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Biathlon-WM 2023: Michael Rösch im Interview über Oberhof-Dominator:innen Johannes Thingnes Bö und Denise Herrmann-Wick
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Publiziert 13/02/2023 um 23:21 GMT+1 Uhr
Eurosport-Experte Michael Rösch adelt Dominator Johannes Thingnes Bö, der bei der WM 2023 schon drei Goldmedaillen einfahren konnte, im exklusiven Interview mit Eurosport.de und meint vor dem Einzel am Dienstag: "Er kann sich nur selbst schlagen." Zudem spricht er über das Erfolgsgeheimnis von Weltmeisterin Denise Herrmann-Wick und hofft, sein goldenes Sakko noch einige Male auspacken zu können.
Arrogant oder einfach dominant? Bö posiert schon vor Ziellinie
Quelle: Eurosport
Im Einzel am Dienstag (14:30 Uhr live bei discovery+) kämpft Dominator Johannes Thingnes Bö bei der Biathlon-WM 2023 schon um seine vierte Goldmedaille. Der Norweger ist bereits jetzt der König von Oberhof, auch wenn Eurosport-Experte Michael Rösch im exklusiven Interview mit Eurosport.de meint: "Zumindest ein Zacken in seiner Krone hat einen Riss."
In der Verfolgung deklassierte er die Konkurrenz um mehr als eine Minute und hatte Zeit, schon vor dem Ziel zu feiern. Rösch lobt die Jubelgeste auf der Zielgeraden, mit der Bö an Fußballstar Erling Haaland erinnerte: "Biathlon ist eine Show. Davon kann es gerne mehr geben."
Zudem spricht der Eurosport-Experte über die deutsche Gold- und Silbermedaillengewinnerin Denise Herrmann-Wick und zeigt sich beeindruckt von der Druckresistenz der 34-Jährigen. Am Mittwoch (14:30 Uhr live bei discovery+) startet die Olympiasiegerin erneut in die Loipe. Die "geile" Kulisse in Oberhof ist für Herrmann-Wick nur förderlich, meint Rösch: "Sie lässt sich nicht stressen und macht ihr Ding."
Ob dann auch wieder das goldene Sakko zum Einsatz kommt, mit dem Rösch ihre Goldmedaille im Sprint würdigte?
Das Interview führte Pascal Steinmann.
Herr Rösch, Johannes Thingnes Bö ist in Oberhof der Dominator der Weltmeisterschaften. Wie bewerten Sie seine Vorstellungen bisher?
Michael Rösch: Also zumindest ein Zacken in seiner Krone hat einen Riss. Er hatte viel Glück im Sprint, das muss man sagen. Da hätte er mit vier oder fünf Fehlern vom Schießstand weggehen können, hätte eben keine Medaille geholt und die Ausgangssituation wäre eine vollkommen andere gewesen.
Am Ende hat der Norweger den Sprint mit nur einem Fehler im Liegendschießen gewonnen.
Rösch: Genau, das ist vielleicht auch das Glück des Tüchtigen. Im Verfolger hat er es beim Schießen dann enorm gut hinbekommen, da war sein Trefferbild sehr sauber. Am Ende ist er der verdiente Weltmeister, weil er über das gesamte Jahr der Dominator war. Aufgrund seiner Laufstärke kann ihm niemand das Wasser reichen, wenn er halbwegs durchkommt. Er kann sich nur selbst schlagen.
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Highlights: Bö holt in Verfolgung schon sein 15. WM-Gold
Quelle: Eurosport
Im Einzel hat der 29-Jährige aber noch nie Gold bei einer WM gewonnen. Ist das Rennen am Dienstag die Disziplin, in der er vermeintlich am ehesten zu schlagen ist?
Rösch: Wenn er wie in der Verfolgung schießt, ist er unbezwingbar. Bietet er ein Schießen an wie im Sprint oder der Mixed-Staffel, könnte es spannend werden. Aber die Bedingungen sollen am Dienstag gut werden. Am Montag herrschte kein Wind. Die Strecke hat etwas gelitten und war durch die warmen Temperaturen recht weich. Aber schwere Bedingungen auf der Loipe sind auch ein Vorteil für Bö. Die Runde ist brutal hart, da kann er noch einmal extra etwas herauslaufen.
In der Verfolgung ist Bö vor der Ziellinie auf die Knie gegangen und hat in Richtung der Zuschauer gedeutet – eine Hommage an Erling Haaland, die nicht ohne Kritik blieb. Wie haben Sie seine Pose erlebt?
Rösch: Er hatte auf der Schlussrunde ja genug Zeit, sich Gesten zu überlegen (lacht). Es ist amüsant, wenn er sich auf der Ziellinie etwas einfallen lässt. Ich finde das super. Auch beim Jubel nach dem letzten Schießen habe ich keine Arroganz wahrgenommen. Biathlon ist eine Show. Davon kann es gerne mehr geben.
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Biathlon-WM 2023: Johannes Thingnes Bö (Norwegen) posiert bereits vor der Ziellinie in der Verfolgung
Fotocredit: Getty Images
Was dürfen wir von den deutschen Herren im Einzel am Dienstag erwarten?
