"Plastiktüten-Training" der Norweger: Eurosport-Experte Michael Rösch erklärt die Hintergründe der kuriosen Maßnahme
Mit seinem starken Auftritt in der Mixed-Staffel hat der Norweger Vebjörn Sörum beim Weltcup-Auftakt in Kontiolahti für Aufsehen gesorgt. Als Schlussläufer führte er Norwegen in der letzten Runde trotz eines 14-Sekunden-Rückstands auf Emilien Jacquelin von Platz drei zum Sieg. Ein Geheimnis seiner Stärke: ein Training mit Plastiktüten. Eurosport-Experte Michael Rösch erklärt, was dahinter steckt.
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Quelle: Eurosport
Beim "Plastiktüten-Training" packen die Athleten des norwegischen B-Kaders, zu dem auch Vebjörn Sörum gehört, ihre Füße in Plastiktüten, ehe sie in ihre Schuhe schlüpfen, um sich auf einen Ergometer zu setzen. Zusätzlich tragen die Aktiven eine Lage Regenkleidung und eine weitere Lage Winterkleidung aus Daunenjacke und Daunenhose. Dann fahren sie dick eingepackt 30 Minuten in einem Raum auf dem Ergometer - und das dreimal die Woche.
"Das Training heißt Heat-Training, zu deutsch: Hitze-Training. Die Methode wurde auch schon im Radsport angewandt. Dazu gibt es auch schon erste veröffentlichte Studien, die die Wirksamkeit belegen. Damit soll der Effekt des Höhentrainings verlängert werden. Man kann damit aber auch ein Höhentrainingslager simulieren", erklärt Eurosport-Experte Michael Rösch.
Geleitet wird das Ganze vom norwegischen Professor Bent Rönnestad, der dafür auch schon mit dem Radsport-Top-Team Jumbo-Visma zusammenarbeitete. Nun hat der Wissenschaftler mit einigen Wintersportlern ein neues Projekt gestartet.
Beim norwegischen B-Kader um Sörum wurde die Trainingsmethodik im Herbst nach dem Höhentrainingslager auf über 1800 Meter am Lavazéjoch in Italien durchgeführt.
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Drama im Schneegestöber: Norwegische Staffel sprintet zum Sieg
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Rösch: "Höhentrainingslagereffekt soll verlängert werden"
"Beim Höhentraining geht es ja um die Anreicherung von roten Blutkörperchen, damit der Sauerstoff besser transportiert wird. Dieser Effekt ist irgendwann nach zwei Wochen zu Ende und durch dieses Training wird nun versucht, diesen Effekt länger rauszuziehen", führt der Staffel-Olympiasieger von 2006 aus.
"Der Effekt eines Höhentrainingslagers ist eigentlich der beste und einzige Weg, auf legale Weise mehr Sauerstoff durch die mehr angereicherten roten Blutkörperchen zu produzieren", hebt Rösch noch einmal die Bedeutung eines solchen Trainingslagers hervor. Wenn man diesen Effekt über mehrere Wochen nach hinten ziehen könne, sei das ein riesen Vorteil.
Unbedenklich ist das Hitze-Training allerdings nicht. "Das kann sehr gefährlich werden", warnt der 41-Jährige: "Denn es wird dabei Fieber simuliert. Daher ist es auch immer unter Aufsicht von einem Wissenschaftler und einem Arzt."
In einem Bericht des norwegischen Rundfunks "NRK" über diese Trainingsmethodik zeigt ein Fieberthermometer 39,4 Grad Fieber an. "Jeder, der Fieber hatte oder hat, weiß, dass man da tunlichst keinen Sport machen sollte", gibt Rösch zu bedenken.
Rösch: "Ist ein sehr schmaler Grat"
Zudem käme die Gefahr möglicher Langzeitschäden. "Bei Fieber kann es beispielsweise auch schnell zu Herzmuskelentzündungen kommen. Das ist schon ein sehr schmaler Grat, was man da seiner Gesundheit antun kann. Aber der Effekt soll halt so krass sein, dass die mit der Methode alle Risiken eingehen", so der Biathlon-Experte.
Einen ersten Eindruck davon bekam die internationale Konkurrenz und allen voran der Franzose Emilien Jacquelin in der Mixed-Staffel am Samstag zu spüren. Nach dem finalen Schießen lag Sörum auf Rang drei 14,6 Sekunden hinter dem viermaligen Weltmeister.
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Auf den letzten Metern! Norwegen schnappt sich noch den Sieg
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Am letzten steilen Anstieg schnappte sich der Norweger zunächst den ebenfalls laufstarken Schweden Martin Ponsiluoma auf Platz zwei.
Doch das war dem 26-Jährigen nicht genug: Obwohl ihm 600 Meter vor dem Ziel noch 10,3 Sekunden auf Jacquelin fehlten, machte er sich auf die Jagd nach dem viermaligen Weltmeister. Tatsächlich gelang es ihm, Jacquelin auf der Zielgerade zu stellen und Norwegen noch den Sieg vor Frankreich zu sichern.
Rösch: "Sörums Schlussrunde war übermenschlich"
"Diese Schlussrunde war übermenschlich, das haben noch nicht viele so geschafft. Das war echt krank", zeigt sich Rösch auch einige Tage später noch davon beeindruckt.
Komplett überrascht hat ihn diese Leistung aber nicht: "Zwei Wochen vor dem Weltcup war bereits die norwegische Ausscheidung in Sjusjöen und da hat er eine Schlussrunde hingelegt, die war eigentlich noch krasser. Das war ein Sprint, deswegen hat man es nicht ganz so gesehen. Aber die Zeiten und Daten waren abartig. Das ist schon ein bisschen von einem anderen Stern."
Aber nicht nur im Weltcup hinterlässt die Methode Spuren. Im IBU-Cup dominieren die norwegischen B-Kaderathleten um Johan-Olav Botn, der vergangene Saison bereits Dritter beim Weltcup-Sprint in Soldier Hollow wurde, die Laufzeiten.
Daher glaubt Rösch auch, dass andere Nationen nachziehen werden: "Da wird es mit Sicherheit Nachahmer geben. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass das schon in anderen Ländern, wahrscheinlich auch schon in den USA, getestet wird. Aber es ist nicht zum Nachahmen empfohlen, vor allem nicht ohne Wissenschaftler und Ärzte."
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Die Lehren des Männer-Einzels: Daran hakte es beim DSV-Team
Quelle: Eurosport
Sprint und Massenstart als nächste Rennen
Weitere Argumente für diese neue Trainingsmethodik könnte Sörum bereits am Freitag liefern, wenn in Kontiolahti der Sprint der Männer (ab 16:05 Uhr live bei Eurosport und auf discovery+) ausgetragen wird.
Einen Tag später geht es in Finnland auch für die Frauen mit einem Sprint (ab 17:00 Uhr live bei Eurosport und auf discovery+) weiter. Am Sonntag steht für die Männer (14:30 Uhr) wie für die Frauen (17:10 Uhr) dann noch ein Massenstart auf dem Programm (beide Rennen live bei Eurosport und auf discovery+).
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Rösch erklärt: Das bedeutet die neue Startgruppen-Regelung
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