US Open 2021: Warum Alexander Zverev in New York fast nicht mehr zu stoppen ist

Alexander Zverev knüpft bei den US Open an seine famosen Vorstellungen bei Olympia und beim Masters von Cincinnati an. Der 24-Jährige steht inzwischen bei 13 Siegen in Serie. Zverev spiele "mit so einer Leichtigkeit das beste Tennis, das ich je von ihm gesehen habe", schwärmte Mats Wilander. Boris Becker zieht derweil einen Vergleich zum Fußball und sieht Zverev gestärkt für die "Mind Games".

Alexander Zverev bei den US Open

Fotocredit: Getty Images

Eurosport-Experte Boris Becker war ein wenig ratlos. "Das ist nicht einfach zu kommentieren, wir haben ja kein Match", stellte Deutschlands Tennis-Legende während des Zweitrunden-Auftritts von Alexander Zverev fest.
Man darf unterstellen, dass viele seiner Gegner derzeit denselben Eindruck gewinnen. Sei es nun Karen Khachanov im Olympia-Finale, Andrey Rublev im Endspiel des Masters von Cincinnati oder nun Albert Ramos-Viñolas in Runde zwei der US Open. Keiner gewann mehr als drei Spiele in einem Satz gegen den Hamburger, keiner hatte auch nur den Hauch einer Chance.
Quälte sich Zverev in den vergangenen Jahren häufig in langatmigen Partien durch die ersten Runden bei Grand-Sam-Turnieren, so erledigt er diese Aufgaben inzwischen im Stile eines Champions. "Er hat eine ganz andere Ausstrahlung, seitdem er Olympia-Sieger ist", lobte Becker.
"Ich spiele momentan ganz in Ordnung", erklärte Zverev im Exklusiv-Interview bei Eurosport.
Die Untertreibung des Jahres.

Mischa Zverev: "Sascha kann sich nur selbst schlagen"

Aber: Die richtige Herangehensweise, denn wie Bruder Mischa Zverev schon vor dem Duell mit Ramos-Viñolas feststellte: "Ich meine das nicht despektierlich, aber Sascha kann sich nur selbst schlagen." Ein wenig Zurückhaltung ist sicher angebracht, denn es wird mindestens noch bis zum Halbfinale so sein, dass Zverev der haushohe Favorit ist. Dann, darauf deutet alles hin, kommt wohl der Showdown mit Novak Djokovic.
Kurioserweise hat der aktuelle Höhenflug des Deutschen viel mit dem Superstar aus Belgrad zu tun. "Ich bin gegen die Nummer eins der Welt nach 1:6 und 2:3 mit Break hinten zurückgekommen - im Halbfinale des wahrscheinlich größten Turniers der Welt", erinnerte Zverev dieser Tage an das gewonnene Olympia-Duell mit Djokovic. Danach sei "mental ein bisschen was geplatzt".

Zverev mit negativer Bilanz gegen Sock

Der Nächste, der das zu spüren bekommen soll, ist Jack Sock (heute Nacht ab ca. 3:00 Uhr im TV Bei Eurosport 1). Der US-Amerikaner kann zwar eine positive 2:1-Bilanz gegen Zverev vorweisen, doch die stammt gefühlt aus einem anderen Tennis-Leben. 2016 in Stockholm und 2017 bei den ATP Finals bezwang Sock den aktuellen Weltranglistenvierten. Aus Sicht von Zverev ist das Lichtjahre her.
Seitdem hat sich das Spiel des 24-Jährigen weiterentwickelt und auf extrem hohen Niveau stabilisiert. Und auch auf seine schärfste Waffe kann Zverev sich voll verlassen, was nicht immer so war. Es geht um den Aufschlag. "Wenn er funktioniert, bin ich gut und gewinne Turniere", stellte er lapidar fest. Gegen Ramos-Viñolas kam der Aufschlag.
Elf Asse feuerte Zverev seinem Kontrahenten um die Ohren, der Spanier erspielte sich über die gesamte Matchdauer keinen Breakball. Am Ende servierte der Olympiasieger die Partie mit drei Assen in Serie nach Hause. Da waren gerade einmal 74 Minuten gespielt. Deutlicher kann man sich als Favorit nicht in Stellung bringen.

Wilander lobt Zverev: "Er ist hungriger geworden"

Eurosport-Experte Mats Wilander, der die US Open 1988 gewann, geriet geradezu ins Schwärmen: "Für mich spielt er mit so einer Leichtigkeit das beste Tennis, das ich je von ihm gesehen habe. Das bedeutet nicht unbedingt, dass er den Ball mit der Rückhand und der Vorhand genauer trifft oder sein Aufschlag besser ist, aber er ist auf dem Platz hungriger. Er nimmt kurze Bälle und kommt gerne ans Netz. Das übt so viel Druck auf den Gegner aus."
Man könnte fast sagen: Es läuft auf dem Platz fast beängstigend gut für Zverev - und es gibt kaum noch Gründe, weshalb es nichts werden sollte mit dem ersten Grand-Slam-Titel der Karriere.
Wobei die Höhe der Hindernisse jetzt natürlich zunimmt. Schlägt er Sock, dann dürfte es im Achtelfinale zum Aufeinandertreffen mit Italiens Supertalent Jannik Sinner kommen. In einem möglichen Viertelfinale könnte der an Position sieben gesetzte Denis Shapovalov warten. Dann ein Halbfinale gegen Djokovic und ein Endspiel gegen Daniil Medvedev oder Stefanos Tsitsipas? Möglich.

Die Mind Games beginnen: Zverev ist bereit

Es sind die Runden, in denen auch die sogenannten Mind Games immer wichtiger werden. "Die Kabine ist so etwas wie die Eitelkeitsbörse der Tennisspieler, weil der Spind deines Gegners vielleicht direkt neben dir liegt. Der sieht dich genau - vor dem Match, nach dem Match, wie du dich emotional aufbaust, wie es dir geht", erläuterte Becker die psychologischen Herausforderungen und findet einen plakativen Vergleich: "Stell' dir mal vor, Bayern München würde sich jedes Mal mit Borussia Dortmund in der gleichen Umkleidekabine warm machen. Unmöglich!"
Nicht so im Tennis. Doch auch in dieser Hinsicht ist Zverev gewachsen. "Es gibt jetzt Leute, die etwas ruhiger zu mir sind. Die gehen dann doch eher einen Schritt mehr nach links oder nach rechts. Das ist lustig zu sehen. Man bekommt das sonst nur bei den anderen Topjungs mit, bei Federer, Nadal oder Djokovic. Bei mir war es jetzt nicht anders", verriet Zverev bei Eurosport.
Am liebsten wäre es dem Hamburger nun, wenn Deutschlands Tennis-Ikone Becker auch bei den kommenden Matches konstatieren müsste: "Wir haben kein Match."
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Podcast - Das Gelbe vom Ball: Becker über Zverevs Chancen

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