Die Siegerin wollte gar nicht über sich selbst reden, stattdessen überschüttete Ons Jabeur ihre gute Freundin Tatjana Maria mit Lobeshymnen.
"Sie ist nach zwei Babys zurückgekommen, ich habe immer noch keine Ahnung, wie sie das gemacht hat. Sie ist physisch ein Monster. Ich liebe es, sie auf dem Platz so glühen zu sehen", sagte die Nummer zwei der Welt, nachdem sie mit dem 6:2, 3:6, 6:1 gegen Maria das Finale von Wimbledon erreicht hatte.
Die 34-Jährige selbst pendelte nach der Partie zwischen Frust und Freude. "Wenn man auf dem Platz steht, will man das Match natürlich auch gewinnen", so Maria. Trotzdem sei sie "stolz auf das, was ich geleistet habe in diesen zwei Wochen. Ich versuche, das Positive rauszuziehen und glaube, dass noch einiges möglich ist."
Wimbledon
Marias Traum vom Finale geplatzt - Freundin Jabeur zu stark
UPDATE 07/07/2022 UM 14:22 UHR
Da dürfte ob der tollen Vorstellungen der Bad Saulgauerin niemand widersprechen.

Maria sagt goodbye mit Kusshänden

Das ändert freilich nichts daran, dass Marias Wimbledon-Traumreise beendet ist: Auf den Tag genau 37 Jahre nach Boris Beckers erstem Triumph im All England Club stand die 34-Jährige gegen Jabeur letztlich auf verlorenem Posten.
Jabeur ist die erste Afrikanerin im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers, Maria verabschiedete sich lächelnd und mit vielen Kusshänden ans Publikum vom heiligsten Rasen der Tenniswelt.
Mit einem leisen Lächeln hatte Maria diesen Rasen knapp zwei Stunden zuvor betreten. Gleich ihr erstes Aufschlagspiel dauerte sieben Minuten - inklusive der Abwehr von drei Breakbällen, unzähligen Stops und vielen Netzattacken. Die Deutsche behielt ihren Aufschlag, weil Jabeur vor allem auf der Vorhand Schwächen offenbarte.

Jabeur - die "Glücksministerin" räumt ab

Dann aber kam die "Glücksministerin", wie sie in ihrer tunesischen Heimat genannt wird, besser ins Match - das Break zum 3:1 konnte Maria noch zum 3:2 kontern, dann zog die Favoritin mit ihrem schnellen, druckvollen Spiel auf 5:2 davon.
Jabeur, mit mittlerweile 84 Siegen in den letzten beiden Jahren die erfolgreichste Spielerin der Tour, wurde immer souveräner und holte sich den Satz. Die Deutsche antwortete mit ihren Comeback-Qualitäten und erzwang mit dem Gewinn des zweiten Durchgangs einen dritten Satz, in dem sie aber chancenlos war.

Maria leuchtendes Beispiel für Mütter auf der Tour

Dennoch: Marias Erfolgslauf in Wimbledon hat Signalwirkung - vor allem für alle Mütter auf der Tour. Ja, es ist möglich, auch nach der Geburt des zweiten Kindes im fortgeschrittenen Profialter zurückzukehren und bei den großen Events zu glänzen.

Wilander staunt über Halbfinalistin Maria: Wie eine Zeitreise

"Sie spielt perfektes Rasentennis", lobte die ehemalige Weltranglistensiebte Barbara Schett im Eurosport-Interview. "Sie hat dieses Feuer, das Selbstvertrauen und fühlt sich nach der Geburt des zweiten Kindes vor 15 Monaten noch wohler", so die Österreicherin.
Maria sei eine "Inspiration".
Und weil das so ist, werden die Wimbledon-Matches der sympathischen 34-Jährigen so schnell nicht in Vergessenheit geraten.
(mit SID)
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