US Open: Alexander Zverev greift nach ersten Grand-Slam-Titel - und muss auf diese Gefahren achten

Alexander Zverev geht nach seinem Olympiasieg von Tokio sowie dem Triumph in Cincinnati als Mitfavorit bei den US Open an den Start. Eurosport-Experte Boris Becker glaubt, dass der Hamburger für seinen ersten Grand-Slam-Titel bereit ist. Allerdings warten einige Stolperfallen auf den 24-Jährigen - und damit ist nicht nur Novak Djokovic gemeint, der in New York den Grand Slam perfekt machen will.

Alexander Zverev

Fotocredit: Getty Images

Der Jubel bei Alexander Zverev kannte keine Grenzen.
Vor vier Wochen krönte sich der 24-Jährige in Tokio durch einen 6:3, 6:1-Finalsieg gegen Karen Khachanov aus Russland zum Olympiasieger.
"Es ist absolut unfassbar. Dieser Sieg ist eigentlich der größte Sieg, den du feiern kannst", so Zverev nach seinem Gold-Coup. Zuvor hatte er im Halbfinale den unschlagbar erscheinenden Dominator Novak Djokovic ausgeschaltet und dem Serben den Golden Slam verhagelt.
"Zverev hat einen unglaublichen Sommer hingelegt. So habe ich es mir erwünscht, aber um ehrlich zu sein nicht erwartet", sagte Tennis-Legende und Eurosport-Experte Boris Becker vor den heute beginnenden US Open.

Zverev in Topform zu US Open

Bemerkenswert: Zverev ließ nach seinem Erfolg in Tokio nicht nach. Im Vorfeld von Flushing Meadows schnappte sich die Nummer vier der Welt beim Masters in Cincinnati gleich den nächsten großen Titel und schlug dabei unter anderem Stefanos Tsitsipas und Andrey Rublev.
"Ein unglaubliches Gefühl", beschrieb Zverev seine Gefühlslage nach dem 17. Turniersieg seiner Profikarriere. In der Form seines Lebens zählt er auch in New York zu den absoluten Topfavoriten.
Zudem fehlen bei den US Open mit Titelverteidiger Dominic Thiem sowie den Superstars Rafael Nadal und Roger Federer gleich drei große Kontrahenten.
Becker sieht die deutsche Nummer eins in New York mit guten Chancen auf seinen ersten Grand-Slam-Titel: "Er ist einer der großen Favoriten. Djokovic ist immer noch der Topfavorit, aber an zweiter Stelle kommt dann schon Sascha."

Becker über Zverev: "Warum soll dieser Lauf enden?"

Die Chance auf seinen ersten Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere des Jahres ist für Zverev so groß wie noch nie. Becker sieht Zverev bereit für den endgültigen Durchbruch.
"Ich glaube bei Zverev ist ein Knoten geplatzt und er ist etwas freier. Er ist auch entspannter und hat mehr Selbstvertrauen. Das kann der Auslöser sein, warum er hoffentlich sehr gute US Open spielen wird. Er ist auf seinem besten Lauf in seiner Karriere. Warum soll dieser Lauf in New York aufhören?", fragt die deutsche Tennis-Legende.
Doch der Druck auf Zverev ist riesig. Nach seinem Erfolg in Japan steht der Hamburger voll im Rampenlicht. Der Titel, so die Wahrnehmung, soll es schon sein.
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Alexander Zverev

Fotocredit: Getty Images

Zverevs Auftakthürde bei den US Open ist knifflig. Mit Sam Querrey wartet ein erfahrener Akteur, der bereits an den Top Ten der Weltrangliste schnupperte und 2017 bis ins Viertelfinale von Flushing Meadows kam.
"Der Name ist gut, Sam Querrey ist für jeden ein Begriff. Es ist eine ernst zu nehmende erste Runde, aber alles andere als ein Sieg von Zverev würde mich überraschen", meinte Becker, der aber auch warnte: "Querrey ist US-Amerikaner, das Turnier findet in diesem Jahr mit Zuschauern statt, also werden die Fans für Querrey sein. Damit muss Zverev umgehen. Das ist vielleicht das einzige Problemchen."
In der Vergangenheit tat sich Zverev bei großen Turnieren oftmals in den ersten beiden Runden schwer und musste über vier oder fünf Sätze gehen. Das hat ihn dann für die späteren Matches Körner gekostet.

Zverev und die Erinnerung ans Finale gegen Thiem

Sollte Zverev allerdings - wie in vergangenen Monaten - seine Klasse konstant von Turnierbeginn an auf den Court bringen, dann ist er für jeden Gegner eine Monsteraufgabe. Das gilt auch für Djokovic, auf den er in einem möglichen Halbfinale treffen könnte.
"Wenn Zverev im Halbfinale gegen Djokovic spielen sollte, dann wird der Serbe Zverev noch ernster nehmen als vor Olympia. So eine Niederlage wie in Tokio tut Djokovic sehr weh. Das hat ihn schon mehr als gewurmt", erklärt Becker, der den Serben zwischen 2013 und 2016 trainierte.
Und auch Zverev ist sich bewusst, dass der 20-malige Grand-Slam-Champion aus seiner Niederlage in Tokio gelernt hat. "Ich glaube, dass Novak zurück sein wird. Ich denke, dass er immer noch der Favorit ist", sagte der Hamburger nach dem Turnier von Cincinnati.
Ein weiterer Punkt, der gegen einen Triumph des Olympiasiegers in New York sprechen könnte, ist die mentale Komponente. Vor einem Jahr war Zverev nur zwei Punkte vom Sieg bei den US Open entfernt, unterlag aber seinem Kumpel Thiem in einem Fünf-Satz-Krimi.
"Das Finale aus dem letzten Jahr wird noch in seinem Kopf sein, wenn er durch die alten Türen bei den US Open geht. Er hat gegen Thiem die ganz wichtigen Punkte nicht gemacht, warum auch immer. Bei Olympia ist ihm das dann gelungen. Da scheint was im Gange, was sehr positiv ist", so Becker.

Zverev: Grand-Slam-Coup trotz Horror-Bilanz?

Auch wenn Zverev bei Grand-Slam-Turnieren noch nie gegen einen Top-Ten-Spieler gewonnen hat und bei einer Bilanz von 0:10 steht, sieht Becker Licht am Ende des Tunnels.
"Das Verrückte beim Gewinnen ist ja, man lernt es dann zu gewinnen. Man hat dann einen Weg gefunden, wie man die wichtigen Punkte gewinnt. Dann wird das ein Automatismus und das scheint gerade bei Zverev der Fall zu sein", ist sich der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger sicher.
Für den ersten Major-Titel der Laufbahn muss Zverev zudem seine große Stärke aus den "Best-of-3-Spielen" auch über die längere Distanz zeigen.
"In den großen Spielen im Best-of-5-Modus hat es bei Zverev über diese Distanz immer gemangelt, da er gegen die besten Spieler oftmals den Sack nicht zumachen konnte", erinnert Becker. Nun scheint Zverev alle Werkzeuge beisammen zu haben, den letzten Schritt zu gehen. Er halte "Zverev dafür im Stande, in New York ganz Großes zu erreichen".
Die Chancen stehen besser als je zuvor.

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