Olympia 2026: Biahtlon-Boss Felix Bitterling exklusiv: "Eine Medaille ist nicht unser Anspruch" - Biathlon-Krise spitzt sich zu
VonThomas Gaber
Publiziert 22/02/2026 um 19:16 GMT+1 Uhr
Die deutsche Biathlon-Mannschaft hat bei den Winterspielen 2026 lediglich eine Medaille gewonnen - so erfolglos waren DSV-Athleten noch nie bei Olympia. Die ernüchternden Zahlen bestätigen einen Trend: Deutschland hinkt der internationalen Spitze deutlich hinterher. Der scheidende Biathlon-Boss Felix Bitterling kündigte eine intensive Analyse an. Doch kurzfristiger Erfolg ist nicht in Sicht.
Sportdirektor Bitterling: "Wir sind natürlich nicht zufrieden"
Quelle: Eurosport
Am vorletzten Wettkampftag der Olympischen Winterspiele 2026 gab es im deutschen Biathlon-Lager doch noch lachende Gesichter.
Franziska Preuß, neben Dorothea Wierer die Grand Dame des Sports des vergangenen Jahrzehnts, verließ die Bühne durch das ganz große Tor. Ihr 28. Rang im Massenstart mit sieben Schießfehlern - geschenkt. Deutschlands Ausnahme-Biathletin ließ sich von Fans und Teamkollegen verdientermaßen gebührend feiern.
Preuß' Abschied wird bei sämtlichen Rückblicken der Wettbewerbe im Biathlon-Mekka Antholz eine Hauptrolle einnehmen. Sportlich waren die Spiele für die deutsche Mannschaft nachweislich historisch schlecht. Eine Bronzemedaille in der Mixed-Staffel bedeutet olympischen Negativrekord für die besten deutschen Skijäger.
"Ohne lange drumherumzureden: Wir sind natürlich nicht zufrieden. Eine Medaille ist nicht unser Anspruch", sagte DSV-Sportdirektor Felix Bitterling im Gespräch mit Eurosport und kündigte eine intensive Analyse an: "Wir müssen alles für den nächsten Zyklus entsprechend angepasst aufgleisen."
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Großer Abschied in Antholz: Ehrenrunde für Preuß und Wierer
Quelle: Eurosport
Frankreich und Norwegen weit weg - Deutschland fehlt Über-Athlet
Bitterling, der nach der Saison zur Internationalen Biathlon-Union wechseln wird, blickt neidisch auf die Konkurrenz: "Wir sehen derzeit, dass zwei Nationen ganz brutal vorne wegmarschieren - Frankreich und Norwegen. Dahinter klafft eine große Lücke. In dieser Anschlussgruppe sind wir auch drin."
Es habe auch viele gute Leistungen der Deutschen bei Olympia gegeben, doch Bitterling schränkt ein: "In der Loipe waren wir in den meisten Fällen nicht in der Lage, dagegenzuhalten. Für uns muss Laufen und Schießen am gleichen Tag super zusammenpassen."
Was dem DSV in erster Linie fehlt, sind die Unterschiedsathleten - erst recht nicht nach Preuß' Karriereende. Es gibt niemanden, der Rennen prägt. Keine Läufer, die eine Strafrunde weglächeln. Keine Schützen, die mit einem Hochgeschwindigkeits-Schießen das Feld unter Druck setzen. "Wir haben mit dem Ausscheiden von Franzi nicht mehr diesen Über-Biathleten", konstatierte Bitterling bei Eurosport.
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Biathlon-Highlights: Preuß und Wierer feiern Abschied im Massenstart
Quelle: Eurosport
Bitterling kritisiert Versäumnisse der Vergangenheit
Besonders bei den Männern zeigt sich ein strukturelles Defizit. Über Jahre fehlte der Nachwuchs, der Druck auf das Weltcup-Team blieb aus. "Uns fehlen ein bis zwei Generationen", erklärte Bitterling. Ein Problem, das sich nicht über Nacht lösen lässt.
