Felix Neureuther ist ein Kind der Berge. Er hatte und hat sie vor der Haustür in Garmisch-Partenkirchen, und sie waren, wie er sagt, sein "Spielplatz", lange bevor er als Ski-Rennläufer aufstieg in die Weltklasse. Mittlerweile aber erkennt er sie kaum noch wieder. Wenn er heute mit Frau und Kindern wandern geht, erschrickt er regelmäßig: "Am meisten", berichtet er im "SID"-Interview, "regt mich der viele Müll auf."
Doch die Verschmutzung ist nur das eine. Seit seinem Rücktritt vor zweieinhalb Jahren ist Neureuther immer bewusster geworden, wie vor allem der fortschreitende Klimawandel diesen Spielplatz zerstört. Noch zu seiner aktiven Zeit hat er "hautnah" festgestellt, wie ihm etwa das Eis der Gletscher, auf denen er im Sommer trainierte, "unter den Füßen wegschmilzt". Nun weiß er nur zu gut: "Die Auswirkungen sind krass."
Neureuther hat mit und für National Geographic eine Dokumentation mit dem Titel "Rettung der Alpen" gedreht (Sendetermin am 25. Oktober) und dazu auch einen Bildband erstellt, der am Donnerstag veröffentlicht wird. Aus den Erfahrungen, die er dabei gemacht hat, leitet er klare Botschaften ab. "Die Politik", sagt er, müsse endlich aktiv werden, "das ist der Auftrag besonders an unsere neue Regierung, wie immer sie auch aussieht."
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Neureuther wäre nicht Neureuther, käme er bei den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht auch auf den Sport zu sprechen, vor allem auf die Olympischen Spiele. "Ich verdanke dieser Bewegung sehr viel", betont der Gewinner von fünf WM-Medaillen (1x Gold, 1x Silber, 3x Bronze), aber die Entwicklung, die Olympia in den vergangenen 25 Jahren genommen habe, "geht in die falsche Richtung".

Neureuther verlangt "Umdenken und Veränderung"

Klimaschutz und Nachhaltigkeit waren bereits bei den Winterspielen in Sotschi und Pyeonchang kein wichtiges Thema - auch für Peking 2022 wurde wieder abgeholzt. Es brauche "Umdenken und Veränderung", sagt Neureuther, der Gigantismus der Spiele im Sommer wie Winter ist ihm ein Dorn im Auge, die Zukunft der gesamten Bewegung stehe auf dem Spiel: "Die Olympischen Spiele müssen ganz klar nachhaltiger werden, sonst werden sie aussterben."
Dass Neureuther mit Blick auf Peking das Problem im Umgang mit den Menschenrechten umtreibt, versteht sich von selbst. Ein Boykott, sagt der 37-Jährige, wäre ein Lösung, auch wenn er "im Grunde natürlich dagegen sei", zumindest so lange, wie er den Sportlern schade. Er wolle doch keinem die Chance auf eine Medaille nehmen, "aber der Druck von allen Seiten muss einfach erhöht werden". Auch hier sei vor allem die Politik gefordert.
Davon abgesehen würde sich Neureuther bei kritischen Themen eine stärkere Einmischung der Sportler wünschen. "Ich höre oft den Satz: Ich muss mich auf meinen Sport konzentrieren. Das ist ja auch richtig, denn letztlich geht es in erster Linie um die eigene Leistung", sagt er. Und "trotzdem halte ich es für extrem wichtig oder auch für eine Pflicht, dass sich gerade erfolgreiche Sportler zu solchen Themen äußern".
Klimaschutz, Nachhaltigkeit oder Menschenrechte. "In unserer modernen digitalen Welt", betont Neureuther, habe ein Sportler schließlich "grandiose Möglichkeiten", sich zu positionieren: "Dazu gehören eine klare Haltung und eine eigene Meinung." Und nicht zu vergessen dabei: "Die Vorbildfunktion, die du als Sportler hast, besonders auch den Kindern gegenüber."
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(SID)

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