Boris Becker exklusiv: Diese Fragen muss sich Tennisstar Emma Raducanu jetzt stellen - "Honeymoon is over!"
Emma Raducanu war im vergangenen Jahr der hellste Stern am Tennis-Firmament. Mit 18 Jahren gewann die Britin die US Open - als Qualifikantin. Es war fast zu erwarten, dass es in der Folge schwer sein würde, mit den Erwartungen und dem neuen Status als Grand-Slam-Champion umzugehen. Dennoch stellt Boris Becker bei Eurosport klar: "Honeymoon is over!" Raducanu muss sich wichtige Fragen stellen.
Emma Raducanu beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart
Fotocredit: Getty Images
Emma Raducanu präsentierte sich in Stuttgart in bester Laune - und zog schon beim Training alle Blicke auf sich.
Im personalisierten Trikot von Tottenham Hotspur mit der Rückennummer zehn schlug die Britin ihre ersten Bälle. Sie sei gar nicht der große Fußball-Fan, aber "fast alle in meinem Team sind große Spurs-Anhänger", berichtete die Weltranglistenzwölfte.
Also zeigte sich Raducanu solidarisch, was die Stimmung um sie herum natürlich hebt. Es mag nur eine kleine Geste sein, aber die US-Open-Siegerin muss an allen Stellschrauben drehen, um den Turnaround zu schaffen. Seit ihrem sensationellen Triumph in New York hat sie bei acht Turnieren nur vier Matches gewonnen.
"Die Honeymoon-Phase ist vorbei, da machen sich die Briten jetzt so langsam Sorgen. Man kann ja auch verlieren, aber wenn man immer in der ersten oder zweiten Runde ausscheidet, nachdem man die US Open gewonnen hat, dann fragt man sich: Wie ist das jetzt möglich?", sagt Boris Becker im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball.
Becker über Raducanu: "Wie gehst du mit Druck um?"
Bis zu einem gewissen Grad seien die Rückschläge nachvollziehbar, denn für Raducanu sei nun "alles deutlich schwieriger, als es von außen" aussehe. "Vor allem mit der Psyche. Wie gehst du mit dem Druck um? Wie gehst du mit den eigenen Erwartungen um? Was machst du jetzt anders als früher?", wirft Becker die Fragen auf, die auch das Raducanu-Lager um Headcoach Torben Beltz umtreibt. Erschwerend kamen Probleme mit Blasen an der Schlaghand und eine Corona-Erkrankung hinzu.
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Raducanu schlägt Fernandez und schreibt Grand-Slam-Geschichte
Quelle: Eurosport
Konstanz konnte die inzwischen 19-Jährige nicht aufbauen. Die aber braucht es, um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden. "Emma wird nicht jedes Turnier gewinnen, aber immer so Halbfinale plus minus, das kann man erwarten. Davon ist sie im Moment aber meilenweit entfernt", unterstreicht Becker, der mit 17 Jahren den Titel in Wimbledon holte und das Gefühl kennt, als Teenager über Nacht berühmt zu werden.
Es sei "ungewöhnlich, dass so ein junges, talentiertes Mädchen, das über Nacht in die absolute Weltspitze vorstieß und Weltruhm erlangte, seitdem nur Matches gewonnen hat, die man an einer Hand abzählen kann", so Becker.
Dennoch ist es Konsens in der Szene, dass Raducanu das Potenzial hat, den Tennissport zu prägen. "Emma ist für mich jemand, der in Zukunft ganz vorne mitspielen kann. Sie hat alles, um eine Top-5-Spielerin zu werden und vielleicht sogar den Sprung auf Platz eins zu schaffen", betonte etwa die einstige Weltranglistenvierte Anke Huber im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de. Raducanu brauche aber "noch ein oder zwei Jahre, um konstant zu werden und wirklich das zu zeigen, was sie kann".
Raducanu startet ins Sandplatz-Abenteuer
Möglicherweise hilft Raducanu der Start in dieser Woche beim WTA-Turnier in Stuttgart, wo sie in Runde eins gegen die Australierin Storm Sanders die klare Favoritin ist. Es ist, wie die Teilnahme an den US Open im Vorjahr, ein Tennis-Abenteuer für die im kanadischen Toronto geborene Engländerin. Stuttgart wird Raducanus erstes WTA-Turnier auf Sand überhaupt. Bislang trat der Teenager auf der Tour einzig auf Hartplatz und Rasen an.
Dem Sandplatz-Debüt fiebert Raducanu entgegen. "Ich sage allen um mich herum immer wieder, dass Sand eines Tages mein Belag sein wird", erklärte der Shootingstar. Besonders die Auftritte für Großbritannien vor einer Woche beim Billie Jean King Cup geben ihr Rückenwind, auch wenn die Britinnen das Gastspiel in Prag gegen Tschechien mit 2:3 verloren.
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Quelle: Eurosport
Allerdings feierte Raducanu dort gegen Tereza Martincova einen Sieg - auf Sand. Diese Erfahrung gebe ihr "Selbstvertrauen, denn ich habe gegen eine großartige Gegnerin bei ihr zuhause in Prag gespielt", blickte Raducanu auf ihren 7:5, 7:5-Erfolg zurück.
Raducanu: "Herausfinden, was für mich funktioniert"
Die Erfahrung von Prag ordnet sie als Schritt nach vorne sein. Seit ihrem US-Open-Coup habe sie "viele Situationen erlebt, mit denen ich nicht gerechnet habe und an die ich mich erst gewöhnen musste".
Eine Entwicklung, die noch lange nicht abgeschlossen ist. "Ich versuche immer noch herauszufinden, was für mich funktioniert", erläuterte Raducanu. "Ich glaube nicht, dass es ein einfacher Prozess wird."
Wie immer es für Raducanu weitergehen mag, eines ist sicher: Sie wird unter dem Brennglas der Öffentlichkeit stehen - auch ohne Tottenham-Trikot.
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Quelle: Eurosport
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