Leere. Stolz. Schmerz. Dimitrij Ovtcharov wusste nach dem wohl besten Tischtennis-Match seiner Karriere nicht, wohin mit seinem Gefühls-Cocktail. Also setzte sich der 32-Jährige alleine auf die leere Tribüne im Tokyo Metropolitan Gymnasium und suchte den Trost seiner Familie.
"Es war hochdramatisch. Das war Weltklasse-Tischtennis. Dimitrij Ovtcharov kann stolz auf seine Leistung sein, auch wenn es eine bittere Niederlage für ihn ist. Ich denke, er kann nicht viel besser spielen. Am Ende hat vielleicht das Match-Glück gefehlt, wenn man 9:11 im Entscheidungssatz verliert. Den 1. Satz hätte er vielleicht gewinnen können. Da gab es die Chance bei 8:4-Führung - solche Chancen bekommt man gegen Ma Long nicht oft. Das ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, wenn man in dem Spiel überhaupt einen Kritikpunkt finden kann", sagte Eurosport-Experte Steffen Fetzner und ergänzte:
"Selbst als Experte nimmt einen das Spiel emotional mit. Ich möchte nicht wissen wie es Dimitrij und Trainer Jörg Rosskopf direkt nach dem Match geht. Ich denke, sie brauchen ein wenig Abstand. Es ist jetzt schwierig den Kopf frei zu bekommen. Er muss das Match so schnell wie möglich abhaken und sich auf morgen fokussieren. Aber er ist Profi genug und schafft es sich so zu konzentrieren, um die Bronze-Medaille zu gewinnen."
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81 hochklassige Minuten lang hatte Ovtcharov den "Drachen" Ma Long aus China am Rande einer Niederlage, um ein Haar wäre er als erster Deutscher der Geschichte in ein Olympia-Finale eingezogen. Doch der Krimi blieb ohne Happy Ende. Ovtcharov, Dritter von London 2012, verlor den entscheidenden siebten Satz mit 9:11 und somit das Match mit 3:4. Nach dem letzten Ballwechsel sank er zu Boden.

Drama über sieben Sätze: Ovtcharov so nah dran am Finale

Ovtcharov: Spiel um Bronze gegen Lin Yun-Ju

Ein schwacher Trost blieb immerhin: Am Freitag (13:00 live bei Eurosport) spielt Ovtcharov gegen den erst 19 Jahre alten Lin Yun-Ju um Bronze. Auch der Teenager aus Taiwan muss ein dramatisches 3:4 gegen den Weltranglistenersten Fan Zhendong wegstecken. Zum vierten Mal in Folge stehen somit zwei Chinesen im Olympia-Endspiel.
Dabei hätte Ovtcharov diese Dominanz brechen können. Einen 0:2-Rückstand glich der Weltranglistenachte aus, auch nach dem 2:3 kam er zurück. "Es gab selten ein besseres Spiel, vom ersten bis zum letzten Ballwechsel. Das war Wahnsinn", sagte Jörg Roßkopf.
Und der Männer-Bundestrainer muss es wissen: Sein Bronze von 1996 ist neben Ovtcharovs Erfolg 16 Jahre später bis heute die einzige deutsche Einzelmedaille. Damit am Freitag Nummer drei hinzukommt, muss Ovtcharov seine 19. Niederlage im 19. Duell mit Ma Long schnell abhaken.

Unfassbarer Ballwechsel! Ovtcharov verlangt Ma Long alles ab

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(mit SID)

"Das war weltklasse!" Ovtcharov-Krimi begeistert Fetzner

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