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Tennis-Legende Mats Wilander verteidigt Jannik Sinner nach positiven Dopingproben: "Der Prozess ist absolut lächerlich"
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Update 27/08/2024 um 11:33 GMT+2 Uhr
Tennis-Legende Mats Wilander schaltet sich im Gespräch mit Eurosport in die Debatte um die positiven Dopingproben von Jannik Sinner ein. Der siebenmalige Grand-Slam-Champion stärkt dem Italiener den Rücken, während er Kritik am Team um Sinner und den Anti-Doping-Institutionen übt. Das Prozedere bei den Tests sei dermaßen schlecht, dass dadurch "die Karriere eines Spielers zerstört werden" könne.
Tennis : Mats Wilander's reaction about Sinner doping story
Quelle: Eurosport
Für Mats Wilander steht fest: "Der Prozess ist absolut lächerlich." Damit spielt der 60-Jährige auf das Vorgehen von Organisationen wie der International Tennis Integrity Agency (ITIA) oder auch der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bei Dopingproben an.
"Die Professionalität der Dopingorganisationen ist nicht gut. Sie müssen es richtig machen", fordert Wilander. So, wie es im Moment laufe, sei es "ungerecht" und "schrecklich". Vor allem an der Tatsache, dass Tennisprofis wie etwa Simona Halep zunächst lange gesperrt wurden, ehe sich herausgestellt habe, dass kein schuldhaftes Verhalten vorliege, stößt dem Schweden sauer auf. "Bei Halep war es ein 'Unfall', ein Versehen, das wissen wir mit Sicherheit."
Im Fall von Sinner, bei dem zweimal minimale Spuren des verbotenen Steroids Clostebol nachgewiesen wurde, sehe er ein weiteres Problem. "Das Verfahren ist per se schrecklich, denn wenn man auf etwas testet und ein Ergebnis erhält, das so klein ist, dann ist da buchstäblich nichts. Wenn man also beim Testen so gut sein kann, muss auch das ganze Prozedere entsprechend gut sein", so Wilander. Tatsächlich wurde bei Sinners positiven Befunden 76 beziehungsweise 86 Pikogramm Clostebol nachgewiesen. Ein Pikogramm ist das Billionstel eines Gramms.
Wenn da nicht alles perfekt ablaufe und vorschnell auf Dopingmissbrauch entschieden werde, dann "riskiert man nicht nur, die Karriere eines Spielers zu zerstören, sondern auch die Bemühungen eines Landes, junge Tennisspieler zu entwickeln", findet Wilander. Gerade Heimat Italien leiste in dieser Hinsicht hervorragende Arbeit.
Dass Sinners positive Testergebnisse unüblicherweise erst Monate später veröffentlicht wurden, habe hoffentlich "nichts damit zu tun, dass Jannik die Nummer eins der Welt ist und demnächst zwei große Turniere spielen wird, bei denen die Turnierorganisation ihn offensichtlich für den Kartenverkauf brauchen", unterstreicht Wilander. Wenn es doch so sei, "macht es das noch schlimmer. Ich weiß nicht, wo das Problem liegt. Wenn jemand ein positives Testergebnis hat, sollte man es sofort der Welt mitteilen." In den meisten Fällen wird dies auch so gehandhabt.
Wilander glaubt an "Unfall" im Fall Sinner
"In meiner ersten Reaktion war ich natürlich froh, dass Jannik weiterhin auf der Tour dabei ist. Er ist wirklich gut für das Spiel, die Rivalität zwischen ihm und Carlos Alcaraz ist schon episch. Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass es sich um einen kompletten Unfall von Jannik und seinem Team handelt", betont Wilander. "Ich danke der Dopingorganisation, dass sie ihn freigesprochen hat."
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Zu gut für Tiafoe: Sinner gewinnt Masters in Cincinnati
Quelle: SNTV
Eine Sichtweise, die umstritten ist - in Spielerkreisen wie bei Experten. Nick Kyrgios und Denis Shapovalov kritisierten den Freispruch, Doping-Fachmann Fritz Sörgel sprach bei "Sport1" gar davon, dass die ganze Sache "zum Himmel" stinke. "Diese Methode der Ausrede, dass es über die Haut aufgenommen wird, wird in letzter Zeit verstärkt verwendet. Und das ist nun ein weiterer Fall", befand der 74-Jährige.
Wilander kritisiert Team: "Was machen die da eigentlich?"
Wilander wiederum sieht das Problem nicht bei Sinner, sondern beim Team des Südtirolers. "Jedes Mal, wenn eine verbotene Substanz in den Medikamentenbeuteln von Ärzten oder Physiotherapeuten auftaucht, muss man sich fragen: 'Was machen die da eigentlich?' Genau da liegt der Fehler, denn die Leute, die für die Spieler verantwortlich sind, müssen sich besser informieren, mehr lesen und sehr, sehr vorsichtig sein", stellt der Eurosport-Experte klar.
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Sinner: "Muss physisch besser werden für die US Open"
Quelle: SNTV
Im schlimmsten Fall beende die Sorglosigkeit die Laufbahn eines Profis. Dies zu verhindern, liege "in der Verantwortung des Arztes und des Physiotherapeuten und aller, die mit Jannik zu tun haben, auf und neben dem Platz". Sinner sei zum Glück nicht gesperrt worden, "aber wir wissen nicht, wie schlimm es für ihn emotional und sogar körperlich ist".
Eigentlich, so Wilander, müsste das große Thema im Tennis derzeit das letzte Grand-Slam-Turnier der Saison, die am Montag beginnenden US Open in New York, sein. "Und jetzt sprechen wir über Jannik, seinen Physio und den ganzen Prozess. Für mich ist das eine schreckliche Situation."
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