Ski Alpin: Linus Straßer rechnet nach dem Slalom mit dem Erlebnis Olympische Spiele ab: "Alles für die sterile Show"

Linus Straßer belegte im olympischen Slalom der Männer nach einem verkorksten ersten Lauf bei widrigen Bedingungen Rang neun. Aber weniger sein Ergebnis als viel mehr das Erlebnis Olympische Spiele ging Deutschlands bestem Slalomfahrer gehörig gegen den Strich. "Es ist absolut steril", polterte Straßer im Interview mit Eurosport. Eine emotionale Begegnung mit einem Freund wurde ihm verwehrt.

Exklusiv - Straßer kritisiert Olympia: "Das Erlebnis ist einfach nicht gut"

Quelle: Eurosport

Nachdem Linus Straßer seinen zweiten Lauf beendet hatte, winkte er artig ins Publikum. Ein letzter Gruß und ein letztes Dankeschön an seine Fans, Unterstützer und die Familie, die auf der Tribüne im Zielraum saß.
Doch da brodelte es bereits im deutschen Slalom-Ass, das sich im dichten Schneetreiben von Bormio im ersten Lauf einen Rückstand von 2,35 Sekunden auf den führenden Norweger Atle Lie McGrath eingehandelt hatte und letztlich auf Rang neun landete.
"Ich würde gerne viele schöne Dinge über Olympia sagen. Es ist aber leider nicht so. Mir tut's leid, vielleicht bin da auch ein seltsamer Typ - kann auch sein. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir selber bin und auch zu den Leuten, dann ist das nicht das, was ich mir unter Olympischen Spielen vorstelle", sagte Straßer bei Eurosport.
Konkret prangerte er das Erlebnis Olympia an. "Meine Familie steht da irgendwo mittendrin mit allen Freunden, die reisen hier ewig an. Ich komme gar nicht zu denen. Die Fans sitzen auf einer Tribüne, die ist auf fünf Metern Höhe, die sind gefühlt 20 Meter Luftlinie weg. Es ist absolut steril", polterte Straßer.
"Als Sportler will ich Emotionen erleben. Ich will das mit denen erleben. Ich vergleiche das mit Kitzbühel, wo ich unten reinfahre, das grüne Licht sehe... Da ist dieser Kessel mit Leuten, die völlig durchdrehen - das willst du als Sportler erleben. Aber das Erlebnis war einfach nicht gut."
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Straßer wird deutlich: "Kann darauf verzichten"

Man dürfe seinen Ärger nicht falschen verstehen, auch er wolle den sportlichen Erfolg bei Olympia, denn das sei der "Ritterschlag für jeden Athleten". "Der kleine, freche Linus hat immer davon geträumt, allein dem bin ich es schuldig, alles zu geben und das habe ich auch getan", verdeutlichte Straßer.
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Aber: "Hier sind wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Fans - das macht es doch eigentlich aus. Es ist absolut steril. Ich will nicht zu viel haten, aber ganz ehrlich: Ich kann darauf verzichten", legte er im "ZDF" nach. Sein bitteres Fazit von Olympischen Spielen: "Sagen wir mal, wie es ist: Es ist für’n Arsch."
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Schon 2018 und 2022 hatte sich Straßer nicht mit Olympia anfreunden können. Das lag in erster Linie an den wenig skibegeisterten Orten Pyeongchang und Peking. Durch die Rückkehr nach Europa ins Skimekka Bormio sollte alles anders, alles besser werden. Von wegen.
"Das Beste an den Spielen hier in Bormio ist eigentlich, dass ich jetzt merke, dass die Spiele in Peking gar nicht so schlecht waren. Die waren eigentlich cool - bis auf Corona. Aber das Drumherum mit anderen Athleten war cool", so Straßer bei Eurosport.
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Emotionale Begegnung mit Freund Ginnis verboten

Die fehlende Interaktion mit seinen Rennfahrerkollegen stieß Straßer besonders übel auf. Für seinen Freund AJ Ginnis war der olympische Slalom der letzte Auftritt seiner Karriere. Der Grieche, der 2023 Vizeweltmeister im Slalom wurde, konnte wegen einer schweren Knöchelverletzung seit zwei Jahren kaum Ski fahren.
Im alpinen Skisport ist es Brauch, dass Athleten nach ihren letzten Fahrten von Rivalen und Weggefährten im Ziel begrüßt werden. Dies wurde Straßer von einem Offiziellen jedoch untersagt.
"Das ist typisch Olympia, oder?", schimpfte er. "Lasst doch einmal irgendwas ... aber gut, alles für die Show, für die sterile." Er habe Ginnis vor dem Rennen beim Einstieg in die Gondel getroffen, schilderte Straßer. "AJ war völlig aufgelöst. Da hat dann auch so ein starker Typ eine Umarmung nötig gehabt." Dabei blieb es aber, die traditionelle Verabschiedung nach der Zielankunft fiel aus.
Mit 33 hat Straßer noch einige gute Jahre als Slalomfahrer im Kreuz. Die Olympischen Spiele 2030 in den französischen Alpen kommen für ihn aber nicht mehr infrage. Straßer: "Wenn das der Genuss von Leistungssport sein soll, bin ich froh, dass das mein letztes Mal war."
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