mehr so warm sein wird", erläuterte der deutsche Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann bei Eurosport. "Das hat zur Folge, dass die Bälle nicht mehr so hoch springen."

Doch genau darauf gründete sich die Unmöglichkeit, Nadal Paroli zu bieten. Der Mallorquiner schlägt die Bälle mit dermaßen viel Spin, dass die hoch abspringen und die Gegner in die Defensive drängen. Fehlt der Effekt, können Thiem, Novak Djokovic und die anderen Topprofis weiter ins Feld rücken und ihrerseits Druck aufbauen.

Thiem zeigt Zähne: Zauberschlag aus der Defensive

Betrachtet man das große Pensum an Show-Events, das Thiem während des Corona-Lockdowns abspulte, und seine anschließende Leistung bei den US Open, wird klar: Der Weltranglistendritte wird auch in Roland Garros voll durchziehen, zumal er noch zwei Rechnungen offen hat. 2018 und 2019 unterlag er Nadal jeweils im Finale.

Die Zeit scheint günstig für den Kronprinzen, um den König vom Thron zu stoßen.

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