US Open - Alexander Zverev stehen Mammutaufgaben bevor: So gut ist er für die Crunchtime gerüstet

Alexander Zverev hat dem Wind in New York getrotzt und mit Mühe die dritte Runde der US Open erreicht. Gegen Daniel Altmaier fand der Deutsche in schwierigen Phasen neue Wege und bestätigte, dass man ihn als Dark Horse auf dem Zettel haben muss. Allerdings wurde auch deutlich, was Zverev im Vergleich zur Weltspitze noch fehlt. Wie gut ist er wirklich für die Crunchtime des Turniers gerüstet?

Alexander Zverev

Fotocredit: Getty Images

Am Donnerstagabend, nach dem umkämpften Viersatzerfolg gegen Landsmann Daniel Altmaier in Runde zwei (7:6 [7:1], 3:6, 6:4, 6:3) und den anschließend erledigten Regenerationsroutinen für seinen Körper, präsentierte sich Alexander Zverev im Pressezentrum tief in den Katakomben des Center Courts bei den US Open in New York mit zwei gänzlich unterschiedlichen Gesichtsarten.
Fast die gesamte Stirn ähnelte ob des bei den Matches immer tiefer sitzenden Haarbands seines Sponsors mittlerweile der einer weißen Massai. Ansonsten war das Gesicht tennistypisch braun gebrannt.
Die bereits vor vielen Monaten verlorenen Wette gegen Freundin Sophia Thomalla während eines Monopolyspiels im Urlaub - sie wurde nicht nur oberhalb des Stirnbands immer sichtbarer. Der 26-Jährige darf sich ein ganzes Jahr lang nicht mehr die Haare schneiden.
Vom übertragenden Sender unlängst auf die unfassbare lange Zeitspanne der Wette angesprochen, sagte der bekennende Sherlock-Holmes-Fan nur noch resignierend: "It is, what it is."

Zverev mit Licht und Schatten

Während er also von Monat zu Monat und Woche zu Woche eine längere Mähne kontrollieren muss, hat Deutschlands bester Tennisprofi im neunten Monat seiner Comebacksaison ebenfalls immer mehr spielerische und physische Substanz zur Verfügung.
Der Sieg in Hamburg auf Sand und vor allem der Halbfinaleinzug zuletzt in Cincinnati inklusive des ersten Top-10-Siegs der Saison gegen Daniil Medvedev unterstreichen das. In der Weltrangliste ist er folgerichtig mit Platz 12 wieder einer der Anführer der erweiterten Weltspitze.
Was nach ganz oben noch fehlt, zeigte sich in der schwierigen zweiten Runde gegen Altmaier am Donnerstag: eine fehlende Konstanz, Selbstverständlichkeit und Ausstrahlung in schwierigen Bedingungen, die an die Führungsriege im Welttennis um Carlos Alcaraz und Novak Djokovic heranreicht.
"Ich glaube, dass ich die ersten beiden Sätze mehr oder weniger ohne ersten Aufschlag gespielt habe und von der Grundlinie etwas mehr Fehler gemacht habe als normalerweise und auch etwas langsamer gespielt habe als in der ersten Runde", erklärte Zverev den deutschen Reportern am Donnerstag.

US Open: Zverev gegen den Wind

Zverev und Altmaier, beide Davis-Cup-Kollegen, die ebenfalls zusammen bei der Relegationspartie in Bosnien (15./16. September) aufschlagen werden, hatten vor allem in den ersten beiden Sätzen große Probleme mit den windigen Bedingungen im Stadtteil Queens.
Der Außenplatz 17, auf dem Zverev das zweite Mal angesetzt war, verfügt über keine windschützende Dachkonstruktion. "So war es heute generell nicht einfach zu servieren und auch nicht einfach zu spielen - auch von hinten", sagte Zverev. Die Zuschauer sahen allein in Durchgang eins sechs Breaks
Bei Wind sei es unfassbar schwierig, Tennis zu spielen mit dem bei den US Open verwendeten Spielgerät. Zverev hatte das Gefühl, dass dieser Ball zu leicht sei. Bei Windstille sei ja alles ok, meinte er: "Sobald es draußen windig ist und man das Gefühl hat, es ist nicht immer gleich, dreht sich der Ball und fliegt rum ohne Kontrolle. Du hast das Gefühl, dass der Ball mehr vom Wind betroffen ist als andere Bälle."

