Franziska Preuß im Duell mit Lou Jeanmonnot um Gesamtweltcup nach Sprintsieg im Vorteil: "Bring es einfach nach Hause!"
Franziska Preuß oder Lou Jeanmonnot? Das Saisonfinale in Oslo steht bei den Frauen im Zeichen des deutsch-französischen Duells um den Gesamtweltcup. Preuß geht nach dem Sprint-Krimi mit nunmehr 35 Punkten Vorsprung in die letzten beiden Rennen. Die Worte von Michael Rösch, der im Gespräch mit Eurosport.de im Hinblick auf die mentale Stärke Preuß im Vorteil sieht, scheinen sich zu bewahrheiten.
Highlights: Preuß gewinnt Sprint-Thriller am Holmenkollen
Quelle: Eurosport
Es ist die bislang beste Saison ihrer Karriere, so viel steht schon vor den abschließenden zwei Weltcuprennen am Holmenkollen fest.
Der Auftakt beim Saisonfinale war schon einmal vielversprechend: Franziska Preuß gewann den Sprint mit der Winzigkeit von 0,2 Sekunden Vorsprung auf ihre Rivalin Lou Jenamonnot und sicherte sich damit die kleine Kugel für die Sprintwertung. "Ich glaube, das zeigt, wie hoch das Niveau bei uns beiden aktuell ist", erklärte die DSV-Biathletin bei Eurosport.
Ein wesentlicher Faktor der Erfolge: Preuß kam endlich einmal ohne gröbere gesundheitliche Rückschläge durch den Winter und spielte ihre Fähigkeiten konstant aus.
Der Lohn: Der erste WM-Titel in einem Individual-Wettbewerb (Verfolgung) bei den Weltmeisterschaften in Lenzerheide, drei Weltcupsiege in Hochfilzen (Sprint), Le Grand-Bornand (Verfolgung) sowie jüngst am Freitag in Oslo (Sprint) - und viele Wochen im Gelben Trikot.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/21/4111769-83373033-2560-1440.jpg)
Preuß nach Sprint-Coup: "Bring es irgendwie nach Hause!"
Quelle: Eurosport
Die Krönung soll am Wochenende in der norwegischen Hauptstadt folgen, zwei Rennen stehen noch aus. Als erste DSV-Biathletin seit Laura Dahlmeier vor acht Jahren will die 31-Jährige den Gesamtweltcup für sich entscheiden. Dank des Sprint-Sieges zum Auftakt ins finale Wochenende sieht es besser aus denn je. Mit Lou Jeanmonnot ist nur eine Rivalin übrig geblieben.
Rösch: Das könnte der Gamechanger für Preuß sein
Obwohl die Französin es auf sieben (!) Siege in der laufenden Saison bringt, sieht Eurosport-Experte Michael Rösch einen Vorteil bei Preuß. Die höhere Anzahl an Saisonerfolgen spreche auf den ersten Blick zwar für Jeanmonnot, "aber Franzi ist konstanter, auch wenn es zuletzt hier und da etwas zäh war. Ein Gamechanger könnte die Verfolgung in Nove Mesto gewesen sein. Da beginnt Franzi mit drei Schießfehlern und legt dann drei fehlerfreie Einlagen nach", so der Staffel-Olympiasieger von 2006.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/21/4111763-83372908-2560-1440.jpg)
Eiskalt beim letzten Schießen! Preuß macht Sprint-Kugel klar
Quelle: Eurosport
Situationen wie diese seien "Kopfsache und sie hat sich mental total stark präsentiert". Das Einzel auf der Pokljuka habe ebenfalls gezeigt, wie nervenstark Preuß agiere. "Es lief nicht gut in der Loipe, sie selbst sprach von einem absolut bescheidenen Tag - und doch hat sie viermal Null geschossen", unterstreicht Rösch. "Meiner Ansicht nach macht Franzi über die gesamte Saison betrachtet den mental stärkeren Eindruck."
Preuß contra Jeanmonnot - die Statistiken sind beeindruckend
Statistisch gesehen müsse man mit einem "Kopf-an-Kopf-Rennen" rechnen. Rösch spielt damit auf die Ergebnisse im Stehend- und Liegendanschlag sowie die Laufleistung an.
Preuß kommt im Schießen auf Quoten von 96 (liegend) beziehungsweise 88 Prozent (stehend), Jeanmonnot ist mit 94 und 87 Prozent geringfügig schwächer. Dafür ist die 26-Jährige in der Loipe schneller, liegt im Schnitt pro Kilometer 1,8 Sekunden hinter der Laufbesten, bei Preuß sind es 3,7 s.
