Biathlon-WM 2020: Bei Weltmeister Alexander Loginow läuft der Verdacht mit

Ein überführter Olympiasieger und ein Ex-Doper als Weltmeister: Das leidige russische Doping-Thema erhitzt bei der Biathlon-WM in Antholz die Gemüter. Für Einzel-Weltmeister Arnd Peiffer hatte dieser unrühmliche Gold-Coup von Alexander Loginow ein "Geschmäckle", Martin Fourcade war "traurig", Olympiasieger Sebastian Samuelsson sprach von einer "Schande".

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Bis Samstag hatte das malerische Antholz eine strahlende WM der Skijäger erlebt, dann zog das leidige russische Doping-Thema wie eine dunkle Wolke über die Südtirol Arena. Vor allem der Sprint-Triumph des früheren Dopingsünders Alexander Loginow erhitzte die Gemüter.
Es schwinge "natürlich ein gewisser Verdacht mit, weil der Kollege Loginow schon einmal wegen Epo-Missbrauchs gesperrt war. Und jetzt ist er wieder auf einem Niveau wie zu den Zeiten, als er diesen Epo-Missbrauch durchgeführt hat. Da ist natürlich schon immer ein bisschen ein Geschmäckle dabei", sagte Peiffer nach seinem siebten Platz. Andererseits müsse "man die Unschuldsvermutung walten lassen. Das fällt nicht immer leicht."
Loginow war 2014 des Epo-Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt worden. Seither wird der 28-Jährige kritisch beäugt. Umso fader war der Beigeschmack, als er nach einer durchwachsenen Saison im WM-Sprint überraschend allen Favoriten ein Schnippchen schlug.

"Eine Schande für den Sport"

"Er verdient es nicht, hier zu sein", ätzte der Norweger Tarjei Bö, der nach dem Titel mit der Mixed-Staffel wie sein favorisierter Bruder Johannes Thingnes die Sprint-Medaillen knapp verpasste. Auch der Schwede Sebastian Samuelsson nahm kein Blatt vor den Mund. "Das ist ein trauriger Tag für den Biathlon-Sport", gab der Staffel-Olympiasieger im Gespräch mit norwegischen Medien zu Protokoll:
Dabei passte es irgendwie sogar ins Drehbuch. Nur wenige Stunden vor Loginows Coup hatte der Weltverband IBU neben Swetlana Slepzowa auch Jewgeni Ustjugow, 2014 Olympiasieger mit der russischen Staffel, des Dopings für schuldig befunden.
Damit könnten die deutschen Biathleten Erik Lesser, Daniel Böhm, Peiffer und Simon Schempp nachträglich Olympia-Gold von Sotschi bekommen.
"Es ist unglaublich, was die Russen gemacht haben", sagte IBU-Generalsekretär Niklas Carlsson im "ZDF": "Es ist wichtig, dass wir mit Sotschi ein Ende finden." Auch Peiffer freute sich schon "darauf, dass wir das Thema irgendwann abhaken können".

Kein Ende der Diskussionen

Ein Ende der Debatten um Loginow ist hingegen nicht in Sicht. Seit er 2016 nach abgesessener Sperre in den Weltcup zurückkehrte, ist er für viele Kollegen nur noch ungebetener Gast. Vor allem Fourcade ist der Russe ein Dorn im Auge, gilt der fünfmalige Olympiasieger doch als lautester Kämpfer gegen Doping in der Biathlon-Szene.
Bei der WM 2017 - nur rund zwei Monate nach dem Ende von Loginows Sperre - hatte Fourcade nach dem zweiten Rang mit der französischen Mixed-Staffel die Siegerehrung aus Protest vorzeitig verlassen. Loginow war mit den Russen Dritter geworden. Und nach dessen Sieg im Januar 2019 in Oberhof sprach Fourcade von "einer Schande" und verwehrte ihm den Handschlag.
Am Samstag hielt sich Fourcade, der als Dritter neben Loginow auf dem Podium stand, hingegen zurück. "Ich bin traurig, dass ich immer wieder die gleichen Dinge wiederhole, seit ich Biathlon betreibe", sagte der elfmalige Weltmeister nüchtern. Diesmal reichte er Loginow bei der Siegerehrung aber die Hand.
(SID)
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