Roger Federer und Wimbledon - außer Rafael Nadal und den French Open gibt es im Tennis wohl kaum eine erfolgreichere Kombination.
Acht Mal gewann der Schweizer das Grand-Slam-Turnier, keiner schaffte bisher mehr Siege in Wimbledon. In diesem Jahr gehört der fast 40-Jährige aber entgegen früherer Turniere nicht mehr zum absoluten Favoritenkreis.
Und auch wenn die Auslosung Federer am Freitag in die vermeintlich leichtere Turnierhälfte beförderte, gibt es doch einige Fragezeichen, wie weit es für den Maestro bei der 134. Ausgabe von Wimbledon gehen kann.
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Vor allem sein langjähriger Konkurrent Novak Djokovic, gegen den Federer beim letzten Wimbledon-Turnier 2019 in einem dramatischen Finale verlor, ist in Top-Form.

Federer: Vorbereitung auf Wimbledon misslungen

Der Serbe hat nach den Siegen bei den Australian und French Open in diesem Jahr vermutlich die einmalige Chance auf den Golden Slam, also die Siege bei allen vier Grand-Slam-Turnieren sowie Olympia. Dies gelang in der Open Era bislang nur Steffi Graf im Jahr 1988. Kein Wunder, dass Djokovic auch bei den Buchmachern haushoher Favorit ist.
Hinzu kommen einige jüngere Spieler wie Daniil Medvedev, Stefanos Tsitsipas oder Alexander Zverev, die sich nach den Absagen von Rafael Nadal und Dominic Thiem größere Chancen in Wimbledon ausrechnen dürften. Federer selbst landet in den Wettbüros im Favoriten-Check noch hinter Tsitsipas und Medvedev auf Rang vier. Bei einer Quote von knapp 1:10 würde es sich immerhin mehr lohnen auf den Schweizer zu setzen als etwa auf Djokovic (1:2).
Doch die Vorbereitung von Federer auf Wimbledon lief alles andere als optimal. Nach dem freiwilligen Ausstieg bei den French Open - damit begründet, dass er nach zwei Knieoperationen und einer über einjährigen Pause auf seinen Körper höre - misslang auch die Einstimmung auf Rasen beim ATP-Turnier in Halle.
Bereits im Achtelfinale war dort gegen Félix Auger-Aliassime (6:4, 3:6, 2:6) Schluss. Der zehnmalige Turniersieger Federer selbst war nach dem Aus von seiner eigenen Einstellung enttäuscht: "Das war nicht der Spieler, der ich sonst bin. Diese Haltung war einfach schlecht." Dennoch blickte der Schweizer auch mit Zuversicht in Richtung London: "Jetzt gilt das Motto: Kopf hoch und weiter. Wimbledon wird einen anderen Federer erleben. So etwas wie hier wird nicht wieder passieren."

Roger Federer beim ATP-Turnier in Halle

Fotocredit: Getty Images

Zweifel an Siegchancen von Roger Federer

Inwieweit der 39-Jährige diese Drohung aber wahr machen kann, wird sich zeigen müssen. Auch Eurosport-Experte Mats Wilander war mehr als überrascht von diesen Aussagen: "Es ist alarmierend, dass er selbst darüber spricht. Ich bin mir nicht sicher, ob er es jemals gezeigt hat oder nicht."
Noch Anfang des Jahres, vor Federers Rückkehr auf die Tour, hatte sich Wilander optimistisch gezeigt, dass der Schweizer wieder zu alter Form finden kann. "Wenn er keine physischen Probleme hat, kann er zu Recht auf die Trophäe in Wimbledon hoffen. Er kann dort jederzeit gewinnen", sagte der Schwede damals.
Mittlerweile hat sich der Eindruck etwas gewandelt. Und auch Alex Corretja, zweifacher French-Open-Finalist, meinte nach den Auftritten in Halle: "Federers Körpersprache hat mir Sorgen bereitet. Er schien mit sich selber beschäftigt, in sich gekehrt."
Immerhin der Draw könnte dem achtmaligen Wimbledonsieger in die Karten spielen. Zusammen mit Deutschlands Nummer eins Zverev landete Federer in der vermeintlich leichteren, unteren Turnierhälfte. Djokovic, Tsitsipas oder auch Rublev sind im oberen Teil des Tableaus.

Roger Federer in "leichterer" Turnierhälfte

In der ersten Runde trifft der Schweizer auf den zuletzt stark spielenden Adrian Mannarino (Frankreich). Im bisherigen Head-to-Head liegt Federer allerdings klar mit 6:0 vorn. Auch zwei Duelle in Wimbledon, zuletzt 2018 (6:0, 7:5, 6:4) entschied der 20-malige Grand-Slam-Sieger für sich.
Sollte Federer das Duell mit Mannarino gewinnen, wartet in Runde zwei der französische Routinier Richard Gasquet oder der Japaner Yuchi Sugita. Erst im Viertelfinale könnte mit Medvedev ein richtig harter Gegner auf den 39-Jährigen zukommen. Im Halbfinale wäre dann ein Aufeinandertreffen mit Zverev möglich und erst im Endspiel das Gigantenduell mit Djokovic.
Jan-Lennard Struff meinte zur Form des Schweizers: "Es ist ganz schwer zu prognostizieren, wohin der Weg führt. Die Zeit ist nicht stehen geblieben. Es ist auf jeden Fall ungewohnt, ihn so oft verlieren zu sehen." Für Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann wird vor allem entscheidend sein, "ob er sieben Runden durchhalten kann. Ich bin sehr gespannt", wie er bei "Spox" erklärte: "Er fühlt sich auf Rasen immer noch am wohlsten."
Klar ist: Wenn es einen Spieler gibt, der in Wimbledon überraschen kann, ist es Federer. Sein 21. Grand-Slam-Titel wäre dann aber nach dieser Vorbereitung doch ein echter Coup.
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