Rösch: Ich hoffe auf Roman Rees, weil er mir am Schießstand gefällt. Benedikt Doll ist eine starke Verfolgung gelaufen und hat sich vielleicht das notwendige Selbstvertrauen zurückgeholt. Er ist eigentlich kein besonders guter Einzelläufer, aber in diesem Sport ist bekanntlich alles möglich.
Kommen wir zur erfolgreichsten Athletin der WM: Denise Herrmann-Wick hat nach Gold im Sprint mit Silber in der Verfolgung nachgelegt. Was macht sie in Oberhof so stark?
Rösch: In erster Linie zeichnet sie ihre Form aus. In der Loipe ist sie unfassbar stark, unglaublich fit. Aber besonders beeindruckend ist ihre Lockerheit unter diesem immensen Druck einer Heim-Weltmeisterschaft. Es gelingt ihr auch, diese Lockerheit nach außen zu tragen. Beim Einlaufen hat sie immer ein Lächeln auf den Lippen und ist trotzdem fokussiert. Sie ist da, sie ist einfach voll da.
Bei ihrem WM-Titel im Sprint haben Sie sich in ein goldenes Sakko geworfen. Was schätzen Sie: Wie oft dürfen Sie Ihr Sakko noch anziehen?
Rösch: Ich hoffe oft. Es hängt in der Kabine. Die Chancen sind da, aber die Konkurrenz ist groß. Vielleicht muss ich mir noch ein silbernes oder bronzenes Sakko bestellen (lacht). Aber im Ernst: Es sollte schon bei Gold bleiben, es sollte etwas Besonderes sein.
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Eurosport-Experte Michael Rösch (l.) im goldenen Sacko
Fotocredit: Eurosport
Besonders war auch das gesamte Mannschaftsergebnis der Damen in der Verfolgung. Sophia Schneider wurde Fünfte, Hanna Kebinger überzeugte als Achte. Wie schätzen Sie ihre Leistungen ein?
Rösch: Die Leistung von Hanna Kebinger kann man nicht hoch genug bewerten: Sie hat sich nach einer schwierigen Phase über den Deutschlandpokal und den IBU-Cup in den Weltcup gearbeitet und läuft hier nun in Oberhof zur Karrierebestleistung. Sophia Schneider kann man im selben Atemzug nennen. Dass sie schnell ist, haben wir in dieser Saison schon gesehen. Sie hatte in der Verfolgung sogar die Chance auf eine Medaille. Aber die beiden hatten das Glück, sich hinter Herrmann-Wick - die Schneider immer als "Mami" bezeichnet - verstecken zu können.
Wie profitiert die Mannschaft von den Erfolgen von Herrmann-Wick?
Rösch: Das ganze Team hat Spaß, alle freuen sich miteinander. Das ist nicht gespielt, da herrschen unheimlich positive Vibes und das ist total wichtig. Bei den Siegerehrungen ist immer die komplette Mannschaft dabei. Wenn eine Medaille fällt, kann vieles passieren. In erster Linie profitiert natürlich Denise selbst, aber alle können sich daran hochziehen.
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Highlights: Herrmann-Wick sprintet in Oberhof zu WM-Gold
Quelle: Eurosport
Gute Vibes transportieren auch die Zuschauer in Oberhof. Wie nehmen Sie grundsätzlich die Stimmung wahr?
Rösch: Ich kann anderthalb Stunden vor dem Anschießen mit einem TV-Leibchen auf die Strecke gehen, und da ist schon echt viel los. Von unserer Kommentatorenkabine haben wir einen leichten Blick auf das Stadion und können den Birxsteig sehen: Es ist so laut. Es ist krank, was da abgeht. Die Fans sind so geil. Am Birxsteig stehen die Zuschauer in 15er-, 20er-Reihen hintereinander und gehen steil.
Wie sehr nimmt man das als Athlet wahr?
Rösch: Wer das nicht mitbekommt, sollte seine Ski in die Ecke stellen (lacht). Ich habe das immer genossen, gerade den Birxsteig hinauf. Aber das birgt auch eine Gefahr, insbesondere aus deutscher Sicht.
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Denise Herrmann-Wick bei der Biathlon-WM in Oberhof
Fotocredit: Getty Images
Inwiefern?
Rösch: Man darf die Rennen durch diese Euphorie nicht zu schnell angehen. Wir haben viele Athleten gesehen, die zu schnell losgelaufen sind und das hintenraus bitterböse bereut haben. Ich bin so oft den Birxsteig in der ersten Runde hochgehämmert und dann explodiert, weil ich es falsch eingeschätzt habe. Du willst vor den Fans Gas geben, musst aber das gesamte Rennen überstehen. Da muss man cool sein. Das zeichnet die richtig starken Athleten aus. Und das bekommt Herrmann-Wick unheimlich gut hin.
Stichwort Lockerheit.
Rösch: Sie lässt sich nicht stressen und macht ihr Ding. Es ist Fluch und Segen zugleich. Aber wenn Du halbwegs gut performst, sind alle auf Deiner Seite und auf der Welle kannst du ewig reiten. Das ist das Geile!
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Gejubelt wie Haaland! Bö erklärt Sieger-Pose im Verfolger
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