24 Stunden von Le Mans 2026: Toyota brilliert beim Vortest mit kleinem Makel – Technikchef traut den Gegnern nicht

Nach dem offiziellen Vortest für die 24 Stunden von Le Mans 2026 herrscht bei Toyota vorsichtiger Optimismus - gepaart mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüber der Konkurrenz. Obwohl die Japaner in den Datenanalysen bei den Longruns und Durchschnittszeiten die Nase vorn hatten, warnt Technikchef David Floury eindringlich davor, das Klassement des Testtags als bare Münze zu nehmen.

24 Stunden von Le Mans: So lief die WEC-Saison 2026 bislang

Quelle: Eurosport

Im Lager des fünfmaligen Le-Mans-Siegers ist man sich sicher: Einige Top-Teams spielen ein verdecktes Spiel. Betreibt die Konkurrenz also Sandbagging? "Wir sind die Schnellsten derer, die ihre Karten auf den Tisch gelegt haben", bilanziert Floury.
Er schiebt sofort die Warnung hinterher: "Die Wahrheit werden wir erst ganz am Ende erfahren. Ich glaube den Performance-Werten, die wir am Sonntag von einigen unserer Konkurrenten gesehen haben, schlichtweg nicht."
Besonders auf den Geraden will Toyota taktische Spielchen der Konkurrenz ausgemacht haben. Durch die Neupositionierung mehrerer Hypercars im aerodynamischen Fenster im Reglement ist der Topspeed im gesamten Feld im Vergleich zu 2025 gestiegen.
Toyotas umfangreiches Update des GR010 Hybrid, dessen Name sich für 2026 in TR010 Hybrid änderte, zielt ausdrücklich auf weniger Luftwiderstand ab.

Ein kleiner Makel am guten Toyota-Tag

Doch offenbar zeigt nicht jeder, was das Paket hergibt: "Es ist offensichtlich, dass einige Hersteller in der Geschwindigkeitsmessung (Speed Trap) Spiele spielen, um ihre wahre Leistung zu verbergen. Sie verstecken sich ein bisschen, das ist sicher. Es sind genug Daten vorhanden, um das zu sehen. Um ehrlich zu sein, ist das ein ziemlich dämliches Spiel."
Toyota hätte sich über einen rundum gelungenen Testtag freuen können, wäre da nicht der Unfall von Ryo Hirakawa mit dem APR-Oreca von Jake Hughes gewesen.
Hughes drehte sich ausgangs der Goodyear-Schikane ironischerweise auf kalten Goodyear-Reifen. Hirakawa wollte rechts vorbei, doch der LMP2 drehte sich nach rechts ein und traf den Toyota #8 an der Seite. Hirakawa legte eine spektakuläre Flugeinlage ein.
Toyota hatte Glück im Unglück, denn das Chassis blieb unbeschädigt. Die Mechaniker reparierten den TR010 Hybrid, der schon zu Beginn der zweiten Session wieder auf die Strecke ging. "Eine etwas unnötige Übung für unsere Jungs", ärgert sich Floury. Hirakawa sieht es lockerer: "Besser, man braucht das Pech schon vor dem Rennen auf."

Neues Aero-Paket sticht: Fahrer deutlich zufriedener

Davon abgesehen, lief es im Lager der Kölner problemlos. Ryan Dingle, Renningenieur des Toyotas #8, sagt: "Wir haben ungefähr 90 Prozent der Dinge absolviert, die wir testen wollten. Das war ein guter Tag."
Im Fokus stand das neue Aero-Paket, bei dem die Werte auf der Strecke genau mit den Daten aus dem Simulator korrelierten. Einzig die teilweise Neuasphaltierung der Strecke zwischen der ersten Bremsschikane und Mulsanne sowie der neue Michelin-Reifen erforderten minimale Anpassungen vor Ort.
Die aerodynamischen Updates zeigen jedoch bereits Wirkung - vor allem in den ultraschnellen Porsche-Kurven, in denen der Toyota im Vorjahr noch mit der Balance kämpfte. "Wir haben uns definitiv verbessert", bestätigt Floury. "Das Auto ist eine bessere Ausgangsbasis als im letzten Jahr."
Das spiegelt sich auch im Feedback der Piloten wider. Zwar überlässt Floury das finale Urteil seinen Fahrern, verrät aber: "Das Feedback, das ich bekommen habe, ist positiv. Sie waren definitiv zufriedener als im vergangenen Jahr. Das Auto ist konstanter und berechenbarer im Rennbetrieb."

Reifen-Rätsel und die 3:30er-Marke

Zudem wurde das Verhalten beim Fahren in der verwirbelten Luft ("Dirty Air") anderer Fahrzeuge nachgebessert, um die aerodynamische Stabilität im Verkehr zu optimieren - ein entscheidender Faktor bei einem Feld von 62 Autos auf dem Circuit de la Sarthe.
Dass das Renntempo 2026 drastisch anziehen wird, steht für den Toyota-Technikchef außer Frage.
Die Tatsache, dass sich die Anzahl der Rundenzeiten unter der 3:30-Minuten-Marke im gesamten Feld von 178 (2025) auf 362 (2026) mehr als verdoppelt hat, führt Floury auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurück: das neue Aero-Fenster, die neuen Michelin-Reifen und den frischen Asphalt.
Bei den Reifen selbst experimentierte Kamui Kobayashi am Nachmittag mit allen drei Mischungen (Soft, Medium, Hard) und lag jeweils nur wenige Zehntelsekunden auseinander. "Man kann eigentlich nicht wirklich viel falsch machen", scherzt Floury.

Offene Fragen um Michelin

Da die Reifen im Vergleich zu früher einen extrem großen Überschneidungsbereich aufweisen, könnte laut Floury selbst die harte Mischung im Rennen eine echte Option werden, sofern die derzeit mögliche Hitze an den beiden Renntagen wirklich zuschlagen sollte.
Offen ist dagegen noch, ob Michelin Vierfachstints zulässt. "Dafür ist es noch zu früh. Das liegt in den Händen von Michelin. Die Reifen vom Testtag müssen erst genau analysiert werden, bevor wir uns darauf einlassen", so Floury.
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Highlights: Toyota glänzt beim WEC-Finale in Bahrain

Quelle: Eurosport


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