Gegen die chinesische Übermacht war am Ende nichts zu machen und doch hat Dimitrij Ovtcharov während der Olympischen Spiele in Tokio etwas erreicht, das noch keinem Spieler vor ihm gelang.
Nach Bronze im Einzel und mit dem Team ist der 32-Jährige mit nun insgesamt sechs olympischen Medaillen der meistdekorierte Tischtennis-Spieler aller Zeiten. Zwei Einzelmedaillen gewann außer chinesischen Spielern zuvor nur der Schwede Jan-Ove Waldner.
Auf dem Weg zu diesem Rekord musste Ovtcharov einige Hürden meistern, sowohl sportlicher als auch psychischer Natur, wie er im Interview mit "Spox" verriet.
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"Es war wirklich eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle, eine mentale Schlacht mit mir selbst", sagte Ovtcharov über Halbfinal-Aus gegen den Weltranglisten-Ersten Ma Long (China) und das anschließende Match um die Bronzemedaille gegen Lin Yun-ju (Chinesisch Taipeh): "Nach der bitteren Niederlage war ich völlig frustriert und bin immer wieder einige Spielszenen durchgegangen. Ich war komplett down und konnte in der Nacht nicht schlafen. In dem Moment hätte ich am liebsten alles hingeschmissen."

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Ovtcharov findet seine Motivation wieder

Letztlich fand Ovtcharov seine Motivation trotz der unglaublich knappen 3:4-Niederlage (11:13, 8:11, 11:9, 11:9, 7:11, 11:5, 9:11) gegen Ma Long aber rechzeitig wieder.
"Dann habe ich mir klargemacht, dass wenn ich nicht 110 Prozent gebe, ich es mein ganzes Leben bereuen werde", sagte der Weltranglisten-Dritte und ergänzte: "Es ging nach wie vor um eine Einzel-Medaille bei den Olympischen Spielen. Zum Glück konnte ich mich dadurch wieder voll fokussieren. Das Spiel hatte es dann auch nochmal in sich und hat mir mental alles abgefordert. Ich wollte diese Medaille unbedingt und habe nochmal alles reingeworfen. Jetzt schwebe ich auf Wolke sieben."
Gegen Lin Yun-ju siegte er nach Abwehr von vier Matchbällen 4:3 (13:11, 9:11, 6:11, 11:4, 4:11, 15:13, 11:7).

Ovtcharov träumt weiter von Gold

Von dem aufgestellten Rekord wusste Ovtcharov zunächst aber gar nicht. "Ich habe das zum ersten Mal nach dem Einzug ins Teamfinale gehört. Es fühlt sich wirklich surreal an", erklärte der in Kiew geborene Spieler und betonte, wie viel ihm jede Medaille bedeute: "Meiner Frau sagte ich 2012, dass ich mir nie wieder Stress vor einem Tischtennis-Spiel mache, wenn ich eine Einzel-Medaille gewinne. Den Stress mache ich mir aber mehr denn je vor Matches. Daran sieht man, wie viel mir diese Medaillen bedeuten."
In Paris bietet sich Ovtcharov die Chance, seinen Rekord noch weiter auszubauen. Ans Aufhören denkt der 32-Jährige noch lange nicht und hat viel mehr große Ziele.
"Paris ist schon in drei Jahren und wer mich kennt, der weiß, dass ich alles dafür tun werde, auch noch die letzte fehlende Medaille zu gewinnen. Der Traum von Gold lebt weiterhin. Das wäre sicherlich der absolute Karrierehöhepunkt", stellte er klar.

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Ovtcharov wird zum Social-Media-Star in China

Die sportlichen Erfolge hatten dabei auch noch einen netten Nebeneffekt.
So ist Ovtcharov, der schon seit langem ein hohes Ansehen genießt, im asiatischen Raum ein echter Superstar und hat auf der chinesischen Social-Media-Plattform "Weibo" während der Spiele die Marke von einer Millionen Follower geknackt.
Bei Instagram sind es immerhin auch schon 136.000 Follower
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