"In Oslo liegt der Schießstand sehr tief und es geht erst einmal lange bergauf. Der Anlauf zum Schießstand wiederum ist einfach, man kommt aus einer Abfahrt. Das spricht für Franzi, die beim Schießen etwas stabiler ist", erläutert der 41-Jährige.
(Vor)entscheidung schon im Sprint?
Im Sprint, dem ersten von drei noch ausstehenden Rennen, waren beide Athletinnen enorm sicher am Schießstand - sowohl Preuß als auch Jeanmonnot kamen mit null Fehlern durch, am Ende behielt die DSV-Jägerin mit 0,2 Sekunden Vorsprung die Oberhand.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/19/4111253.jpg)
Lou Jeanmonnot (li.) und Franziska Preuß (re.)
Fotocredit: Eurosport
Ein Umstand, der Rösch in Ekstase versetzte: "Das kannst du keinem Menschen erzählen, was hier abgeht", kommentierte er am Eurosport-Mikrofon, nachdem Jeanmonnot mit ihrem Mini-Rückstand ins Ziel gelaufen war.
- Biathlon-Finale in Oslo (21.3. bis 23.3) live und auf Abruf auf discovery+
Rösch: "sie merkt langsam den druck"
Neben den sportlichen Überlegungen muss Preuß auch mit dem medialen Aspekt ihres großen Zieles zurechtkommen. "Was mir auffällt: Sie merkt langsam den Druck, das zeigt die eine oder andere Aussagen von ihr gegenüber den Medien. Das ist absolut menschlich", sagt der ehemalige Biathlet.
Preuß bestätigte die Einschätzung nach ihrem Sprint-Coup. Sie merke vor den beiden abschließenden Rennen schon einen "gewissen Druck", verriet sie. Doch zu sehr wolle sie das Ganze nicht an sich heranlassen.
"Ich versuche, mich so wenig wie möglich auf das Duell mit Lou zu konzentrieren", erklärte Preuß - und führte aus: "Ich schaue von Rennen zu Rennen."
Dass Preuß im Vorfeld des Oslo-Wochenendes auf Einzelinterviews verzichtet hat, wertet Rösch indes als als cleveren Schachzug, denn "die Tragweite eines Gesamtweltcupsiegs ist enorm", wie er ausführt. "Franzi wird das jetzt bewusst. Ihr wird klar, in welche Riege außergewöhnlicher Sportlerinnen sie sich da einreihen kann."
Gelingt der Coup, wäre die Bayerin nach Martina Glagow (Beck), Kathi Wilhelm, Andrea Henkel, Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier die sechste DSV-Biathletin, die nach dem letzten Weltcuprennen eines Winters das Gelbe Trikot trägt.
Punktesystem: es geht um jede einzelne Position
Wie die Dinge liegen, darf sich der Biathlon-Sport auf einen Krimi freuen am Holmenkollen. Das hat sich mit dem Sprint-Ergebnis keineswegs geändert. Obwohl Preuß ihrem Vorsprung von 20 auf 35 Zähler ausgebaut hat, kann bereits am Samstag nach der Verfolgung (15:50 Uhr im Liveticker) schon wieder alles anders aussehen.
"Der Sieg bringt 90 Punkte. Wenn du aber Zweite wirst, bekommst du 75, womit 15 auf die Konkurrentin weg sind. Bedeutet: Bei zwei Plätzen Unterschied kann sich schon alles drehen. Daraus folgt, dass du mental bereit sein musst, um jede einzelne Position zu kämpfen, auch wenn es zu Rennbeginn vielleicht nicht läuft", umreißt Rösch die besondere Herausforderung.
Selbst ein vierter Platz, "was eine Topleistung ist", könne schon zu wenig sein. Die Bühne für ein Finale furioso in der Verfolgung und im Massenstart ist also bereitet, oder wie Rösch es ausdrückt: "Diese Konstellation ist krass!"
Preuß wiederum wird das Motto verfolgen, mit dem sie bereits im Sprint erfolgreich war: Ich habe mir gesagt: Bring es einfach nach Hause!'"
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Bö-Brüder geben Abschied - es wird emotional
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/21/4111794-83373528-2560-1440.jpg)
"Das ist ihr Jahr": Preuß wird mit kleiner Kristallkugel ausgezeichnet
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/22/image-98b602cb-ae46-4c06-8857-c6197f655aaf-68-310-310.jpeg)