Denise Herrmann bibberte in der Kältekammer von Pokljuka im Zielraum hilflos vor sich hin, als ihr die erste deutsche WM-Medaille aus den Händen glitt. Der eine Fehlschuss im Stehendanschlag ließ nicht nur den Gold-Traum jäh platzen, sondern bedeutete auch noch den undankbaren vierten Platz. "Vierter beim Großereignis wird man sehr ungern", sagte die 32-Jährige niedergeschlagen.
Trotz ihres besten Sprints des Winters fehlten Herrmann bei böigem Wind letztlich knapp acht Sekunden auf Platz drei. "Klar ist es bitter, wenn man so knapp hinter Bronze ist", ergänzte Herrmann: "Man steht einfach nicht gerne neben dem Podium."
Dennoch sei sie grundsätzlich "sehr zufrieden" mit ihrer Leistung. Das Feld sei enger zusammengerückt. Da dürfe man sich auch bei widrigen Verhältnissen eben keinen Fehler leisten.
Oberhof
Oberhof bleibt Biathlon-Weltcup-Standort
12/02/2021 AM 22:01
Fehlerfrei kam auch Franziska Preuß als zweite deutsche Hoffnung (1 Strafrunde/+50,4 Rückstand) nicht durch. Die beste Athletin des Deutschen Skiverbandes im Gesamtweltcup kam nicht über Platz acht hinaus. "Mit meinem Laufen und meinem Liegendschießen bin ich zufrieden", sagte die Bayerin. Stehend habe sie mit dem einen Fehler "Schadensbegrenzung" betrieben.
Wie schon so oft in dieser Saison suchte sie im zweiten Schießen die sogenannte "Nähmaschine" heim. Fast eine Minute verbrachte Preuß auf der Matte, allein 25 Sekunden brauchte sie für den letzten Schuss. "Ich bin ratlos, was man dagegen machen kann", sagte Preuß: "Das ist ein großes Thema."

Highlights vom Sprint der Frauen im Kampf um die WM-Medaillen

Chancen in der Verfolgung

Umso besser, dass Herrmann in die Bresche sprang. Auf die fehlerfreie Siegerin Tiril Eckhoff fehlten der Oberwiesenthalerin letztlich 22,3 Sekunden. Die Norwegerin, die bereits mit der Mixed-Staffel triumphiert hatte, holte in 21:18,7 Minuten vor der Französin Anais Chevalier-Bouchet (1/+12,0) und der überraschend starken Hanna Sola aus Belarus (0/+14,4) ihren vierten Sprintsieg in Serie. "Das ist mein Lieblingsrennen", sagte Eckhoff überglücklich.
Das gilt in Sachen Verfolgung für Herrmann. 2019 wurde sie Weltmeisterin in dieser Disziplin, 2020 eröffnete sie in Antholz mit Silber im Jagdrennen den deutschen Medaillenreigen. "Ich versuche die Verfolgungen der letzten Jahre in meinem Kopf nochmal Revue passieren zu lassen", kündigte Herrmann an: "Ich bin nah dran und versuche meine Chance zu nutzen."
Chancenlos werden sicher auch Preuß und Vanessa Hinz am Sonntag (15:30 Uhr bei Eurosport) nicht in die 10 km gehen. Hinz (1/+1:08,5) egalisierte mit Rang zwölf zum Höhepunkt ihr bestes Saisonergebnis. "Es ist alles drin", kündigte die Schlierseerin forsch an. Lediglich Janina Hettich (2/+1:52,2) hinkt nach Rang 31 etwas hinterher.
Die Ausgangsposition der deutschen Männer für ihre Verfolgung am Sonntag ist dagegen miserabel. Denn schließlich war der Sprint am Freitag das schlechteste deutsche WM-Rennen der Geschichte, Arnd Peiffer, Benedikt Doll und Johannes Kühn kamen nicht über die Plätze 36, 39 und 45 hinaus. Olympiasieger Peiffer wird als bester Deutscher mit einem Rückstand von 1:37 Minuten auf Sprintsieger Martin Ponsiluoma aus Schweden auf die 12,5 km gehen.
Medaillenchancen gibt es so zwar nicht mehr, doch die deutschen Skijäger wollen Schadensbegrenzung betreiben und sich vor der zweiten WM-Woche das dringend benötigte Selbstvertrauen zurückholen.
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