Der Verband hat die Strukturen inzwischen umgebaut: spezialisierte Schießprogramme, eine modernisierte Trainerausbildung, neue Förderwege. Doch Bitterling weiß, dass diese Maßnahmen Zeit brauchen. "Das hätte früher passieren müssen."
Wie groß die Lücke ist, zeigt ein Blick nach Frankreich. David Zobel verwies auf die Zahlen: Rund 200 Nachwuchsbiathleten dort - etwa 50 in Deutschland. "Da brauchst du schon ein Ausnahmetalent, sonst wird’s eng", sagte Zobel, der in den Einzelrennen in Antholz 21., 19. und 34. wurde.
Sein Vergleich zum Fußball bringt es auf den Punkt: "Warum ist Deutschland im Fußball besser als Norwegen? Weil wir mehr Spieler haben." Bitterling spricht von einer "Sisyphusarbeit". Immer weniger Jugendliche würden sich für den Leistungssport entscheiden.
Eurosport-Experte Rösch: Nicht mehr ins gemachte Nest setzen
Hinzu kommt ein Standortnachteil, der sich nicht wegdiskutieren lässt. In Skandinavien stehen junge Athleten früher und häufiger auf Schnee. In Deutschland verschiebt sich die Schneefallgrenze nach oben - und damit wertvolle Trainingszeit nach hinten. Bitterling betont, dass das keine Ausrede sein soll. Aber es ist ein Faktor, der die Lücke vergrößert.
In Antholz fehlte oft nicht viel. Zwei vierte Plätze mit den Staffeln, starke Einzelrennen von Vanessa Voigt und Philipp Nawrath - aber ohne Edelmetall bleibt es nur Statistik. "Bei Olympia zählen Medaillen", sagt Nawrath. Und die Erkenntnis ist hart: Selbst perfekte Rennen hätten ohne Fehler der Franzosen oder Norweger kaum für das Podest gereicht.
Die Rahmenbedingungen für bessere Ergebnisse sind in Deutschland eigentlich gegeben. "Wir sind in vielen Aspekten Weltspitze, vom Fördersystem über die Wettkampfstätten, wir haben Wissenschaftler und super Material", sagte Eurosport-Experte Michael Rösch und appelliert an die Sportler: "Man kann sich fragen, ob das nicht zu viel ist, man sich ins gemachte Nest setzt und den Druck nicht spürt."
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Rösch zur Olympia-Flaute: "Man ist nicht so weit weg"
Quelle: Eurosport
"Vielleicht geht man sich dann auch mal auf den Sack"
Ein Blick "nach links und rechts" könne nicht schaden. "Man sollte vielleicht schauen, was andere Nationen machen. Die lassen sich in Sachen Material sicher nicht in die Karten schauen, aber was das Training angeht, kann man von anderen Nationen sicher profitieren, das habe ich zu meiner Zeit auch gemacht."
Zudem müsse man sich beim DSV fragen, "wie man Großereignisse angeht. Hier stellt sich die Frage nach der Unterkunft, die Deutschen waren alle in einem Haus, vielleicht geht man sich nach drei Wochen dann auch mal auf den Sack und das bringt das Teamgefüge durcheinander", so Rösch.
Doch auf welche Sportler kann der Verband in Zukunft bauen? Preuß ist weg, Nawrath und Philipp Horn sind ebenfalls im Spätstadium ihrer Laufbahn. Ob sie bei Olympia 2030 noch dabei sind, ist offen.
Leonhard Pfund (22) ließ vor Olympia im Weltcup aufhorchen lassen, Elias Seidl (21) und Franz Schaser (23) gelten ebenfalls als Versprechen. Bei den Frauen hat Selina Grotian (21) trotz eines schwierigen Olympia-Debüts bereits Weltcup-Siege gefeiert, auch Julia Tannheimer (20) wird einiges zugetraut.
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Nach "Psychoterror" von Antholz: Preuß froh, "dass es geschafft ist"
Quelle: Eurosport
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