In der ersten Folge der Eurosport-Serie Players' Voice reflektiert die US-Open-Finalistin von 2020, wie die Pandemie ihr geholfen hat, den "Pause"-Knopf zu drücken, um den Weg für neue Perspektiven zu bereiten. Zuvor hatte sie eine Reihe von herausfordernden Ereignissen in ihrem persönlichen und beruflichen Leben überwunden.

Von Victoria Azarenka

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28/01/2021 AM 15:01
die Quarantäne war keine lustige Erfahrung; ich kann nicht wirklich sagen, dass es etwas ist, das ich gerne wiederholen würde. Aber es ist, wie es ist - es ist ein Teil der Erfahrung und der Herausforderung, mit der wir alle zu tun haben.
Als ich letzte Woche meinen offenen Brief an die Tennis-Community geschrieben habe, war es mir wichtig, Gefühle - und auch die Gedanken vieler anderer Spieler - zu der Situation, in der wir uns befanden, mitzuteilen. Ich dachte, dass die Dinge ein wenig außer Kontrolle geraten waren und ich weiß, dass es eine wirklich emotionale Zeit für viele Menschen ist.
Für mich war es also die einzige Möglichkeit, mich an Leute zu wenden, mit denen ich keinen Kontakt habe.

Azarenka nutzt Quarantäne für Projekte

Die Quarantäne hat mir auch eine Menge Kreativität gegeben und das habe ich ausgenutzt. Ich habe viele Ideen für einige Nebenprojekte, die ich schaffen oder an denen ich teilnehmen möchte, wie meine neue Podcast-Serie "Think About It" mit der WTA.
Ich wollte mich öffnen und mehr über Menschen lernen. Denn nichts reizt mich wirklich mehr, als etwas über Menschen zu lernen. Ich bin schon früher oft an Orte gereist, wo ich niemanden kannte. Ich wollte einfach versuchen, Menschen zu treffen und von ihnen zu lernen.
Jeder hat eine Geschichte, in der er Herausforderungen und Widrigkeiten überwinden musste. Das ist es, was die Menschen auf eine bedeutende Weise verbindet. Der Sport ist ein sehr geschützter Raum. In den Medien kann es aber eine Herausforderung sein, authentisch zu sein, weil man immer beurteilt. Ich finde nicht, dass es genug offene Gespräche gibt, die zeigen, wie es wirklich ist.
Als Spieler könnte man beispielsweise Sorge davor haben, zuzugeben, "Ja, ich habe manchmal Angst, da rauszugehen und zu spielen", aus Angst, deine Schwächen zu offenbaren. Aber das bedeutet nicht, dass deine Gegner nicht auch Angst haben. Sie geben es vielleicht nur nicht zu. Ich denke, es liegt eine gewisse Kraft darin, es zuzugeben. Es liegt eine gewisse Stärke darin, seine Verwundbarkeit zu zeigen. Ich glaube, jeder kann inspirierend sein. Ich war das schon immer gern.
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Azarenka erfindet sich neu

Wenn ich auf das Jahr 2020 zurückblicke, denke ich, dass COVID einen Pauseneffekt auf mich hatte. Ich konnte mich neu sammeln und ausrichten. Bevor ich Cincinnati gewann, hätte wohl niemand erwartet, dass solche Artikel erscheinen würden, wie die, die über mich geschrieben wurden. Also denke ich, dass dieser ganze Prozess für mich persönliches Wachstum bedeutete.
Ich glaube, es war unvermeidlich, dass die COVID-Situation viele Menschen dazu brachte, sich selbst im Spiegel zu betrachten und zu überdenken, wohin man geht. Es haben sich einfach viele Dinge geändert. Wir mussten uns an das anpassen, was in der Welt vor sich ging. Also denke ich, dass ich diese Gelegenheit ergriffen habe und sie auf eine Art und Weise genutzt habe, von der ich wünschte, ich hätte es früher getan. Aber es war bis dahin einfach nicht die richtige Zeit.
Ich denke, man muss eine bestimmte Phase im Leben erreichen, in der es aufwärts geht oder man fällt immer weiter in einer Negativspirale mit vielen Gedanken und viel Zögern. Das machen wir alle durch. Es ist ein ganz natürlicher Kreislauf und es geht nur um die Fähigkeit, durchzuhalten.
Für mich hatte das Jahr 2020 einen sehr harten und beängstigenden Anfang. Es gab dann aber nicht ein magisches Wort, ein Buch oder eine Sache, mit der ich anfing und alles änderte sich. Es waren viele kleine Dinge, die sich bewegten, bis ich merkte, was funktioniert.
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Azarenka erkennt Unterschied nach US Open

Ich glaube, ich habe diese Entwicklung erkannt, als die Leute um mich herum ein bisschen geschockt waren. Wegen der Vorschriften bei den US Open war ich etwa zweieinhalb Monate lang ohne mein Team, und dann lief plötzlich alles für mich.
Ich war ganz allein und habe die Herausforderung einfach angenommen; niemand wollte mir helfen oder mich retten. Als ich meine Leute wiedersah und sie sagten: "Wow, du hast wirklich viel verändert", wurde mir klar, dass das, was ich getan hatte, wirklich einen großen Unterschied gemacht hatte.
Ein sehr interessanter Teil des Fortschritts ist, dass man ihn oft nicht leicht erkennt. Es ist sehr einfach, in einem Kreislauf zu verharren und zu denken, dass man dieses besser machen muss oder jenes nicht funktioniert. Ich musste also erst verstehen, dass Emotionen eine völlig andere Realität malen können.

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Fotocredit: Getty Images

Azarenka peilt Olympische Spiele in Tokio an

Mit Blick auf die Australian Open, Quarantäne hin oder her, ist meine Begeisterung nicht gesunken - ich denke, es wird ein sehr spannender Sommermonat in Australien werden. Die Fans werden hier sein und ich liebe die australischen Zuschauer und ihre Wertschätzung für Sport. Das wird großen Spaß machen. Ich weiß, dass es immer noch ein bisschen anders sein wird, weil wir uns mitten in einer Pandemie befinden.
Es gibt viele Vorsichtsmaßnahmen, aber es ist aufregend, hier rauszukommen und zur Abwechslung in einer COVID freien Zone zu sein und sich mit der Welt auf eine freiere Weise zu verbinden. Es ist wirklich lange her, dass ich so etwas erlebt habe, also bin ich mir nicht mehr ganz sicher, was der normale Weg ist. Ich denke, wir sind jetzt alle an eine etwas andere Welt gewöhnt.
Ich will wie Mama sein, ich will spielen wie Mama.
Nach Australien hoffe ich, dass ich die Olympischen Spiele mit meinem Sohn erleben kann. Ich denke, das wird etwas ganz Besonderes sein, das ich mit ihm teilen kann, denn er ist jetzt in dem Alter, in dem er mehr von dem versteht, was passiert. Ich freue mich sehr darauf.
Er sieht mich oft im Fernsehen spielen, weiß aber nicht, dass ich auf der ganzen Welt unterwegs und bekannt bin.
Einer der süßesten Momente, die ich mit meinem Job erlebt habe, war, als er zum Tennisunterricht ging und sagte: "Ich will wie Mama sein, ich will spielen wie Mama." Das ist für mich herzerwärmend.
Eure Vika
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