Rodeln, Bob und Skeleton vor dem Olympia-Aus? Natalie Geisenberger sieht gesamten Wintersport in der Pflicht
Update 24/02/2026 um 16:01 GMT+1 Uhr
Die Recherchen des anerkannten britischen Journalisten Duncan Mackay hinsichtlich eines Ausscheidens der Schlittensportarten bei Olympia haben in Deutschland hohe Wellen geschlagen. "Das sorgt natürlich dafür, darüber nachzudenken", meint Eurosport-Expertin Natalie Geisenberger. Die Olympiasiegerin geht davon aus, dass mögliche Änderungen "mehr oder weniger den gesamten Wintersport" betreffen.
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Quelle: Eurosport
Die Zahlen lügen nicht. 19 von insgesamt 26 Medaillen eroberten die deutschen Wintersportler bei den Olympischen Spielen 2026 im Eiskanal von Cortina d'Ampezzo. Kurzum gesagt: Sollte sich das Szenario, welches von den Recherchen des einflussreichen Olympia-Journalisten Duncan Mackay in seinen "Zeus Files" ausgemalt wird, bewahrheiten, wäre das für Deutschland nichts weniger als ein Albtraum.
"Da erzähle ich nichts Neues, dass die Medaillenbilanz ohne die Kufen-Sportarten aus deutscher Sicht nicht so gut ausgesehen hätte. Aber so eine Nationen-Verteilung von Medaillen in gewissen Sportarten gibt es öfter. Die Norweger im Biathlon zum Beispiel", führt Eurosport-Expertin Natalie Geisenberger aus.
"Ich bin aber der Meinung, dass mögliche Änderungen in der Zukunft nicht nur Bob, Rodeln und Skeleton betreffen, sondern mehr oder weniger den gesamten Wintersport", unterstreicht sie.
So gelten die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) angeführten Kritikpunkte Kosten, Umwelt und Nachhaltigkeit als Bewährungsprobe für den gesamten Wintersport - und müssen für ein Umdenken sorgen.
Geisenberger: "Fährt mit dem Staubwedel darüber"
"Die Olympischen Winterspiele haben meiner Meinung nach nur dann eine Zukunft, wenn man an Orte mit bereits bestehenden Wettkampfstätten zurückkehrt", erklärt Geisenberger.
Ob Peking, Pyeongchang oder auch Vancouver - eine Vielzahl an Arenen und Stadien wurden allein für die dort abgehaltenen Großereignisse erbaut. Ein Großteil davon wurde seit dem in den Metropolen erloschenen olympischen Feuer nicht mehr verändert.
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Mit der Vergabe der Winterspiele 2030 in die französischen Alpen sowie 2034 nach Utah in den USA wurde dahingehend bereits ein Akzent gesetzt, in beiden Fällen werden viele bestehende Anlagen wiederverwendet.
"Überspitzt formuliert: Man kommt dorthin zurück, fährt mit dem Staubwedel darüber und bringt sie auf den neuesten Stand", so Geisenberger. "Zu 100 Prozent kostenneutral ist das zwar nicht, aber mit wirklich wenig finanziellem Aufwand zu stemmen."
Geisenberger: "Man kann nicht alles haben"
Bei den zurückliegenden Winterspielen in Cortina d'Ampezzo und Mailand wurde dieses Konzept bereits umgesetzt. Trotzdem mussten sich die italienischen Verantwortlichen von allen Seiten Kritik gefallen lassen.
Der Grund: Aufgrund der Verwendung bestehender Wettkampfstätten waren die einzelnen Sportarten teils weit voneinander entfernt, der Überbegriff der "Spiele der weiten Wege" stand auch für das fehlende olympische Flair. Allen voran Ski-Ass Linus Straßer monierte diesen Umstand.
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Quelle: Eurosport
"Man muss sich auch an die Gegebenheiten anpassen. Vor vier Jahren wurde in China alles neu gebaut. Das war sowohl aus finanzieller Sicht als auch für die Umwelt schlecht", gibt Geisenberger zu bedenken. "In Italien wurde hingegen weniger gebaut, dafür waren die Wettkampfstätten weiter verteilt. Man kann nicht alles haben und muss auch schauen, was überhaupt möglich ist."
Als Idealbild galten weitestgehend die Sommerspiele 2024 in Paris, wo der überwiegende Teil der Wettkämpfe in derselben Stadt ausgetragen wurden. Im Winter ist das ohne Investitionen in Milliardenhöhe nicht zu bieten.
"So ein großes Zusammentreffen der Athleten mit der Perfektion der Sommerspiele in Paris 2024 ist im Winter schwer umzusetzen und wird in dieser Art vielleicht nicht mehr möglich sein", erklärt die sechsmalige Olympiasiegerin.
Eiskanal in Cortina: Ein Damoklesschwert bleibt
Für die Sportarten Bob, Rodeln und Skeleton geht es in den kommenden Monaten und Jahren nun darum, Argumente für einen Verbleib bei den Olympischen Spielen zu sammeln. Zum Zünglein an der Waage werden könnte dabei etwa der Eiskanal in Cortina d'Ampezzo und dessen Weiterverwendung werden.
Im Bob-Weltcup feierte das Eugenio Monti Olympic Sliding Centre bereits im vergangenen November sein Debüt, angesichts der nach wie vor noch nicht reparierten Bahn am Königssee sowie den Problemen bei der Homologierung der umgebauten Strecke in Igls bei Innsbruck dürfte auch die Premiere im Weltcup der Kunstbahnrodler nicht lange auf sich warten lassen.
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Wie schaut die Zukunft des Eiskanals in Cortina d'Ampezzo aus?
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Darüber hinaus dürfte der Bob- und Rodelsport in Italien erheblich von seiner Heimbahn profitieren. Allein die fabelhafte Ausbeute von zwei Gold- sowie zwei Bronzemedaillen unterstreicht, welchen Einfluss die Möglichkeit, in einem eigenen Eiskanal unabhängig von anderen Nationen trainieren und Material testen zu können, auf die sportliche Leistung hatte.
Nichtsdestotrotz hängt ein Damoklesschwert über der Bahn. Das Eugenio Monti Olympic Sliding Centre ist nämlich ein Verlustgeschäft. Nachdem es für insgesamt 118 Millionen Euro fertiggestellt wurde, belaufen sich die jährlichen Wartungskosten auf rund eineinhalb Millionen Euro. Die geschätzten Einnahmen belaufen sich auf 530.000 Euro.
Cortina droht nicht das Cesena-Schicksal
Ein Szenario, welches zum Verfall des Eiskanals in Cesena geführt hatte, der für die Winterspiele 2006 in Turin gebaut worden war.
Heute ist die Anlage eine Ruine und wurde in den Debatten um die neue Bahn stets als Negativbeispiel angeführt.
Und zumindest bei Armin Zöggeler, der als Visionär und Rennsportleiter der italienischen Mannschaft von Beginn an hinter dem neuen Eiskanal stand, herrschen hinsichtlich einer Wiederholung dieser sportlichen Tragödie keine Zweifel vor.
"Die Angst gibt es nicht! Wir haben jetzt zwei Goldmedaillen geholt, da wird die Politik gezwungen sein, die Bahn weiter zu betreiben", meinte die Rodel-Legende lachend im Interview mit "SportNews.bz".
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