"Hat Klick gemacht": Zverev findet neue Wege

Der gebürtige Hamburger ist ein echter Windgegner, bekennt sich seit Jahren zu dieser Schwäche. Er weiß, dass viele Topspieler in diesen schwierigen Bedingungen besser zurechtfinden. Immerhin: Am Donnerstag aber fand er auch wegen 64 Netzangriffen einen Weg, das Match zu gewinnen.
"Tennis ist oft auch Gefühlssache. Man kann sein Tennis finden, man kann es verlieren und ich finde, dass ich mein Tennis im vierten Satz sehr gut gefunden habe", erklärte Zverev. Es gebe keine Strategie, es sei eine Gefühlssache. "Du fängst an, dich besser zu bewegen mit den Beinen, an das Spiel zu gewöhnen. Bei mir hat es zwischen dem dritten und vierten Satz geklickt und dann war es auch eindeutiger. Den Klick merkt man auch. Man hat den Ball besser im Schläger, der Ball fliegt und der Gegner hat weniger Zeit."
All das setzte Zverev zwischenzeitlich mit nur noch einem verbliebenen Schläger um. "Ich hatte all meine Schläger beim Bespanner und dann hat jemand vergessen, die zurückzubringen. Aber das hat mir ganz gutgetan. Denn ich hab dann mit einem weicheren Schläger gespielt - beziehungsweise er wurde weicher und dann habe ich den Ball etwas besser im Schläger gefühlt."

Cruchtime: Das fehlt Zverev noch zur Weltspitze

Wenig später bekam Zverev dann auch seine Schläger wieder und verwandelte nach 3:43 Stunden seinen ersten Matchball. Damit hat Zverev die für ihn entscheidende Turnierphase erreicht. "Crunchtime" nennen das die Amerikaner nicht nur in New York. Der Hamburger könnte nun nacheinander auf Grigor Dimitrov, Jannik Sinner, Carlos Alcaraz und Daniil Medvedev treffen.
Zverev hatte Dimitrov zuletzt in Paris und Cincinnati bei zwei Duellen unter Kontrolle. Der Olympiasieger erwartet von sich bei einer Leistungssteigerung, dass er gegen einen der talentiertesten Spieler auf der Tour Ähnliches leisten kann. Bei Duellen mit Sinner und vor allem Alcaraz wäre der 20-malige ATP-Turniersieger aber Außenseiter.
Dazu sind die Schwankungen zwischen den einzelnen Matches und auch innerhalb eines einzelnen Matches noch zu groß. Die Schwächephasen der Topspieler sind deutlich geringer.

Zverev: "Befinde mich noch immer im Comebackjahr"

Stellvertretend für diese These steht Zverevs 1:6, 2:6-Niederlage vor Cincinnati in Toronto gegen Alejandro Davidovich Fokina und auch die schlechten Perioden gegen Altmaier. Einen Djokovic und Alcaraz sieht man auch schwächeln - aber nicht derart drastisch.
Dessen ist sich Zverev aber bewusst, ließ im englischen Teil der Presserunde durchblicken, dass er da noch ein Stückweit entfernt sei.
Zumindest öffentlich verlangt er momentan noch keinen Grand-Slam-Sieg von sich. "Ich befinde mich noch immer in meinem Comebackjahr. Nächstes Jahr sieht das vielleicht anders aus."
Unabhängig vom Ausgang dann wohl auch wieder mit einem vernünftigen Haarschnitt.
picture

Becker über Teamgrößen bei den Stars: "Mich würde das stören"

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung