Victoria Mboko sorgt beim WTA-Turnier in Montreal für Furore: 18-jährige Kanadierin auf den Spuren von Serena Williams
VonThomas Gaber
Update 06/08/2025 um 17:24 GMT+2 Uhr
Ende 2024 stand Victoria Mboko noch auf Platz 333 der WTA-Weltrangliste, doch das neue Jahr begann die 18-Jährige mit 22 Siegen in Folge. Zudem gewann sie ihre ersten Matches bei Grand-Slams und flog beim Heimspiel in Montreal geradezu ins Halbfinale. Über den neuen Stern am Tennishimmel, der einst im Geschwisterduell die Höchststrafe kassierte und dies als Inspiration nahm zur Profikarriere nahm.
Teenagerin Mboko marschiert ins Halbfinale beim Heimspiel
Quelle: Perform
In Montreal herrscht dieser Tage regelmäßig Partystimmung, verbunden mit jeder Menge Emotionen. Erst sagte Kanadas Liebling Genie Bouchard nach ihrer Zweitrundenniederlage gegen Belinda Bencic dem Profizirkus endgültig "Goodbye", dann stürmte Victoria Mboko ins Halbfinale und kämpft gegen Jelena Rybakina um ihr erstes Endspiel bei einem WTA-Turnier.
Die 18-jährige Lokalmatadorin verzückt Fans und Experten gleichermaßen mit ihrem Tennis und ihrer coolen Herangehensweise.
"Ich bin sehr beeindruckt, wie ruhig und aufgeräumt sie auf dem Platz war", sagte Bouchard über Kanadas neuen Shootingstar nach Mbokos Sieg über die Weltranglistenzweite Coco Gauff. "Sie wirkte viel reifer als eine 18-jährige Newcomerin. Man hatte das Gefühl, als hätte sie das schon hundertmal gemacht."
Tatsächlich war der 6:4, 6:1-Sieg über Gauff für Mboko ihr bislang größter Coup als Profispielerin. 2024 beendete die Tochter kongolesischer Einwanderer und jüngstes von vier Tennis begeisterten Geschwistern auf Weltranglistenrang 333. Eine hartnäckige Knieverletzung, hervorgerufen durch enormen Wachstumsschub und einen unglücklichen Sturz auf dem Tennisplatz, bremste Mboko im letzten Jahr aus.
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Tauson emotional: "Wollte für meinen Großvater gewinnen"
Quelle: Perform
22 Siege in Folge und ein Triumph über Eva Lys
Die ersten sechs Monate 2024 konnte sie kaum spielen und arbeitete anschließend in Belgien in der Akademie von Justin Henin hart an ihrem Comeback. "Das war eine schwierige Zeit, Vickys Jahr endete schwach mit einigen vermeidbaren Niederlagen", erinnert sich ihr Bruder Kevin (27).
Davin ließ sich Mboko aber nicht unterkriegen. "Ich habe mir gesagt: 'Neues Jahr, neues Ich'", sagte sie in Montreal. Mboko startete mit 22 Siegen in Folge auf der ITF-Tour, erhielt eine Wild Card für das Mastersturnier in Miami und erreichte dort die zweite Runde.
Bei den French Open betrat sie erstmals die ganz große Grand-Slam-Bühne und kam in Runde drei nach einem 6:4, 6:4-Sieg über Eva Lys. Unabhängig vom Ausgang des Turniers in Montreal wird Mboko in die Top 50 der Weltrangliste aufsteigen.
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2. Runde: Lys beißt sich an Mboko die Zähne aus - Highlights
Quelle: Eurosport
"Brille" als Inspiration für die Profikarriere
Gelungen ist ihr der Durchbruch mit Spaß und Siegeswillen. "Vor dem Match in Roland-Garros gegen Lys sagte sie: ''Ich muss gewinnen.' Wir haben versucht, sie ein wenig zu beruhigen und ihr gesagt, dass es in Ordnung ist, einfach rauszugehen und Spaß zu haben. Sie aber sagte: 'Nein, ich muss gewinnen‘", erinnert sich Bruder Kevin.
Generell versucht Mboko aber, alles nicht so ernst zu nehmen. "Wenn ich bei einem Grand Slam spiele, denke ich mir, es ist doch nur ein weiteres Tennismatch. Ich bin da abergläubisch. Ich mag es, alles super einfach zu halten. Ob Paris, Wimbledon oder ein ITF-Turnier in der Karibik - es ist Tennis", sagt Mboko.
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Victoria Mboko kletterte in diesem Jahr in der Weltrangliste von Position 333 in die Top 50
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Ihr Wunsch, es später als Profi zu versuchen, reifte früh. Mbokos zehn Jahre ältere Schwester Gracia spielte 2017 ein Damenturnier in Ontario. Weil in letzter Minute eine Teilnehmerin absagte, wurde Victoria gefragt, ob sie nicht mitspielen wolle - als Neunjährige. Sie ergriff die Gelegenheit und trat gegen ihre Schwester an: Gracia gewann erwartungsgemäß 6:0, 6:0.
Doch die Höchststrafe war Inspiration für Victoria. "Sie wollte von da an jeden Tag auf den Tennisplatz, sie war nicht zu bremsen", erzählt Vater Cyprien, der mit der Familie Ende der 90er-Jahre aus dem Kongo in die USA floh. Später siedelten die Mbokos nach Kanada über, wo der Vater als Maschinenbau-Ingenieur nachts arbeitete, um seine Kinder tagsüber zum Tennistraining zu fahren.
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Gauff lobt Bezwingerin Mboko: "Hat glänzende Zukunft vor sich"
Quelle: Perform
Mbokos Stärke ist ihre Vielseitigkeit
Die Anstrengungen haben sich im Fall von Victoria rentiert. Mittlerweile wird sie von der Französin Nathalie Tauziat trainiert, die es dank ihrer Vielseitigkeit einst zur Nummer drei der Welt schaffte.
Das variable Spiel ist auch Mbokos große Stärke. Sie kann mit fast 200 km/h aufschlagen und von der Grundlinie enormen Druck ausüben. "Sie erinnert mit ihrer Power an Serena Williams", schrieb "The Athletic". Die 23-malige Grand-Slam-Siegerin ist auch Mbokos großes Vorbild.
Doch Power ist nicht alles, Mboko "nervt" ihre Gegnerinnen zusätzlich mit Händchen und unorthodoxen Schlägen wie eingestreuten Vorhandslice-Bällen. Dieses Gesamtpaket machen aus Mboko eine Spielerin, die "in den nächsten Jahren für sehr viel Furore sorgen wird", wie Bouchard prophezeit.
Kanadas Liebling geht, Kanadas neuer Liebling ist schon da.
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Top-Favoritin Gauff scheitert an Teenagerin Mboko
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