Barty legte los wie die Feuerwehr. Die Australierin dominierte die Anfangsphase nach Belieben. Nach sechs Minuten stand es bereits 3:0 für die Nummer eins der Welt. Pliskova war zu diesem Zeitpunkt noch nicht richtig auf dem Platz angekommen.
Die Tschechin machte erst im vierten Spiel ihren ersten Punkt, die ersten 14 gingen allesamt an Barty. Doch abermals gab Pliskova ihren Service ab, nach elf Minuten stand es 4:0 für Barty.
Doch dann wackelte die French-Open-Siegerin von 2019 erstmals und gab ihr Service ab. Doch auch Pliskova konnte erneut nicht ihren Aufschlag halten. Beim Stand von 5:1 hatte Barty die Chance, den ersten Satz schnell zu zumachen, patzte allerdings erneut.
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Pliskova fand immer besser in die Partie, legte ihre Anfangsnervosität ab und agierte selbst aktiver in den Ballwechseln. Allerdings wachte sie zu spät auf, denn Barty hielt beim Stand von 5:3 ihren Aufschlag zu null und machte nach 28 Minuten den Satzgewinn perfekt.

Wimbledon: Pliskova zeigt Comeback-Qualitäten in Satz zwei

Im zweiten Satz war Barty zunächst weiterhin die bessere Spielerin und nahm Pliskova früh den Aufschlag zum 2:1 ab. Doch Pliskova kämpfte sich zurück und holte sich ebenfalls ein Break zum 3:3. Anschließend ging die Tschechin in Führung.
Beim Stand von 4:5 schlug Barty dann gegen den Satzverlust auf, brachte ihr Service allerdings nervenstark durch. Pliskova hingegen ließ bei 5:5 und 40:0 gleich drei Spielbälle liegen und kassierte das Break. Barty schlug bei 6:5 zum Titelgewinn auf, gab selbst allerdings ihren Aufschlag ab.
Im Tiebreak hatte Pliskova dann doppeltes Glück. Mit zwei Netzrollern holte sich die 29-Jährige die Punkte zum 2:1 und später zum 5:2, anschließend erspielte sie sich gleich vier Satzbälle. Barty konnte die ersten beiden noch abwehren, doch mit einem Doppelfehler gab sie den Satz nach 49 Minuten ab.

Karolina Pliskova im Wimbledon-Finale gegen Ashleigh Barty

Fotocredit: Getty Images

Wimbledon: Barty bringt frühes Break ins Ziel

Im Entscheidungssatz konnte Barty allerdings das Momentum sofort wieder auf ihre Seite ziehen. Sie nahm ihrer Kontrahentin sofort den Aufschlag gab und zog schnell auf 3:0 davon. Das Niveau des Finals wurde mit fortlaufender Spieldauer immer hochklassiger.
Pliskova fand insbesondere gegen den starken Rückhand-Slice der Nummer eins der Welt kein Mittel. Bei eigenem Aufschlag blieb sie aber zumindest dran und sorgte beim Stand von 3:5 dafür, dass Barty selbst zum Titelgewinn ausservieren musste.
Wie im zweiten Satz wackelte Barty aber kurz vor dem Triumph und musste bei 30:40 einen Breakball abwehren. Die 25-Jährige behielt diesmal allerdings die Nerven, wehrte diesen nicht nur ab, sondern holte sich mit einem Ass auch ihren ersten Matchball. Diesen verwandelte sie nach 1:56 Stunden direkt, weil eine Rückhand Pliskovas im Netz landete.

Ashleigh Barty im Wimbledon-Finale gegen Karolina Pliskova

Fotocredit: Getty Images

Wimbledon: Barty erfüllt sich Kindheitstraum

"Das ist einfach unfassbar. Auch nach dem verloren zweiten Satz habe ich mich immer weiter gepusht und zum Glück ist mir das frühe Break im Entscheidungssatz gelungen. Hier zu gewinnen, das ist immer mein Traum gewesen. Jetzt muss ich das allerdings noch realisieren", sagte die neue Wimbledon-Siegerin nach ihrem ersten Titel auf dem "heiligen Rasen". Mit ihrem Sieg erfüllte sie sich einen Kindheitstraum.
1971 hatte Goolagong Cawley als erste Nachfahrin der Aborigines, der australischen Ureinwohner, in Wimbledon triumphiert. Auch Barty hat indigene Wurzeln - und um an die denkwürdige Premiere ihrer Landsfrau zu erinnern, trug sie im gesamten Turnier ein Outfit, das dem ihres Vorbilds vor 50 Jahren nachempfunden war. 1980 siegte Goolagong Cawley nochmals an der Church Road - bis Samstag sollte nie mehr eine Australierin das Finale erreichen.
"Ashleigh hat ein unglaubliches Turnier und ein tolles Match gespielt. Ich hatte schon Schwierigkeiten, überhaupt den zweiten Satz zu gewinnen. Ash hat diesen Titel verdient gewonnen", meinte Pliskova als faire Verliererin. Neben der berühmten Venus Rosewater Dish darf sich Barty auch über den Siegerscheck von knapp zwei Millionen Euro freuen, für die unterlegene Pliskova gibt es gut die Hälfte.
Wie Barty hatte auch Pliskova erstmals das Finale in Wimbledon erreicht, ein Duell zweier Neulinge um den Titel hatte es zuletzt 1977 gegeben. Die Tschechin muss weiterhin auf ihren ersten Grand-Slam-Titel warten. 2016 hatte sie in New York das Finale der US Open gegen Angelique Kerber in drei engen Sätzen verloren.
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