Ein märchenhafter Abschluss mit emotionalem Ausnahmezustand - besser als Erik Lesser kann man aus Sicht von Rösch seine Laufbahn nicht beenden: "Mit dem Sieg in Oslo hat er den Bogen fast überspannt. Was er dort mit seinem Sieg im vorletzten Rennen geleistet hat, war ja verrückt - und ich bin deshalb drei Kilo leichter, weil ich meine Haare verloren habe", so sein langjähriger Weggefährte.
Wie schwierig der Abschied vom Hochleistungssport ist, weiß Rösch aus eigener Erfahrung noch nur zu gut: "Es ist nicht so einfach, ins normale Leben zu finden. Ich finde gut, dass Erik Pläne hat, die er auch schnell umsetzen will. Zuerst macht er aber jetzt in Norwegen noch zwei Woche Urlaub mit seiner Familie und diese Auszeit ist sicher gut für ihn."
Das neue sportliche Fernziel ist ein Start beim Mountainbike-Etappenrennen "Cape Epic" in Südafrika als Zweierteam mit Ex-Radprofi Paul Voß - "seine Waden, die so dick sind wie meine Oberschenkel, werden so schnell also nicht verschwinden", so Rösch.
Holmenkollen
Im letzten Rennen: Lesser verpasst nur knapp weiteren Paukenschlag
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Beruflich wird Lesser die ersten Schritte zur Trainerausbildung angehen, eine Herausforderung, für die der zweifache Weltmeister aber ideale Voraussetzungen mitbringe:
"Trainer zu sein ist etwas absolut anderes, das habe ich selbst auch erlebt und ich bin gespannt, wie er damit umgeht. Es ist wie im Fußball: Die besten Fußballer sind ja auch nicht immer die besten Trainer. Da muss sich Erik in eine neue Rolle reinfinden. Aber von seiner Persönlichkeit und seinen Erfahrungen her gibt es keinen Besseren!"

Lesser im Siegerinterview: "Keine Emotionen, nur Laktat und Schmerz"

Lesser erhält "erschreckende Reaktionen"

Dem deutschen Biathlon dürfte Lesser also erhalten bleiben, seine Lücke im Weltcup-Team aber wird nur schwer zu schließen sein, prognostiziert Rösch. "In seiner Rolle als Leitwolf der Mannschaft sehe ich keinen echten Nachfolger. Rein sportlich gibt es genug starke Athleten im Team, aber charakterlich gibt es aktuell keinen wie Erik. Das sind alles super Typen, aber so meinungsstark wie er ist keiner."
Was die "herausragende Persönlichkeit" des Familienvaters ausmacht, hat zuletzt seine Aktion zum Angriffskrieg Russlands in der Ukraine gezeigt. Der spätestens seit seiner tollen Unterstützung für den russischen Biathleten Eduard Latipov in dessen Heimat populäre Lesser stellte sein Instagram-Profil mit über 170.000 Followern den ukrainischen Athleten Anastasiya Merkushyna und Sergiy Stakhovsky zur Verfügung, damit sie auf diesem Weg Menschen in Russland unzensierte Einblicke in die Schrecken der Kämpfe geben konnten.
"Das war ein typischer Lesser-Move", erklärt Rösch: "Er hat sich Gedanken gemacht und dann einen Nerv getroffen und ein Zeichen gesetzt, das gerade auch international für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat. Hut ab vor ihm für diese Aktion, auch wenn sie viele Follower gekostet hat - sie hat etwas gebracht und war eine super Sache."
Allerdings weiß der Olympiasieger auch, dass sein Freund und Ex-Teamkollege nicht nur viel Respekt, sondern auch übelste Kommentare für seine Aktion erntete.

"Ich habe lange mit ihm darüber gesprochen und was als Reaktion aus Russland kam, war leider teilweise erschreckend. Ob es in dieser Hinsicht etwas gebracht hat, weiß ich deshalb nicht. Denn die Leute dort sind so festgefahren in ihrer Sicht der Dinge. Man muss aber auch sehen, dass die Menschen viel Propaganda ausgesetzt sind. Die international aktiven Sportler wiederum müssten es besser wissen, aber da gibt es auch Angst angesichts der möglichen Konsequenzen."

Rösch will Ukrainern Obdach geben

Auch Rösch bewegt der Krieg sehr, er bemüht sich um konkrete Hilfe für Geflüchtete und will eine Unterkunft zur Verfügung stellen: "Meine Freundin hat im Dezember ein Haus in der Nähe von Dresden gekauft. Es ist noch renovierungsbedürftig, aber die Arbeiten sind in vollem Gange, dort ist alles zu renovieren und ich bin auf der Suche nach Helfern und Unterstützern. Es bringt mich körperlich und psychisch an die Grenze, weil es sehr belastend ist", gesteht der 38-Jährige.
"Aber wir sind dran und versuchen, dass das Haus so schnell wie möglich bewohnbar und für Flüchtlinge beziehbar ist. Ich habe gesehen, wie Felix Loch jetzt an der Grenze selbst Flüchtlinge abgeholt hat und muss sagen, das Thema bewegt mich und meine Familie extrem. Ich hatte Kontakt zu den ukrainischen Biathleten Artem Pryma und Dmytro Pidruchnyi, denen es gut geht – aber es ist natürlich erschreckend, die Bilder von ihnen in Uniform zu sehen, wie sie mit der Waffe im Krieg sind."
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