Olympia 2022: Ole Einar Björndalen führt chinesiche Biathleten nach Peking - Projekt erntet Kritik

Norweger Ole Einar Björndalen - "Der König der Biathleten" und seine Frau Darja Domratschewa trainieren seit mehr als zwei Jahren die chinesischen Biathleten. Der Achtmalige Goldmedaillen-Gewinner und erfolgreichste Winter-Olympionike unterzeichnete 2017 einen Kooperationsvertrag, um chinesische Athleten olympiafit zu machen. Das Projekt ist jedoch auch von Kritik geprägt.

Fotocredit: SID

Am Samstag wird es ernst für Ole Einar Björndalen. Nicht wie jahrelang am Schießstand, sondern wenige Meter dahinter. Als Cheftrainer wird der "König der Biathleten" aus Norwegen einem Quartett in der olympischen Mixed-Staffel (10:00 Uhr live auf Eurosport) ganz besonders die Daumen drücken: dem chinesischen.
Seit September 2019 ist Björndalen für die Biathleten aus China verantwortlich, mit seiner Frau Darja Domratschewa. Gemeinsam kommt das Paar auf zwölf olympische Goldmedaillen, gemeinsam sollen sie dem Gastgeber der Winterspiele zu Erfolgen verhelfen. "Unser Ziel ist es, die Athleten so weit wie möglich zu entwickeln", sagt Björndalen: "Wenn alles gut läuft, wenn wir Medaillen holen können, wäre das großartig."
Wie der mit acht Goldmedaillen erfolgreichste Winter-Olympionike zu seiner neuen Aufgabe kam? Im April 2017 unterzeichneten Norwegen und China einen Kooperationsvertrag, um chinesische Athleten mittels norwegischer Expertise im Bereich Langlauf und Biathlon innerhalb kürzester Zeit olympiafit zu machen. Mit mäßigem Erfolg.
Wie der norwegische TV-Sender "NRK" berichtet, sind nur noch acht von ursprünglich 60 Trainern und Managern im Projekt involviert. Viele hörten auf, auch weil es Kritik gab. Björndalen sei offensichtlich "Teil einer größeren Strategie", China gut aussehen zu lassen, sagte John Peder Egenaes, Chef von Amnesty Norwegen, bei "VG". Björndalen sei "der berühmteste Biathlet der Welt", ihn an Bord zu haben, bedeute "Prestige" und gebe "Reputationspunkte".

China will ein besseres Ansehen

Die Menschenrechtsorganisation spricht von "Sportswashing", womit China humanitäre Vergehen durch besseres Ansehen in den Hintergrund rücken wolle. "Wenn du ein wichtiges Amt in einem totalitären Staat übernimmst, musst du dir deiner Entscheidung bewusst sein", betonte Egenaes.
Ob sich Björndalen als Teil eines chinesischen Propagandaprogramms fühle? "Ich bin Vollzeittrainer", sagt er bei "NRK" nur: "Ich fühle kein politisches Spiel in dem, was ich tue. Ich konzentriere mich auf die Läufer, die ich habe, und führe keinen Dialog über Propaganda mit irgendeinem Anführer."
Dennoch: "Der Druck ist sehr hoch. Sie pushen uns, damit wir die Sportler härter und härter trainieren", sagte der 48-Jährige. Medaillen sind das Ziel, deshalb sollen Björndalen und Domratschewa, die für das Frauenteam zuständig ist, für ihre Arbeit auch fürstlich entlohnt worden sein. Zumal auch die gemeinsame Tochter Xenia (5) immer mit zu den Trainingslagern nach China reiste.

Björndalen soll China auf Erfolgsspur bringen

Der "Kannibale", wie Björndalen vor seinem Rücktritt 2018 aufgrund seines Ehrgeizes und Erfolgshungers in der Loipe genannt wurde, muss liefern. Gar nicht so einfach, da seine Schützlinge kaum Englisch sprechen und der 20-malige Weltmeister auf Körpersprache und Dolmetscher angewiesen ist.
Die Medaillen sind für die Chinesen jedenfalls außer Reichweite, einzig Fangming Cheng hatte als Zwölfter im Oberhof-Sprint ein kleines Ausrufezeichen im Olympia-Winter gesetzt. Ganz China hofft in den kommenden Tagen auf weitere, größere Überraschungen - und Björndalen auf ein Happy End seiner brenzligen Mission.
(SID)
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Quelle: Eurosport

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