"Am Morgen des 24. Februar startete der Krieg, die Bomben fielen", erinnert sich Yastremska, die aus der Küstenstadt Odessa stammt, im Interview mit Eurosport. Sie ergänzt: "Am Abend fasste mein Vater den Entschluss, das Land am nächsten Morgen zu verlassen, er wollte mit uns in einem Van über Ismajil nach Rumänien und dann weiter nach Lyon fahren."
Allerdings sei der Plan nicht umsetzbar gewesen. "Am 24. wurden alle Flüge gestrichen, es wurde alles geschlossen. Es war auch zu gefährlich, das Auto zu nehmen, weil das Land bombardiert wurde und man nie weiß, wo die Bomben landen werden", so Yastremska. "Wenn man mit solchen Ereignissen keinerlei Erfahrung hat, kann man es nicht fassen, dass man mit seiner Schwester in den Supermarkt geht und ganz in der Nähe Bomben fallen."
Eigentlich, so Yastremska, sollte Mutter Maryana ihre beiden Töchter Dayana und Ivanna begleiten. Nachdem die Familie es an die rumänische Grenze geschafft hatte, sei jedoch die Entscheidung gefallen, dass Maryana gemeinsam mit Vater Alexander in der Ukraine bleiben werde. "Wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen, dass sie bei unserem Vater bleibt, damit er nicht alleine ist", sagt Yastremska und schiebt nach: "Wir haben sehr viel geweint, als wir das Boot betreten haben, mit dem wir den Fluss nach Rumänien überquert haben. Wir haben unsere Eltern gesehen und haben unglaublich viel geweint, weil wir nicht wussten, wann und wo wir sie das nächste Mal sehen werden. Wir wissen nicht, wie das Ganze enden wird."
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Noch kurz vor dem Gespräch mit Eurosport habe sie Kontakt zu den Eltern in Odessa gehabt: "Vor 15 Minuten hat mein Vater mir geschrieben, meine Mutter schrieb meiner Schwester. Sie haben berichtet, dass die Sirenen in Odessa heulen und sie gezwungen sind, in ein unterirdisches Gebäude zu gehen. Wir hätten nie gedacht, dass so etwas passieren könnte."

Yastremska informierte bei Instagram über Flucht

Bereits vor einigen Tagen hatte die ehemalige Nummer 21 der Welt ihre Flucht via Instagram dokumentiert. Sie und ihre Schwester seien über Rumänien nach Ungarn gelangt und von dort aus per Flugzeug weiter nach Lyon gereist. In der französischen Metropole habe Bürgermeister Grégory Doucet die beiden empfangen. "Es war eine große Ehre, den Bürgermeister zu treffen. Seit unserer Ankunft gab es sehr viel Beistand. Wir haben gemerkt, wie sehr die Franzosen die Leute in der Ukraine unterstützen wollen", sagt Yastremska.
Yastremska und ihre Schwester waren im Doppel am Montag an Georgina García Pérez und Xenia Knoll gescheitert, im Einzel erreichte die 21-Jährige nach einem 3:6, 7:6, 7:6 über Ana Bogdan das Achtelfinale. Ihr Match gegen die Rumänin sei "aus emotionaler Sicht das härteste Spiel" ihrer Karriere gewesen, so Yastremska. "Ich kann nicht beschreiben, wie ich mich gefühlt habe. Ich habe auf dem Platz gesagt, dass mein Herz in der Ukraine geblieben ist und mein Geist auf dem Court kämpfen wird. Es ist wirklich schwierig, eine Balance zu finden."
Auch ihre Gegnerin hatte emotionale Worte über das Duell mit Yastremska gefunden. "Ich musste kämpfen, weil es nun mal ein Wettkampf ist", schrieb sie bei Instagram und führte aus: "Aber irgendwie wusste ich, dass es nicht fair ist. Möge Gott dich beschützen, deine Schwester, deine Familie und all die anderen Menschen. Mögen wir alle in Frieden leben."
In der Runde der letzten 16 trifft Yastremska am Donnerstagabend auf Cristina Bucsa. Das sportliche Abschneiden wird dabei jedoch nur eine Nebenrolle spielen.
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