Wimbledon: Flavio Cobolli fordert Novak Djokovic im Viertelfinale - Italiener der neue Showman an der Church Road

Wimbledon geht in die heiße Phase - und mit Flavio Cobolli mischt ein bis dato weniger geläufiger Name das älteste Tennisturnier der Welt auf. Der Italiener erreichte zum ersten Mal das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers und stieg in London sowohl auf als auch neben dem Court zum Showman auf. Am Mittwoch wartet nun Novak Djokovic, mit dem er eine besondere Beziehung pflegt.

Flavio Cobolli steht im Viertelfinale von Wimbledon

Fotocredit: Getty Images

"Leute, was war das im letzten Satz? Diese Stille", scherzte Flavio Cobolli nach seinem Sieg über Marin Cilic (6:4, 6:4, 6:7, 7:6) und dem fixierten Einzug ins Viertelfinale von Wimbledon.
Die Lacher waren auf seiner Seite, die Stimmung auf Court No. 2 war an jenem Montagnachmittag keineswegs zurückhaltend. Wie so oft in den vergangenen Tagen wusste der Italiener auch im On-Court-Interview genau, welche Knöpfe er beim Publikum an der Church Road drücken musste.
Während der 23-Jährige sich in die Herzen der Zuschauer plauderte, kullerten in seiner Box die Tränen: Vater und Bruder vergruben ihre Gesichter in Handtuch und Sweatshirt. Eine innige Umarmung mit Familienheld Flavio folgte - ein nahezu kitschiger Anblick.
Am Mittwoch erfüllt sich für ihn zwar ein Traum - mit Novak Djokovic (ca. 16:00 Uhr im Liveticker) könnte die Herausforderung aber kaum größer sein.

Wimbledon: plötzlich auf Wohnungssuche

Dabei verlief der Weg ins Viertelfinale - zumindest abseits des Courts - alles andere als optimal.
Die Hitzewelle in London brachte Cobolli nachts um seinen Schlaf, die Temperaturen waren nach seinem Zweitrundensieg über Jack Pinnington Jones (6:1, 7:6, 6:2) aber das kleinste Problem. Der gebürtige Florentiner stand nämlich plötzlich ohne Dach über dem Kopf da.
"Ich musste ausziehen. Die Vermieterin hat unseren Vertrag nicht verlängert", erklärte er auf der Pressekonferenz: "Jetzt hat sie uns rausgeschmissen und wir hoffen, dass wir ein neues Haus finden."
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Flavio Cobolli sah sich mit einer kuriosen Situation konfrontiert

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Ein Umzug ins Hotel war ausgeschlossen. "Die sind hier zu weit weg", sagte der Italiener: "Zum Abendessen war ich in Chelsea, die Fahrt hat 80 Minuten gedauert. Das ist wirklich der letzte Ausweg."
Immerhin ließ die Abhilfe nicht lange auf sich warten. Nach seinem eindrucksvollen Triumph in der dritten Runde über Jakub Mensik (6:2, 6:4, 6:2) verkündete Cobolli: "Jetzt habe ich eine gute Lösung gefunden. Ich kann wieder gut schlafen und habe eine tolle Beziehung zum neuen Vermieter. Jetzt bin ich in guter Form."

Sturm in die Top 20: Cobolli auf dem Vormarsch

Damit stellt Cobolli sein Licht etwas unter den Scheffel, zeigt seine Formkurve doch seit dreieinhalb Monaten nur in eine Richtung - und zwar steil nach oben.
Der Saisonstart fiel zunächst ernüchternd aus. Von Anfang Januar bis Mitte März feierte der Italiener keinen einzigen Sieg, zwischenzeitlich rutschte er auf Platz 45 der Weltrangliste ab. Auf dieses Tal folgten aber schließlich zwei absolute Höhepunkte.
Ende März tütete er in Bukarest seinen ersten Titel auf der ATP-Tour ein, eineinhalb Monate später schlug er im Finale von Hamburg Andrey Rublev (6:2, 6:4) und jubelte über Trophäe Nummer zwei.
Seine ersten Titel ließen Cobolli auch in der Weltrangliste in neue Höhen vorstoßen: Nach Hamburg rangierte er auf Platz 26, in Wimbledon tritt er als Nummer 24 der Welt an. Sein Viertelfinaleinzug an der Church Road bedeutet nun den erstmaligen Sprung in die Top 20.

Cobolli: Selbst Djokovic ist überrascht

Nach Umberto De Morpurgo (1928), Nicola Pietrangeli (1955, 1966), Adriano Panatta (1979), Davide Sanguinetti (1998), Matteo Berrettini (2021), Jannik Sinner (2022-2025) und Lorenz Musetti (2024) ist Cobolli der achte Italiener im Viertelfinale von Wimbledon. Und das, obwohl er auf Rasen bis dato gar nicht in Erscheinung getreten war.
"Flavio ist einer der Spieler, von denen wir in Zukunft noch viel hören werden", schwärmte Djokovic auf der Pressekonferenz am Montag über seinen kommenden Gegner: "Ich muss zugeben, dass er mich überrascht hat. Er wirkt auf mich nicht wie ein Rasenspezialist."
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Novak Djokovic und Flavio Cobolli bei ihrem bisher einzigen Duell im Oktober 2024

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Damit mag Djokovic recht haben, Cobolli stach bisher vor allem auf schnelleren Belägen ins Auge. Das ist ihm auch selbst bewusst. "Gott hat mir zwar keinen Aufschlag gegeben, aber dafür Beine", meinte er zu seinem ausbaufähigen Service.
Zwischen Aufschläge und Sprints streute Cobolli an den vergangenen Tagen immer wieder spektakuläre Slices und Lobs ein, seine aufopferungsvolle Spielweise machte ihn schnell zum Publikumsliebling.

Jetzt wartet Djokovic: The Show Must Go on

Ein Liebling, für den nun ein Traum in Erfüllung geht. Am Mittwoch ist Cobolli nämlich auf dem Centre Court von Wimbledon gefordert - zum ersten Mal in seiner Karriere. "Ich finde, dass ich es mir jetzt verdient habe", gab er sich nach seinem Triumph über Cilic gewohnt selbstsicher.
Auf Djokovic traf Cobolli bislang ein einziges Mal, im Oktober 2024 hatte er beim Masters in Shanghai in der Runde der letzten 32 keine Chance gegen den serbischen Rekord-Grand-Slam-Champion (1:6, 2:6).
Die beiden verbindet aber weit mehr als nur dieses Duell. "Wir verstehen uns gut und trainieren zusammen, wo auch immer sich die Chance dazu ergibt", so Djokovic.
Um Cobolli zu knacken, will sich Djokovic sogar mit seinem zehnjährigen Sohn Stefan beraten - natürlich nur scherzhaft. "Er hat hier mit Cobolli ein paar Bälle hin und her gespielt. Ich werde ihn fragen, was ihm bei seinem Spiel aufgefallen ist", meinte der 38-Jährige.
Cobolli selbst legt den Fokus in seiner neuen Unterkunft erst einmal auf Ruhe und Entspannung. Die getankte Kraft wird er auf dem Centre Court brauchen, denn: the show must go on ...
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Quelle: Perform


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